Stichtag verstrichen, Zahlungsdienstleister verpassen Richtlinienkonformität

Mit PSD2 hat am Samstag die Open-Banking-Ära begonnen - theoretisch

| Redakteur: Ulrike Ostler

Auch, wenn es doch nur so einfach wäre auf PSD2 umzustellen! Bei vielen deutschen Banken müssen Kunden auf das "Open Banking" noch warten.
Auch, wenn es doch nur so einfach wäre auf PSD2 umzustellen! Bei vielen deutschen Banken müssen Kunden auf das "Open Banking" noch warten. (Bild: © pe3check - stock.adobe.com)

Oweih! Seit Samstag, den 13. Januar 2018 gilt sie bereits: die Ende 2015 überarbeitete Zahlungsdiensterichtlinie 2 (( EU ) 2015/2366, Payment Service Directive 2, kurz PSD2). Eine Befragung durch Finextra unter mehr als 200 europäischen Zahlungsdienstleistern aus 89 Banken in 14 Ländern kurz vor dem Stichtag zeigte allerdings, dass weniger als die Hälfte deutscher Banken glaubt, PSD2-konform zu sein.

Kurz vor dem Inkrafttreten von PSD2 zeigte die von CA Technologies initiierte Studie unter dem Titel „PSD2: A Strategic Game-Changer With A Long-Term Impact“, dass nur 49 Prozent der Befragten bei deutschen Banken davon ausgeht, bis zum 13. Januar 2018 das Mindestmaß an PSD2-Anforderungen umgesetzt zu haben. Damit lag Deutschland 9 Prozent unter dem europaweiten Durchschnitt.

„Um bis zum Stichtag im Januar PSD2-konform zu sein, haben viele Banken in Deutschland zunächst nur das Mindestmaß an Maßnahmen umgesetzt“, so Sven Mulder, Country VP, Regional Sales, Central, South Eastern Europe & Russia bei CA Technologies. „Auf lange Sicht, darüber sind sich die meisten der Befragten einig, wird PSD2 aber eine neue Ära des offenen und innovativen Bankings einläuten.“ Tatsächlich gaben sich, trotz des Nachholbedarfs, 89 Prozent der deutschen Banken überzeugt, dass PSD2 auf lange Sicht Innovationen und neue Produkte und Services hervorbringen werde – 91 Prozent sehen den Fokus dabei klar auf dem Kunden.

Das aber bedeutet laut Mulder: „Banken in Deutschland müssen sich strategisch neu ausrichten, um PSD2 auch für den eigenen Geschäftserfolg nutzen zu können. Es gilt, den digitalen Zahlungsverkehr zu optimieren, indem Anwendungsarchitekturen modernisiert, die Umsetzung von Open Banking beschleunigt und neue, kooperative Partnerschaften geschlossen werden – egal, wie weit Banken bei der Umsetzung von PSD2 bereits sind.“

PSD2 bedeutet nicht nur Compliance, sondern auch Innovation

Die Studie zeige deutlich, dass deutsche Banken PSD2 vor allem als Auslöser für einen Strategiewandel verstehen. Während für 31 Prozent der Befragten PSD2 in erster Linie mit Compliance-Aufgaben verbunden ist (der europäische Durchschnitt beträgt 24 Prozent), hat die Mehrheit (54 Prozent) bei der Umsetzung der Richtlinie ein strategisches Ziel vor Augen. Dieser Trend werde dadurch bestätigt, dass 94 Prozent der Befragten angibt, die digitale Transformation der eigenen Firma spiele bei der Umsetzung von PSD2 eine entscheidende Rolle, lautet ein Ergebnis der Umfrage.

Die teilnehmenden Banken in Deutschland zeigten sich offen gegenüber dem experimentellen, für Innovationen so entscheidenden "Fail Fast"-Ansatz. Den Evaluierungen zufolge haben 17 Prozent der Unternehmen inzwischen einen oder mehrere neue, durch PSD2 inspirierte, Services implementiert – 11 Prozent der Banken haben dabei Projekte aufgegeben, die ihre Kriterien für eine kontinuierliche Weiterentwicklung nicht erfüllten.

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Über die Studie

9 Prozent der deutschen Banken setzen bei der Vorbereitung auf PSD2 auf agile Methoden und nutzen damit das enorme Potenzial, das ihnen Agilität bietet: Beim „Kick-Start“ von Innovationen, der schnellen Entwicklung moderner, kundenbezogener Banking Services und der Anpassung an Standards.

PSD2 und mehr

Im Hinblick auf die Geschäftsmodelle, die Banken in ihrer PSD2-Umgebung anstreben, sind das Account Information Service Provider (AISP)- und das Payment Initiation Service Provider (PISP)-Modell am beliebtesten: 76 Prozent der Banken in Deutschland planen, das erste der beiden umzusetzen – 67 Prozent sprechen sich für das zweite aus.

Ein Großteil der Befragten ist sich zudem einig, dass Technologie im Zentrum einer erfolgreichen PSD2-Strategie steht: 89 Prozent der deutschen Banken stimmen zu, dass sie für eine erfolgreiche Umsetzung von PSD2 und Open Banking auf neue Technologien angewiesen sein werden. Bei der Frage nach der beliebtesten Sourcing-Technologie-Lösung stimmt die Hälfte der Befragten für einen „One-Stop-Shop“-Provider.

Die Bedeutung von Application Programming Interfaces (APIs) bei der Umsetzung ist erkannt. 62 Prozent der Befragten räumen APIs oberste, zweite oder dritte Priorität ein, wenn es darum geht, Produkte für Kunden zugänglich zu machen – bei 17 Prozent dienen sie dazu, kundenorientierte Plattformen mit Fintech-Partnern zu schaffen.

Doch warum erfolgt die Umsetzung dennoch so schleppend, dass ein Großteil der Finanzhäuser selbst zum Stichtag noch nicht fertig ist? Für 85 Prozent der Banken in Deutschland ist PSD2 mit großen Herausforderungen verbunden, zu denen der Mangel an Fähigkeiten und knappe Budgets ebenso zählen wie technologische Herausforderungen, Legacy-Systeme und Sicherheitsbedenken.

Für mehr als ein Drittel der Befragten (36 Prozent) bleibt das Erstellen des Business Case eine der größten Herausforderungen bei der Umsetzung von PSD2. Außerdem glauben 45 Prozent, Kunden seien noch nicht bereit für Open Banking – Deutschland liegt mit seiner Einschätzung damit 8 Prozent über dem europaweiten Durchschnitt. Das erklärt, weshalb 81 Prozent der deutschen Banken mit einem Return On Investment erst nach frühestens zwei Jahren rechnen.

Banken wittern Gefahren durch die GAFA-Gruppe

Ist PSD2 erst einmal umgesetzt, geht laut 42 Prozent der deutschen Banken die größte Gefahr von der sogenannten GAFA-Gruppe (Google, Amazon, Facebook, Apple) aus. Es erscheint deshalb nicht verwunderlich, dass Banken bei ihren Compliance-Anstrengungen bisher eher zögerlich sind. Dabei ist die Herausforderung für Banken durch die Consumer-Tech-Giganten weniger zum PSD2-Stichtag zu spüren, als vielmehr in der Zeit danach, in der sie sich weiterentwickeln wird.

Weniger als ein Drittel der Banken in Deutschland (30 Prozent) hält die etablierten Banken für die größte, von PSD2 ausgehende Gefahr. Das hängt damit zusammen, dass die Befragten in ihren eigenen Kundenbeziehungen und -daten einen entscheidenden Wettbewerbsvorteil sehen. Verständlich wird dadurch auch, weshalb sich die Befragten auf Geschäftsmodelle zur Zahlungsinitiierung und -aggregation konzentrieren, die auf Angriffe nicht nur von Neueinsteigern, sondern auch von etablierten Akteuren vorbereitet sind.

19 Prozent der deutschen Banken fürchten sich in der wettbewerbsgeprägten PSD2-Landschaft am meisten vor neuen, digitalen Banken, die die Potenziale von PSD2 besser nutzen können – weil sie agiler sind und nicht von Legacy-Applikationen ausgebremst werden wie etablierte Banken. Sie können die durch PSD2 geforderten Änderungen schneller umsetzen und APIs leichter implementieren.

Mulder folgert: „Der Diskurs zwischen deutschen Banken wird in Zukunft weniger von Wettbewerb als vielmehr von Zusammenarbeit und Partnerschaft geprägt sein“ und kommt mit dem hauseigenen API-Management um die Ecke, mit dem Banken Zahlungsdienstleistungen von Drittanbietern an ihre eigenen Systeme anbinden können.

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