HPE im Interview zum Hosting und Service Provider Summit

Lokale Anbieter müssen ihr Portfolio erweitern

| Autor / Redakteur: Ludger Schmitz / Ulrike Ostler

(Bild: Vogel IT-Akademie/Ludger Schmitz)

Der Standortvorteil ist nicht alles; deutsche Service Provider sollten die Wertschöpfungskette herauf gehen. Kleinere Anbieter müssen dafür die Grundlagen ihres Geschäfts überdenken, meint Thomas Kitz, Director Service Provider Sales bei Hewlett-Packard Enterprise.

Wie hat sich Landschaft der deutschen Service-Provider in den letzten Jahren verändert?

HPE-Manager Thomas Kitz
HPE-Manager Thomas Kitz (Bild: Kitz, HPE)

Die Landschaft wandelt sich mehr von Infrastructure-as-a-Service und Managed Hosting in der Wertschöpfungskette weiter nach oben, um den Kunden weitere Mehrwerte zu bieten. Die großen globalen Service-Provider drücken ganz gewaltig in den Markt. Kleinere Anbieter müssen ihr Angebot differenzieren und ihren Markt vergrößern, wenn sie profitabel wachsen wollen.

Welche Perspektiven ergeben sich für lokale Anbieter daraus, dass die großen Cloud-Anbieter sich geneigter zeigen, auf lokale Bedingungen einzugehen?

Es stellt sich die Frage nach den Mehrwerten - was kauft man hinzu, was produziert man selber? Insbesondere die lokalen kleineren Provider müssen sich die Frage stellen, ob sie ihre Infrastruktur noch selbst betreiben oder besser aus der Public Cloud beziehen sollten. Nach meiner Beobachtung sind derzeit fast alle lokalen Anbieter dabei, ihr Portfolio zu erweitern und neue Mehrwerte zu schaffen. Sie müssen außerdem die eigene Sichtbarkeit und Reichweite ausbauen. Dafür haben wir den europäischen Cloud-Service-Katalog Cloud28+ ins Leben gerufen, der aktuell mehr als 800 Angebote von über 200 Providern führt.

Haben die deutschen Provider und Hoster ihre geschäftliche Stabilität auch den Bedenken der Anwender gegenüber der Cloud und den rigiden Datenschutzbestimmungen zu verdanken?

Die Datenschutzgesetzgebung hat ganz sicher mitgewirkt. Sie hat sogar zu einem gewissen Zulauf aus dem Ausland geführt. Ansonsten glaube ich, dass andere europäische Märkte uns in Sachen Cloud- und Service-Orientierung deutlich voraus sind. Hier gilt es deutlich an Fahrt aufzunehmen, um den deutschen Markt zu stabilisieren und auszubauen.

Was begründet Ihren Eindruck?

Jedes deutsche Unternehmen, nicht nur der Mittelstand, möchte eine speziell zugeschnittene Lösung haben. Etwas von der Stange zu nehmen ist hierzulande eine Herausforderung. Das bewegt sich aber. Auch hat sich das Gefühl der Sicherheit, die IT im eigenen Haus zu haben, ein Stück weit aufgelöst. Die Frage ist eher, ob die IT im Keller noch sicher ist, weil ein Mittelständler kaum die Mannschaft und die Expertise hat, sein Rechenzentrum vor äußeren Bedrohungen abzuschirmen.

Zeichnet sich eine Konsolidierung am Markt ab?

Unter den Providern findet das ja schon seit einiger Zeit statt. Das wird auch eine Zeit lang so weitergehen. Wie zuvor erwähnt wird sich am unteren Ende der Skala die Frage stellen, ob die Anbieter noch selber die Infrastruktur betreiben wollen, und wie sie sich auf höherwertige Services fokussieren.

Ist der Standort Deutschland noch bezahlbar?

Die Energiepreise sind ohne Zweifel ein wichtiger Faktor. Andere europäische Länder bieten hier Standortvorteile. Auf der anderen Seite aber sind die Latenzzeiten und Kundennähe ein Argument für den Standort Deutschland, gerade wenn es auch um das Thema Co-Location und lokale Betreuung geht. Der Markt bleibt in Deutschland.

Wie reagieren die Hoster und Service Provider auf den Nachteil?

Auf energieeffiziente Rechenzentren wird mehr Wert gelegt. Ein PUE-Wert von 1,1 oder 1,2 ist nicht mehr so außerordentlich, aber ein enormer Schritt in die richtige Richtung. Außerdem machen sie sich die technologischen Fortschritte zu Nutze. Unsere neueste Server-Generation erlaubt eine deutlich höhere Umgebungstemperatur. Heute ist es in den Rechenzentren wärmer geworden. Jede neue CPU-Generation bringt einen enormen Performance-Zuwachs bei gleichem Energieverbrauch.

* Das Interview führte Ludger Schmitz, freiberuflicher Journalist in Kelheim.

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