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Kommentar der Experton Group zur Quest-Übernahme durch Dell Marktverschiebungen durch Großaufkäufe

Autor / Redakteur: Luis Praxmarer / Rainer Graefen

Dell kauft sich mit Quest ein großes Umsatzpotenzial ein. Und auch in der Distribution schreitet die "Konsolidierung" der Anbieter mit großen Schritten voran. Das könnte für die Anwender teuer werden.

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Luis Praxmarer, Chief Executive Officer bei der Experton Group
Luis Praxmarer, Chief Executive Officer bei der Experton Group
(Experton Group)

Aus dem Bieterkrieg um Quest Software, ein Anbieter von Tools für die Bereiche Zugangsmanagement, Datenarchivierung, Datenbankmanagement, Performance und Systemmanagement, ging Dell mit seinem Gebot von 2,4 Milliarden US-Dollar als Sieger hervor.

Der Kaufpreis lag um 44 Prozent über dem Schlusskurs der Aktie am 8. März – dem Tag, als erste Gespräche über den Aufkauf des Unternehmens mit Insight Venture Partners aufgenommen wurden.

Die Backup-Software wird zum Kundentor

Quest hat seinen Stammsitz in Aliso Viejo, Kalifornien und beschäftigt laut Dell-Angaben 3.850 Mitarbeiter, davon 1.279 Software-Ingenieure in der F&E-Abteilung sowie 1.440 Mitarbeiter im Direktvertrieb. Hinzu kommen 4.000 Kanalvertriebspartner, die zusammen 40 bis 45 Prozent des Umsatzes erwirtschafteten.

Im Jahr 2011 beliefen sich die Umsätze von Quest auf 858,2 Millionen US-Dollar, eine Zunahme gegenüber dem Vorjahr um 11,9 Prozent; allerdings ging der Jahresüberschuss um die Hälfte auf 43,9 Millionen Dollar zurück. Die Bruttogewinnspanne beträgt 86 Prozent. Das Unternehmen verfügt über 100.000 Kunden weltweit. Wenn der Aufkauf erst einmal über die Bühne ist, dürfte die Quest-Software circa 72 Prozent von Dells Software-Umsätzen ausmachen.

Nach Meinung der Experton Group wird Dell sich jetzt wohl als Full Service Provider aufstellen und wo immer möglich Bündelangebote verkaufen. Angesichts der tendenziell hohen Gewinnspannen bei Software kann Dell mit gut geschnürten Paketen sein Image als kostengünstiger Anbieter aufrechterhalten und gleichzeitig die Softwaregewinnspannen der Konkurrenz unter Druck setzen. IT-Verantwortliche sollten sich Dells Eintritt in den Markt für Enterprise Software Management zunutze machen.

Konsolidierung der Distribution

Auch die Konsolidierung der Partner- und Zuliefermärkte schreitet im Zuge der von Ingram Micro und Micron getätigten Akquisitionen schnell voran. Das mag für die Hersteller vielleicht eine gute Nachricht sein, allerdings dürften dadurch auch die DRAM-Preise nicht mehr so schnell fallen, und Ingram Micro könnte durch Cross- und Upselling-Angebote sowie Servicebündelung seine Preise sogar erhöhen.

Wenn die grundlegenden Speichertechnologien – Festplatten und DRAM-Arbeitsspeicher – in den Produkten von lediglich drei Anbietern konsolidiert werden, dürfte Schluss sein mit der sich zyklisch abwechselnden Über- und Unterangebotssituation der Vergangenheit, und die Anbieter werden ihre Preise gegenseitig wohl weniger drastisch unterbieten.

In diesem Fall werden für Anwenderunternehmen die Ausgaben für Speichertechnologien wahrscheinlich höher ausfallen als erwartet, was die Budgets entsprechend belastet und unter Druck setzt.

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