Compuware kontert BMC-Studie zur Zukunft der Großrechner

„Mainframes verhindern Innovation“

| Autor / Redakteur: Ludger Schmitz / Ulrike Ostler

Und Tschüs, Koloss!
Und Tschüs, Koloss! (Bild: Rosel Eckstein / pixelio.de)

Es funktioniert immer noch so, wie vor zig Jahren an der Uni gelernt: Man muss die Fragen nur anders stellen, schon erfährt man das präzise Gegenteil einer anderen Studie. Nach Mainframe-Applaus von BMC kommt Compuware mit einem Verriss.

Gerade eben erst hat BMC im jährlichen „Mainframe Report“ den Großrechnern eine sehr positiv klingende Perspektive zugeschrieben, da legt Compuware eine Forrester-Studie vor, die so ziemlich auf das Gegenteil hinausläuft. Hier lautet der erste Satz des Fazits: „Mainframes fehlt die Flexibilität, die Unternehmen zum Erfolg in der digitalen Welt benötigen.“ Heavy Metal stehe den Herausforderungen entgegen.

An der Erhebungsgrundlage liegt es schon mal nicht, dass Forrester zu einem anderen Ergebnis kommt als BMC. Die Marktforscher haben zu 96 Prozent Mainframe-Anwender gefragt. Und damit endet die Übereinstimmung auch schon. 90 Prozent der von Forrester Befragten erklärten, mit ihren Mainframes vor „Herausforderungen“ bei der Entwicklung und beim Roll-out von Applikationen zu stehen.

Es dauert zu lang, und anders geht‘s schneller

Im einzelnen beklagten 39 Prozent, es dauere einfach zulange, bis man die Kunden mit neuen Features beglücken könne. Jeder Dritte berichtet von reduzierten Zielen, um die Projektzeiten halten zu können. 30 Prozent schufen einen Workaround der radikalen Art: Sie mussten gleich auf neuere Systeme ausweichen. Jeweils rund jeder Vierte beklagte, die Mainframe-Entwicklungsteams könnten sich nicht schnell genug auf neue Anforderungen einstellen und der ganze Entwicklungsprozess sei den anderen DevOps im Hause undurchsichtig.

Neun von zehn der von Forrester Befragten fühlen sich von organisatorischer Bürokratie, internen Silos, Qualitätsproblemen und unzureichende Finanzierung behindert. Noch mehr, nämlich 92 Prozent, berichten von technischen Herausforderungen, die Mainframe-Applikationen behindern. An der Spitze der Negativliste stehen Compliance und Sicherheitsfragen, gefolgt von mangelnder Modularität der Anwendungen, fragmentierter oder manueller Prozesse und ungenügender Entwicklungsgeschwindigkeit.

Vom Regen in die Traufe

Um mit den Problemen zurecht zu kommen, haben die Anwender Strategien entwickelt. Die aber haben den Nachteil, in anderer Hinsicht negativ zu wirken.

So verlagern 48 Prozent Applikationen auf andere Plattformen. Aber dort erleben 47 Prozent, dass Anwendungen unsicher sind, mehr kosten (45 %), schlechte Performance bieten (44 %) oder Projekte ihre Deadlines nicht halten (34 %). 41 Prozent versuchen es mit Workarounds um den Mainframe. Prompt bekommen sie es mit höherer Komplexität (55 %), höheren Kosten (49 %), doppelter Tool-Beschaffung (47 %) oder größeren Sicherheitsrisiken (39 %) zu tun.

40 Prozent modernisieren ihre Mainframe-Plattform, was aber in jedem dritten Fall zu lange dauert. Außerdem traten bei 22 Prozent die Performance-Erwartungen nicht ein, und 21 Prozent beklagt ein Fehlen von Tools, um Business-Regeln zu verstehen und in Programmlogik umzusetzen.

Auf dem Mainframe den DevOps-Trend verpassen?

Die Forrester-Studie zielt thematisch besonders auf die Applikationsentwicklung. Neun von zehn der Befragten nutzen DevOps-Praktiken, um Produkte und Services zu erneuern. Jeder Dritte verwendet DevOps für alle Umgebungen, bei 28 Prozent gilt das nur für die verteilten Systeme, bei 29 Prozent nur für mobile oder neue Anwendungen. Also bleiben Mainframes zumindest bei vielen Anwendungen außen vor, sobald es um DevOps geht.

Das Dumme daran ist, dass sich die Anwender in großer Zahl viel von DevOps versprechen. Knapp über 40 Prozent rechnen mit schnellerer Entwicklung und besserer Reaktion auf Business-Anforderungen. Jeweils mehr als ein Drittel erwartet bessere Zusammenarbeit und Kooperation zwischen IT-Silos, höherer Softwarequalität und einer besseren Anwendererfahrung.

Das Fazit könnte kaum schlimmer sein

Das Forrester-Fazit ist vernichtend: „Mainframes fehlt die Flexibilität, die Unternehmen zum Erfolg in der digitalen Welt benötigen. Organisationen stehen vor geschäftlichen und technischen Herausforderungen mit Mainframes, die sie davon der Modernisierung und Transformation zum digitalen Business abhalten.“

Es bleibt noch etwas wichtige festzuhalten: Die Studie lief im Auftrag von Compuware. Im übrigen fand die Erhebung im Oktober 2016 statt. Es beteiligten sich 182 Personen ab dem „Director“-Level in den USA und der EU.

* Ludger Schmitz ist freiberuflicher Journalist in Kelheim.

Was meinen Sie zu diesem Thema?

Schreiben Sie uns hier Ihre Meinung ...
(nicht registrierter User)

Zur Wahrung unserer Interessen speichern wir zusätzlich zu den o.g. Informationen die IP-Adresse. Dies dient ausschließlich dem Zweck, dass Sie als Urheber des Kommentars identifiziert werden können. Rechtliche Grundlage ist die Wahrung berechtigter Interessen gem. Art 6 Abs 1 lit. f) DSGVO.
Kommentar abschicken
copyright

Dieser Beitrag ist urheberrechtlich geschützt. Sie wollen ihn für Ihre Zwecke verwenden? Infos finden Sie unter www.mycontentfactory.de (ID: 44436797 / Mainframes)