Cloud Computing ändert die Spielregeln im Software-Business Leistungsfähige Business-Software so günstig wie nie

Autor / Redakteur: David Howell* / Ulrike Ostler

Bis vor kurzem konnten sich nur Unternehmen mit großem Budget und einem Stab von hoch spezialisierten IT-Fachleuten komplexe Geschäftssoftware leisten: Programme für Fertigung, Vertrieb, Support und Personal- sowie Finanzabteilung. Mit der Cloud hat sich das geändert. Jetzt stehen solche Software-Pakete Firmen jeder Größe zur Verfügung, für einen Bruchteil des Geldes.

Bisher für kleine und mittelständische Unternehmen unerschwingliche Enterprise Software wird nun bezahlbar.
Bisher für kleine und mittelständische Unternehmen unerschwingliche Enterprise Software wird nun bezahlbar.
(Bild: © viperagp - Fotolia)

Es ist noch gar nicht so lange her, dass Programmpakete, mit denen sich Geschäftsprozesse automatisieren lassen, nur über Software-Giganten wie SAP oder Oracle verfügbar waren. Solche Programme kosteten in der Regel Millionen von Euro und waren nur für finanzstarke Großunternehmen erschwinglich.

Heute dagegen hat bereits eine kleine Firma mit gerade einmal 20 Mitarbeitern Zugriff auf solche Lösungen. Selbst kleine und mittelständische Unternehmen können sich heutzutage Programme leisten, mit denen sie Kundendaten verwalten können, Stichwort Customer Relationship Management (CRM), und ihren Kunden technische Unterstützung bieten.

Frugal heißt nicht immer spartanisch; Merkmale der Frugal Cloud sind ein Verfall der Software-Preise bei gleichzeitiger Qualitätssteigerung.
Frugal heißt nicht immer spartanisch; Merkmale der Frugal Cloud sind ein Verfall der Software-Preise bei gleichzeitiger Qualitätssteigerung.
(Bild: © Nomad_Soul - Fotolia)

Gleiches gilt für Software für die Personalverwaltung und die Finanzbuchhaltung. Das Ganze kostet nur ein paar Hundert Euro im Monat, nicht pro Software-Paket, sondern für alle Anwendungen zusammengenommen.

Die Frugal Cloud

Wie ist das möglich? Man könnte diese Entwicklung den Aufstieg der „Genügsamen Cloud“, in Englisch: Frugal Cloud, nennen. Typische Merkmale der Frugal Cloud sind ein dramatischer Verfall der Software-Preise, gleichzeitig aber ein enormer Anstieg der Qualität und des Funktionsumfangs von Applikationen.

Diese Form der Cloud hat nicht über Nacht entwickelt. Vielmehr zeichnete sich diese Entwicklung bereits vor 40 Jahren ab, zu Beginn des „digitalen Zeitalters“. Zweifellos werden Historiker in späteren Zeiten zu dem Schluss kommen, dass das digitale Zeitalter einen nachhaltigen Einfluss auf unsere Zivilisation und den Verlauf der menschlichen Entwicklung hatte.

Technologien als Gleichmacher

Einzelne Persönlichkeiten und Unternehmen schufen im Lauf des digitalen Zeitalters riesige Vermögenswerte und förderten den Wohlstand der Gesellschaft. Einige waren Pioniere, die neue Technologien entwickelten, andere nutzten vorhandene technische Grundlagen, um daraus etwas Bahnbrechendes zu schaffen.

Ein weiterer Effekt des digitalen Zeitalters ist der umfassende Zugang zu Informationen und Wissen für immer mehr Menschen, in Verbindung mit vielen Annehmlichkeiten wie dem Internet und dem Aufkommen von funkgestützten Kommunikationstechniken. All dies wird heute von vielen als Selbstverständlichkeit betrachtet. In gewissem Sinne wurden die neuen Technologien zu einem großen Gleichmacher, wegen ihrer eminenten Wirkkraft und weil jedermann Zugang zu ihnen hatte.

Das Mooresche Gesetz besagte, dass sich die Integrationsdichte von Prozessoren, sprich die Zahl der Transistoren, alle 18 bis 24 Monate verdoppeln würde.
Das Mooresche Gesetz besagte, dass sich die Integrationsdichte von Prozessoren, sprich die Zahl der Transistoren, alle 18 bis 24 Monate verdoppeln würde.
(Bild: Wikipedia)

Das Mooresche Gesetz

Weil IT-, Halbleiter-, Software- und Netzwerktechniken in den frühen Tagen des digitalen Zeitalters kaum erschwinglich waren, ließ sich anfangs nur schwer abschätzen, welches Potenzial sie entwickeln würden. Zu den Technikfachleuten, die das große Potenzial dieser Technologien bereits frühzeitig erkannten, zählt Gordon Moore. Er war einer der Mitbegründer von Intel, einem der Pioniere auf den Gebieten Rechnerprozessoren und Halbleitertechnik.

Prozessoren waren anfangs teuer und in ihrer Leistung beschränkt. Dennoch sagte Moore bereits im Jahr 1971 voraus, dass sich die Rechenleistung von CPUs alle zwei Jahre verdoppeln würde. Mehr als 30 Jahre lang war dieses Gesetz gültig, denn etwa alle 18 Monate verdoppelte sich die Zahl der Schaltkreiskomponenten auf einem Chip.

Dies legte die Grundlage für die wohl wichtigste Konsequenz des Mooreschen Gesetzes: Der Preis von Prozessoren fiel im selben Maße wie die Integrationsdichte der Halbleiter und die Rechenleistung von Prozessoren zunahmen.

Rechenleistung und preisgünstige Software für alle

Moore's Law führte dazu, dass Milliarden von Menschen Zugang zu Technologien wie Arbeitsplatzrechnern (PCs) und dem Internet bekamen. Ein weiterer positiver Nebeneffekt der Gesetzmäßigkeit, die Moore entdeckte, bestand darin, dass sie auf den Software-Bereich übergriff.

Jahrelang mussten Unternehmen für Business-Software Millionen von Euro aufwenden. Die Lösungen wurden von wenigen, großen Software-Firmen mit hoch bezahlten Entwicklern bereitgestellt. Manche Anbieter begründeten mit diesen Einnahmen ganze Software-Imperien.

Das änderte sich erst, als preisgünstige, Cloud-basierte Hardware-Plattformen von Amazon und Rackspace auf der Bildfläche erschienen, in Kombination mit den so genannten LAMP-Technologien auf Grundlage von Open Source: Linux als Server-Betriebssystem, Apache (Web-Server), MySQL, einer Open-Source-Datenbank, sowie der Script-Sprache PHP.

Das Ergebnis war geradezu eine Explosion im Bereich Software-Entwicklung. Das Sprichwort „Zwei Leute und eine Garage“ ist Wirklichkeit geworden. So wie William Hewlett und David Packard Ende der 1930er Jahre einst HP gründeten - oder Steve Jobs und Steve Wozniak am 1. April 1976 Apple, und ebenso wie in neuerer Zeit Sergej Brin und Larry Page ein Unternehmen namens Google aus der Taufe hoben, kann heute eine Handvoll Entwickler auf einer Cloud-Computing-Plattform für wenig Geld leistungsfähige Software entwickeln.

Rechenexempel: On-Premise-Anwendungen versus SaaS

Ein Musterbeispiel dafür, wie sich die Technologien und die entsprechenden Preise verändert haben, ist ein ganz normaler Arbeitsplatzrechner wie er in Millionen von Büros zu finden ist. Auf einem solchen System sind Anwendungen installiert, welche die meisten Unternehmen heutzutage benötigen.

Der Autor dieses Artikel ist David Howell, European Director bei Manage Engine.
Der Autor dieses Artikel ist David Howell, European Director bei Manage Engine.
(Bild: Manage Engine)

Verglichen werden zwei Szenarien. Im ersten nutzt ein Unternehmen eigene Server, die im hauseigenen Rechenzentrum stehen, also einen On-Premise-Ansatz. Über diese Server und das Firmennetzwerk werden die Anwendungen bereitgestellt.

Im zweiten Szenario kommt eine Cloud-Lösung zum Einsatz. In diesem Fall bezieht der Anwender dieselben Applikationen als Software as a Service (SaaS) von einem Cloud-Service-Provider. Die Tabelle zeigt das Ergebnis: ein eklatanter Preisunterschied.

Die Differenz im Preis

So muss ein Unternehmen rund 197.900 Dollar für die On-Premise-Lösung veranschlagen. Im Vergleich fallen nur 5.000 Dollar pro Jahr beim SaaS-Modell an.

Wie unschwer zu erkennen ist, machen die Kosten für das SaaS-Angebot nur einen Bruchteil der traditionellen Anwendung aus. Möglicherweise würde der Unterschied ein wenig kleiner ausfallen. Denn die Schätzung der Hardware- und Software-Kosten der Server-Systeme und der Software, die das Unternehmen selbst anschafft, basieren auf einer Online-Recherche.

Möglichweise lassen sich bei einer sorgfältigen Suche und hartem Verhandeln mit den Lieferanten etwas bessere Preise erzielen. Es liegt jedoch auf der Hand, dass sich die Diskrepanz zwischen beiden Summen nur unwesentlich ändern würde.

Softwarekosten von 50 Arbeitsplatzrechnern
Hausinterne Lösung*** Cloud****
IT-Ausrüstung E-Mail $2.400,00 $5.000,00
Dokumemtenmanagement $5.000,00 im Preis enthalten
Office-Paket $16.000,00 im Preis enthalten
Datenbank $2.500,00 im Preis enthalten
Betriebssystem $8.000,00 im Preis enthalten
Server $4.000,00 im Preis enthalten
Administrationskosten 2 x 80.000 Dollar pro Jahr für zwei Administratoren $160.000,00 im Preis enthalten
Summe $197900* $5000**
* Lizenzkosten, keine Upgrades enhalten
** Jahresgebühr, Upgrades eingeschlossen
*** Auf Grundlage von Produkten von Microsoft
**** Auf Grundlage von Zoho-Services

Tabelle: Vergleich der Softwarekosten von 50 Arbeitsplatzrechnern

Dieses Rechenbeispiel bezieht sich auf die E-Mail- und Geschäftsapplikationen für 50 Nutzer. Darin eingeschlossen sind Programme für die Bearbeitung von Texten, Tabellen und Präsentationen, zudem Speicherplatz in einer Cloud-Umgebung. Ähnliche Resultate ergeben sich jedoch auch dann, wenn man die Berechnungen mit speziellen Geschäftsanwendungen durchexerziert, etwa Software für die Finanzbuchhaltung, den Vertrieb, das Marketing oder die Personalabteilung.

* David Howell ist European Director ManageEngine

Artikelfiles und Artikellinks

Link: ManageEngine

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