Forrester vergleicht 5 Anbieter von Master Data Management Massenhaft neue Stammdaten verwalten – die wichtigsten Player

Autor / Redakteur: Ludger Schmitz / Ulrike Ostler

Eine Folge von Big Data ist, dass in großer Menge neue Daten anfallen, die als Kerndaten für ein Unternehmen hohen Wert haben könnten. Daraus ergeben sich neue Anforderungen für die zentrale Stammdatenverwaltung.

Firmen zum Thema

Informatica, IBM und Talend haben beim Masterdaten-Management die Nase vorn.
Informatica, IBM und Talend haben beim Masterdaten-Management die Nase vorn.
(Bild: Forrester)

Gehen der IT-Branche die Abkürzungen aus? MDM heißt Mobile Device Management, oder? Das Marktforschungsunternehmens Forrester Research erinnert daran, dass die Abkürzung früher Master Data Management meinte, auf Deutsch: Stammdatenverwaltung. Die Studie hat den Titel „Master Data Management Solutions, Q1 2014“.

Forrester beschreibt darin die Lösungen der fünf, so die Analystin Michele Goetz, „prominentesten“ Anbieter in diesem Segment. Denn diese Produkte zeigten am deutlichsten auf, welche Herausforderungen und Trends in diesem Segment bestünden. Alle folgenden Bewertungen sind dieser Studie entnommen.

Stammdaten sind, so Wikipedia, jene Daten, „die Grundinformationen über betrieblich relevante Objekte (wie Produkte, Lieferanten, Kunden, Mitarbeiter) enthalten (zum Beispiel Bezeichnung und Preis, Rabattvereinbarungen, Namen und Adressen, Eintrittsdatum ...), die zur laufenden (zum Beispiel periodischen) Verarbeitung erforderlich sind“. Es sind also die wichtigsten Basisinformationen für das Wohl oder Wehe eines Betriebs, die mehr als besonderer Sicherung bedürfen. Sie benötigen strategisch wohlbedachter Definition, was dazu gehört und was nicht, laufender Überprüfung beispielsweise auf unerwünschte Redundanzen und Modellierung.

Die Grundsatzfrage

Grundsätzlich besteht schon die Frage, wie sich bereits bestehende Stammdaten besser nutzen lassen. Denn nicht selten liegen sie von einander separiert – womöglich mit unterschiedlichen Inhalten, aber partiell identisch – in verschiedenen Unternehmensbereichen vor. Außerdem sind die Hierarchien und die Beziehungen zwischen den Objekten unterschiedlich angelegt.

Dies ist eine Herausforderung für ihre Integration. Die Nutzbarkeit wird dadurch erschwert, dass in Internetzeiten nicht nur mehr Daten in Unternehmen hereinfließen, sondern darunter auch neue Datentypen anfallen, die relevante Informationen enthalten könnten.

Master Data Management, im Folgenden mit MDM gemeint, umfasst, was nötig ist, um dadurch anfallende Aufgaben zu erledigen. Dabei unterstützen mehr oder minder weitgehend diverse Software-Tools. Forrester hat nach insgesamt 65 Kriterien das Lösungsangebot, die Produktstrategie und die Marktpräsenz von IBM, Informatica, Oracle, SAP und Talend untersucht.

Die wichtigsten Marktspieler

IBM ist ein Altmeister in Sachen MDM. Die Lösung heißt „Infosphere MDM“ und befindet sich seit Juni letzten Jahres im Versionsstand 11. Das Produkt hat sich unterschiedlichen Plattformen und komplexe MDM-Aufgaben bewährt. Es erleichtert die Organisation der Daten nach Regeln und Modellen, seine Integrations- und Skalierungsfähigkeiten kommen Big-Data-Strategien entgegen. In der Anlage modular, ist es in verschiedene Richtungen erweiterbar.

Forrester prüft neben dem MDM-Angabot von IBM auch das von Informatica auf Herz und Nieren.
Forrester prüft neben dem MDM-Angabot von IBM auch das von Informatica auf Herz und Nieren.
(Bild: © DOC RABE Media - Fotolia)

Allerdings beginnt hier, so Forrester, auch die Kritik von Seiten der Anwender, dass es nach der Einrichtung des Systems schwierig wird, weitere Lösungen einfließen zu lassen. In das Release 11 lassen sich bestehende MDM-Steuerungs- und Analysemodelle aus Vorversionen übernehmen.

Die Kritik an IBM

Allerdings arbeitet nun im Kern eine wahrscheinlichkeitstheoretisch angelegte Matching Engine (Abgleichungsmechanismus) statt der zuvor deterministischen. Außerdem ändern sich die Lizenzen, so dass Anwender mit höheren Kosten zu rechnen haben.

Insgesamt entwickle sich InfoSphere in Richtung der auf eine vereinheitlichte „smart information platform“ zielenden IBM-Strategie. Das Produkt bringe am meisten, wenn man es mit anderen Lösungen verbindet. Forrester urteilt: „Wenn Kunden Big Data, anspruchsvolle Analytik und komplexe Master-Data-Sichten über verbundene Umgebungen benötigen, macht sich Infosphere kurz- und langfristig bei Business-Daten bezahlt.“

IBM und Informatica auf gleicher Höhe

Als Hauptkonkurrent so ziemlich auf gleicher Höhe sieht Forrester den Anbieter Informatica. Dessen Produkt „Informatica Master Data Management“ ist ebenfalls seit Juni 2013 im Release-Stand 9.6., auf den sich Forrester bezieht.

IBM und Informatica halten sich fast die Waage.
IBM und Informatica halten sich fast die Waage.
(Bild: Yuriy Yurchenko/Fotolia.com)

Mit dieser Version habe das Unternehmen dessen zentrale Fähigkeiten bestärkt. Dazu zählen das Modellieren, der Abgleich und die Zuordnung von Daten jedweder Herkunft, ein mächtiges Werkzeug in Händen derer, die Stammdaten managen müssen. Anwender lobten die Konfigurierbarkeit, Skalierbarkeit und die Performance.

Informatica orientiere sich in Richtung Big Data, Cloud, mobile Daten und soziale Netze. Inzwischen verfolge der Anbieter ferner die Strategie, „out of the box“-Lösungen für spezielle Business-Aspekte anzubieten, insbesondere für spezifische Branchen. Entsprechend vorgefertigte analytische Modelle gelten als wichtigstes Manko, so Forrester. Ein anderes sei die Erweiterung über MDM hinaus. Weitere Investitionen in diese Richtungen, so die Analysten, „werden dazu beitragen, dass Informatica gegenüber anderen MDM-Anbeitern sehr wettbewerbsfähig bleibt“.

Das Angebot von SAP

Als dritte Größe („leader“) im Anbieterfeld sieht Forrester SAP. Zwei Produkte fließen in den Überblick der Analysten ein: „Netweaver MDM“ (Version 7.1 SP10) und vor allem „Master Data Governance“ (MDG, Version 6.1). Beide deuten auf die historische SAP-Stärke im ERP-Bereich hin, indem sie sich in entsprechende Produkte integrieren lassen und von der Anlage auf Business-Prozesse ausgelegt sind.

Entsprechend ist die Verbindung mit Business-Zielen, Reports und ROI-Kalkulationen eine Stärke des Anbieters. Als kritikwürdig gelten Integration und Entwicklung oder Abänderung von Modellen. Der Anbieter empfiehlt die Nutzung von Standardmodellen.

Fragen werfe, so die Analysten, die Übernahme von Hybris für die künftige SAP-MDM-Strategie auf. Auch sei SAP in puncto Big Data hinterher, vielversprechend sei allerdings die Integration von MDM und MDG mit der Hana-Plattform. Insgesamt ist SAPs MDM-Angebot nach Ansicht von Forrester „weniger gebündelt als das der MDM-Leader, aber die Aufmerksamkeit des Anbieters für die Unterstützung eines Business-getriebenen MDM-Programms macht SAP eine ernste Betrachtung wert“.

Was macht Oracle?

Oracle ist der Einladung von Forrester zu einer eingehenden Präsentation und eines Tests nicht gefolgt und hat vielleicht aus diesem Grund eine Abwertung erfahren. Das Angebot des Herstellers besteht aus verschiedenen „hubs“ für Stammdaten und Business-Prozesse, die konzertiert wirken können.

Allerdings überschneiden sich diese Produkte teilweise, und es ist für Anwender schwer, die richtige Auswahl zu treffen. Letztlich liefen die Klagen von Anwendern auf überschaubare Leistung der Produkte und ihre nicht-intuitive Handhabung hinaus. Eine Lösung könnte „Fusion“ sein, aber das sei kostenträchtig. Gleichwohl sei der modulare Ansatz bei Oracle nicht grundsätzlich falsch und bereite einen Weg zu neuen Lösungen für zeitgemäße Herausforderungen. Die Oracle-Roadmap sei solide.

Talend zeigt Talent

Eine Überraschung im Feld solch schwergewichtiger Anbieter ist Talend. Dessen „Platform for Master Data Management“ fällt auch dadurch aus dem Rahmen, dass sie Open Source ist. Das Produkt biete robuste Performance und zentrale MDM-Funktionalitäten, außerdem sei es für Entwickler intuitiv zugänglich.

Talend trifft mit seinem MDM-Angebit ins Schwarze - jedenfalls laut Forrester-Analyse.
Talend trifft mit seinem MDM-Angebit ins Schwarze - jedenfalls laut Forrester-Analyse.
(Bild: © crimson - Fotolia)

Jenseits der Open-Source-Lizenz gibt es kommerzielle Erweiterungsmöglichkeiten, zum Beispiel Business Process Management und Big Data. Hervorgehoben werden die Partnerschaften von Talend mit anderen Herstellern, die weitere Möglichkeiten erschließen.

Doch sie die Talend-Plattform immer noch Entwickler- und Technologie- statt Business-orientiert, was zum Beispiel in den begrenzten Visualisierungsfähigkeiten seinen Ausdruck finde. Kunden und Partner lobten den Support von Talend. Forrester urteilt: „Organisationen, die mit dem Open-Source-Modell leben können und mehr Flexibilität in einer MDM-Lösung von der Stange wollen, ohne sie von Grund auf selbst aufbauen zu müssen, haben mit Talend eine verlässliche Lösung.“ Talend biete „eine MDM-Lösung, die man in den nächsten Jahren im Auge behalten sollte.“

Der Autor:

Ludger Schmitz ist freiberuflicher Journalist in Kelheim.

(ID:42681805)