Big Data und neue Beispiele für die Machine-to-Machine-Kommunikation Mit M2M heben Smart Cities ab

Autor / Redakteur: Gert Pauwels / Ulrike Ostler

Machine-to-Machine (M2M)-Initiativen verändern bereits heute den Alltag in den Städten. Nirgendwo sonst treffen so viele Einsatzmöglichkeiten aufeinander. Vorangetrieben wird M2M von der Preissenkung bei immer leistungsfähigeren Sensoren, mobile Kommunikation und der Möglichkeit zur Verarbeitung auch einer immensen Datenflut.

Firmen zum Thema

M2M und die Möglichkeit große Datenmengen aus vielen Datenquellen zu verarbeiten und zu analysieren schaffen interessante Geschäftsmodelle und nie dagewesene Dienstleistungen.
M2M und die Möglichkeit große Datenmengen aus vielen Datenquellen zu verarbeiten und zu analysieren schaffen interessante Geschäftsmodelle und nie dagewesene Dienstleistungen.
(Bild: lassedesignen/Fotolia.com)

Smart Cities treiben Innovationen bei Verwaltungsservices, Verkehr, Versorgung, Gesundheitswesen, Bildung, Sicherheit, Bauwesen und Umwelt. Die Schwerpunkte dabei variieren nach Notwendigkeit, aber auch nach dem jeweiligen industriellen Engagement im Land.

In Asien gibt es derzeit Ansätze, die Abwasser-Systeme intelligenter zu gestalten, denn starke Regenfälle und Überflutungen überfordern das Abwassersystem. Auch gibt es Pläne, die Luftqualität über Sensoren zu messen und diese Information zur Steuerung von Emissionen und zur Information der Bürger zu nutzen.

Der in Europa bisher wohl am weitesten entwickelte Bereich ist „Connected Car“. Mobil bezahlen in Taxis, GPS und LKW-Maut zählen schon zu den Standards. Die intelligenten Fahrzeuge erinnern den Fahrer nicht nur daran, wann der nächste Werkstattbesuch fällig ist. Sie informieren auch die Werkstatt vorab über den aktuellen Zustand des Fahrzeugs.

Connected Car

Nach Schätzungen der Marktforscher von SDB Strategic Planners Limited werden bis 2025 rund 600 Millionen dieser M2M-Autos unterwegs sein – mit einem Gesamtwert von 19 Milliarden Euro. Inzwischen lesen Testfahrzeuge dem Fahrer die elektronische Post vor, informieren über Straßenlage und Verkehrsdichte, ja machen sich selbst zum Hotspot mit Breitbandverbindung mit bis zu 100 MBit/s für Kommunikation und Infotainment.

Auch die Messung des Fahrverhaltens ist möglich (siehe Video Google Car) – Daten die dem Fahrer helfen, ökonomischer zu fahren, die aber auch für Versicherungen für sogenannte “Pay as you drive”-Modelle interessant sein können. Gerade in Mega-Cities können solche Systeme helfen, verstopfte Straßen zu vermeiden. In Formel-1-Wägen werden in Echtzeit über 13.000 Innen- und Außenparameter erfasst.

Viele dieser Initiativen sind auch für den öffentlichen Nahverkehr interessant – sei es für die Aufladung von Elektrobussen, sei es für die Auslastungsplanung öffentlicher Verkehrsmittel. Auf europäischer Ebene gibt es inzwischen die Verpflichtung zu einem intelligenten Transportsystemprogramm (IST) für jedes Land. Die oberste Priorität haben in der EU momentan jedoch das Verkehrswesen und intelligente Verkehrsinformationssysteme.

Neue Notruf-Systeme

Dazu zählen zum Beispiel das E-Call Notruf-System, bei dem ab 2015 ein neues Auto die Polizei automatisch über einen Unfall informiert, und ein intelligentes LKW Parksystem. Sensoren in einer Vielfalt von Systemen wie Ampeln, öffentlichen Verkehrsmitteln oder Parkplätzen erlauben es, den aktuellen Status über Internet abzurufen und bilden eine Grundlagen für eine vollkommen neue Art an Dienstleistungen.

So arbeitet Orange Business Services derzeit zusammen mit Openmatics an Telematikdiensten für Lastwagen und Busse auf internationaler Ebene: Dazu wird jedes Fahrzeug mit einer SIM-Karte ausgerüstet.

Über ein mobiles Kommunikationsnetzwerk ist das lückenlose Tracking der SIM-Karten möglich - weltweit. In Belgien wird momentan ein System getestet, das ein Elektrofahrzeug während eines kurzen Aufenthalts in bestimmten Straßen- bzw. Parkbereichen über elektrische Drähte auflädt.

Das intelligente Krankenhausbett

Außerhalb Europas – vor allem in den USA – stehen Initiativen im Gesundheitswesen im Vordergrund. Interessante Projekte in diesem Bereich gibt es allerdings auch in Europa. So arbeitet in Belgien Orange Business Services mit einem Partnerunternehmen an der Entwicklung intelligenter Krankenhausbetten.

Sensoren messen das Befinden und Verhalten der Patienten und informieren bei Bedarf das Pflegepersonal. Damit soll die Pflege verbessert und durch eine bedarfsorientierte Organisation der Mangel an qualifiziertem Pflegepersonal ausgeglichen werden.

Ein weiterer Einsatz von M2M-Technologien ist Smart Home. Das Einführen intelligenter Stromzähler (Smart Metering) als teilweise seit 2001 etablierte Technologie zählt teilweise in diesen Bereich.

Die funkende Batterie

Das Streben nach Kostensenkung durch weniger Energieverbrauch, höherer Sicherheit und Fernsteuerung von Haushaltsgeräten und Haustechnik über das Internet hat vor allem dem Sensorenmarkt zusätzlichen Antrieb gegeben. Und wie lässt man bereits installierte Hausgeräte kommunizieren?

Ein Unternehmen namens Tethercell hat ein Batterieähnliches M2M-Modul entwickelt, das mit den Batterien im Batteriefach liegt, aber Befehle von außen entgegennimmt. Leider sind die Kosten für dieses Modul mit 35 US-Dollar pro Stück noch recht hoch.

Von der LKW-Maut zur Parkuhr

(Bild: sellingpixs/Fotolia.com)
Umgesetzt werden diese Smart-City-Initiativen häufig über Partnerschaften der öffentlichen Hand mit der Privatwirtschaft mit der öffentlichen Hand. Das deutsche Maut-System mag hier als eines der frühen Beispiele dienen.

Für die Regierungen ist dies eine Möglichkeit, das Verhalten der Bürger zu beeinflussen und Anreize für die Wirtschaft zu schaffen. Für die Unternehmen erschließen sich neue Märkte mit einem noch kaum erschlossenen Potenzial. Was sich Unternehmen letztlich von der Möglichkeit, diese Daten zu verarbeiten und zu intelligenter Information zu machen erwarten, sind Wettbewerbsvorteile und Marktanteile.

Davon könnte jede Branche profitieren: egal ob es um Parkuhren oder Stromzähler, Verkehrssensoren oder Bezahlmöglichkeiten geht. Folgerichtig ist es auch ein Konglomerat aus Unternehmen, die derzeit mit den unterschiedlichsten Initiativen den M2M-Markt in extremer Geschwindigkeit weiterentwickeln.

Chancen für die großen und für ganz viele neue Player

IT-Dienstleister mit einem soliden Standbein in der Informationstechnologie und Telekommunikation wie Orange Business Services sind hier die Partner der Wahl. Ihr Geschäft ist ohnehin datenintensiv und sie können eine effiziente und sichere Datenübertragung sicherstellen.

Aber man findet bei M2M-Projekten natürlich auch die großen Namen der IT-Branche wieder. IBM punktet mit einer Kampagne namens “Smarter Planet”, Cisco nennt seine Aktivitäten “Smart+Connected Communities”, Hewlett-Packard arbeitet an einem “zentralen Nervensystem für die Erde”. SAP eröffnete im April 2012 ein M2M Resource Center gemeinsam mit den Analysten der Economist Intelligence Unit. Siemens und General Electric bauen smarte Systeme, in die sie ihr umfangreiches Branchenwissen beispielsweise im Gesundheitswesen und in der Produktion einbringen.

Service Provider und die Hersteller von Chips, Sensoren und intelligenten Geräten bringen ihre Expertise beim Aufbau sicherer und stabiler Netzwerkinfrastrukturen in die Projekte mit ein. Weitere Partner kommen aus fast allen Bereichen – zum Beispiel aus der Nahrungsmittelindustrie oder dem Handel.

Auf dem Weg zu neuen Horizonten

Letztlich sind es drei Bereiche, die M2M prägen: Erstens Embedded Sensoren, die Veränderungen identifizieren und kommunizieren. Sie befinden sich bei weitem nicht nur in mobilen Geräten, sondern werden zunehmend in allen möglichen Objekten integriert. Zweitens Bilderkennung, die es erlaubt, Objekte, Personen oder Gebäude zu identifizieren. Und schließlich Near Field Communication (NFC), mit deren Hilfe Daten übertragen und in die Mobilfunknetze gesendet werden können.

"Neue Horizonte" ist in diesem Fall nicht ganz wörtlich zu verstehen ... Allerdings muten viele bereits umgetzte und/oder praktikable Ideen wie Science Fiction an.
"Neue Horizonte" ist in diesem Fall nicht ganz wörtlich zu verstehen ... Allerdings muten viele bereits umgetzte und/oder praktikable Ideen wie Science Fiction an.
(Bild: innovari/Fotolia.com)
Dabei entstehen interessante Geschäftsmodelle und nie dagewesene Dienstleistungen. Große Unternehmen wie Orange Business Services bieten die lokale und internationale Connectivity und die Integration, doch viele der Ideen kommen von kleinen Start-ups, die mit neuen Fragestellungen neue Erkenntnisse und Dienste aus den steigenden Datenmengen (Big Data) und M2M generieren. Kein Wunder also, dass die noch jungen Unternehmen viel Aufmerksamkeit und Unterstützung bekommen. Alle Initiativen sind jedoch auf eines ausgelegt: sinnvolle Einsatzmöglichkeiten für die vielversprechenden neuen Technologien zu finden. Wir dürfen gespannt sein.

Der Autor:

Gert Pauwel ist, Marketing Director, M2M Center, Orange Business Services. Vom ihm stammt auch der Artikel: "Querdenker und Hürdenspringer gesucht! M2M – die unbemerkte Eroberung des Massenmarkts"

(ID:39981280)