Was ist vom Hype geblieben?

Lohnt sich der Einsatz von Open Source im Unternehmensumfeld?

26.07.2011 | Autor / Redakteur: Dr. Dietmar Müller / Florian Karlstetter

Open Source Software findet sich heute in vielen Bereichen der IT.
Open Source Software findet sich heute in vielen Bereichen der IT.

Bestandsaufnahme im Open Source-Lager: Was ist eigentlich mit der Bewegung los? Noch vor nicht allzu langer Zeit sorgte die sogenannte Open Source-Community für erheblichen Wirbel, nicht zuletzt mit medienwirksamen Angriffen auf die Hersteller von proprietärer Software wie Microsoft oder Oracle. Heute ist es eher ruhig um Linux und Co geworden.

Fragt man in der Szene nach, stellt man überraschenderweise allseitige Befriedigung über das mittlerweile ruhigere Fahrwasser fest. Oder um mit Branchenkenner Ludger Schmitz zu sprechen: „Glücklicherweise ist der Hype vorbei!“ Längst habe man „Unsinn“ wie die Entwicklung ständig neuer Linux-Distributionen aufgegeben. Heute sei Open Source Software (OSS) quasi Mainstream und in alle Bereichen der IT eingezogen.

Und das macht stolz. Mit Verweis auf den quelloffenen Apache-Server erklärt Schmitz: „Ohne Linux gäbe es das Internet schlichtweg nicht „. Als Journalist begleitet er die Bewegung seit vielen Jahren. „OSS ist über die Nische Internet-gerichteter Anwendungen hinausgewachsen. Inzwischen dringt sie einfach in alle Bereiche kommerzieller Software vor.“

Das bestätigt auch das Analystenhaus Gartner. Nachdem man OSS lange Jahre skeptisch gegenüberstand, änderten die Berater dieses Jahr ihre Meinung. Laut der Zählung der Analysten nutzten Ende vergangenen Jahres 11 Prozent der Anwender aus strategischen Gründen OSS. Hauptgrund: Der Quellcode lässt sich genau auf die Bedürfnissen eines Unternehmens zuschneiden.

Aber welche Open Source-Projekte werden konkret im Unternehmensumfeld nachgefragt? Wer könnte dazu besser Auskunft geben als die graue Eminenz der deutschen Open Source-Gemeinde, der Patron aus Nürnberg: Richard Seibt. Bis 1997 als Geschäftsführer Software bei der IBM Deutschland tätig, wechselte der Experte 2003 als Vorstandsvorsitzender zur Suse Linux AG und anschließend fungierte er als Deutschland- und EMEA-Chef bei Novell. Seit bis Mai 2005 ist Richard Seibt nur noch in Sachen Open Source unterwegs: als Gründer der Open Source Business Foundation (OSBF) mit mittlerweile 150 Mitgliedern, Veranstalter diverser Events und als Business Angel verantwortlich für weite Teile der deutschen Gründerszene. Er kennt die neusten Trends und Strömungen rund um die quelloffene Software wie kein anderer.

Richard Seibt, Vorsitzender der Open Source Business Foundation (OSBF).
Richard Seibt, Vorsitzender der Open Source Business Foundation (OSBF).

„Jedes Unternehmen setzt Open Source im Softwarestack ein“, erklärt der Experte lapidar, erläutert aber dann doch detailreich. „Angefangen bei Linux über Entwicklungstools aus dem Eclipseumfeld, PHP, Ruby, Scala oder Pearl, oder Datenbanken von MySQL, PosgrSQL oder Middleware wie Sopera oder Talend findet sich alles. Diese werden vor allem von Enterprise-Unternehmen wie die Deutsche Post, Telekom, Deutsche Bahn usw. genutzt.“

Hinzu komme, dass zwischenzeitlich auch große Softwarefirmen von Microsoft und sehr viel früher IBM damit begonnen hätten, OSS in Ihre Produkte zu integrieren, „das ist vielen Kunden gar nicht bewusst“, so Seibt. Richtig spannend werde es aber, wenn man sich Applikationen betrachte: „Neben Anwendungen wie Pentaho, SugarCRM, Open-Xchange, OpenERP, OpenBravo zeichnet sich ein bedeutender Trend ab: Große Unternehmen initiieren mit anderen Unternehmen zusammen Open Source Projekte und stellen die gemeinsam entwickelte Software unter eine Open Source Lizenz. Dazu haben wir von der OSBF auch das COSAD White Paper veröffentlicht.“

Auf der nächsten Seite erfahren Sie, welche Argumente für den Einsatz von OSS in Unternehmen sprechen.

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