Interview zum Hosting und Service Provider Summit

Lokale Anbieter punkten am Markt

| Autor / Redakteur: Ludger Schmitz / Ulrike Ostler

(Bild: Vogel IT-Akademie)

Am 12. und 13 Mai findet in Frankfurt am Main der fünfte „Hosting und Service Provider Summit“ statt. Vor diesem exklusiven Meeting der Branche erläutert Matthias Blatz, Geschäftsführer von Heidelberg IT und Beirat der Veranstaltung, die Situation in diesem IT-Segment.

Was waren in den letzten Jahren die für Hoster und Service Provider wesentlichen Entwicklungen?

Zuerst war für alle die Cloud das große Angstthema. Sehr viele haben gedacht, gegen die Großen hätte man keine Chance. Doch dann hat sich gezeigt: Wenn man richtig nachrechnet, erweisen sich die Angebote von Amazon, Google etc. als so teuer, dass das Geschäft auch für den kleineren Anbieter lohnend sein kann, ob nun im Bereich Public oder Private Cloud.

Was hat sich seither verändert?

Es ist klar geworden, dass es sinnvoll ist, auch in Deutschland Managed Services und Cloud-Dienste anzubieten, weil es lukrativ sein kann, wenn man es richtig macht. Sicherheit und Datenschutz sind die Hauptgründe dafür, in Deutschland Rechenzentren zu betreiben. Außerdem ist es bei der ständig wachsenden Datenmenge, mit der Unternehmen zu kämpfen haben, angezeigt, näher bei den Rechenzentren zu sein. Kurze Wege bedeuten schnellere und bezahlbare Wege. Das macht sich derzeit bemerkbar bei der Nachfrage nach Rechenzentren in Deutschland. Außerdem ist Frankfurt weltweit der Internet-Knoten Nummer 1. Deswegen wollen viele ausländische Firmen nach Frankfurt.

Haben die hiesigen Provider das Datenschutzthema von Anfang an aufgegriffen, um am Markt zu agieren?

Ja, sicher. Inzwischen haben sogar die großen US-Anbieter gemerkt, wie wichtig das Thema ist, und jetzt bauen sie in Deutschland Rechenzentren. Zumindest in Europa haben sie gelernt, dass sie auf die legislative Umgebung Rücksicht nehmen müssen, sonst bekommen sie keine Kunden. Hinzu kommt, dass sie ab bestimmten Datenmengen auch feststellen, dass sie Performance-Probleme bekommen, denn lange Datenwege, in die USA oder über andere weite Strecken, führen zu höheren Latenzen.

Reflektieren darüber hinaus hiesige Angebote der Provider und Hoster eine spezifisch deutsche Nachfrage?

Im Prinzip differieren die Angebote nicht sehr. Der Unterschied liegt in der Herangehensweise an den Markt. Die Großen bieten verschiedene kostenlose Tools an, um im Weiteren mit zusätzlichen Diensten das Geld zu verdienen. Hierzulande haben die Anwender meist von Anfang an eine feste Vorstellung, was sie wollen, und interessieren sich dann vor allem für den kompletten Preis.

Haben hiesige Anbieter ihre RZ-Kapazitäten ausbauen müssen, um beim Angebot mithalten zu können?

Alle Anbieter haben ausbauen müssen, insbesondere haben sie Know-how aufbauen müssen. Vor zehn Jahren hatten auch die größeren deutschen Anbieter noch nicht so große Abteilungen zum Thema Cloud wie heute. Damals lief noch viel unter dem Titel Application Service Providing, aber in Deutschland traf das nicht so auf Akzeptanz. Cloud Computing hat das Thema vorangetrieben.

Mit welchen Argumenten können hiesige Anbieter besonders gut bei den Kunden punkten?

Wie schon erwähnt zählt Datenschutz zu den wichtigsten Aspekten, beziehungsweise prinzipiell die rechtlichen Bedingungen und Schutz vor Ausspähung der Daten. Deswegen kommen große Konzern gar nicht mehr darum herum, hier präsent zu sein, wenn sie den Markt erreichen möchten. Und natürlich ist die geografische Nähe ein Argument. Bei großen Datenmengen macht sich die Distanz bemerkbar. Wenn man Telefonie oder SAP in die Cloud auslagert, werden die Latenzzeiten immer wichtiger. Wenn ein Geheimdienst mitschnüffelt, können die Latenzzeiten schon mal die kritische Größe überschreiten, die ein SAP GUI noch verkraftet.

Sprechen deutsche Anbieter gezielt bestimmte Kundenkreise an?

Schon durch den strikten deutschen Datenschutz ist jedes Unternehmen hierzulande in der Zielgruppe. Der Markt für Privatkunden oder sehr kleine Unternehmen ist allerdings im Moment weniger interessant.

Wie wichtig ist es den Anwendern, nicht in eine Abhängigkeit von den Anbietern zu geraten, Stichwort Lock-in?

Bei unserer Herangehensweise versuchen wir den Interessenten in Gesprächen immer auf diesen Punkt hinzuweisen. Vielen, auch manchen ganz großen Unternehmen, ist nicht so richtig bewusst, wie sie aus einer Cloud wieder herauskommen, in welche Abhängigkeit sie sich begeben. Viele unterschätzen das Risiko und unterliegen dem Trugschluss, was man mal so eben in die Cloud geschoben hat, könne man auch so schnell wieder herausholen.

Ist das nur ein Problem der Datenmenge oder auch eins der Kosten?

Die Datenmengen wachsen in der Cloud schnell. Die muss man erst einmal im eigenen Rechenzentrum wieder aufnehmen können. Es ist aber auch ein finanzielles Problem. Wenn man zum Beispiel für das Desaster-Recovery schnell eine Menge Daten braucht, machen die großen Cloud-Anbieter die Schleuse nur auf, wenn auch richtig Geld fließt.

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