Ein Blick hinter die Kulissen der IT-Globalisierung

Kostenreduktion durch Auslagerung von Prozessen

08.12.2008 | Redakteur: Stefan Riedl

Die Welt wird kleiner und das Miteinander größer – insbesondere, wenn es um Konzernlösungen geht.
Die Welt wird kleiner und das Miteinander größer – insbesondere, wenn es um Konzernlösungen geht.

Dank internationaler Projekte und Offshoring wächst die Welt zusammen. Insbesondere in der Informationstechnologie-Branche und dank Informationstechnologie. Global Player wie Atos Origin bilden die Schweißnähte der Globalisierung und treten als Hersteller von Konzernlösungen auf.

Der internationale IT-Konzern Atos Origin hat auf einer Veranstaltung dargelegt, welche Folgen die aktuellen Ereignisse in der Weltwirtschaft auf sein Geschäft – der Internationalisierung großer IT-Projekte hat. Zunächst sollte das ursprünglich geplante Thema „Zwingt die Finanzkrise auf den Offshore-Pfad?“ beleuchtet werden. Es wurde jedoch aktualisiert auf „Zwingt die Wirtschaftskrise auf den Offshore-Pfad?“ – zwischenzeitlich schlug das Bankendebakel auf die Realwirtschaft durch.

Ulrich Engelhardt, Senior Vicepresident für den Bereich Consulting & Systems Integration für Atos Origin Zentraleuropa schloss sich zur Beantwortung dieser Frage einer Studie der Experton Group an und meinte: „nicht unbedingt“. Manchmal erhält man eben nicht die Ergebnisse, die allgemein zu erwarten gewesen wären. Dafür bot Engelhardt interessante Einblicke in die Welt der internationalisierten IT-Großprojekte.

Die Einsparpotenziale verringern sich

Offshoring, also die Auslagerung von Aufgaben, Funktionen oder Geschäftsprozessen aus der IT an einen geografisch entfernten Standort gibt es eigentlich schon seit Mitte der 70er Jahre. Aber den großen Schwung gab es vor sieben bis acht Jahren. Waren damals noch Kostenvorteile von 50 bis 70 Prozent möglich, bewegt sich das Einsparpotenzial heute in einem Korridor zwischen 20 und 40 Prozent.

In der Aufgabenverteilung steckt der Teufel jedoch wie so oft im Detail und Sprachhemmnisse können zu einer wahrlich babylonischen Verwirrung führen, die letztendlich oft mehr kostet als einbringt. Von der Illusion, man müsse nur mit einem gut spezifizierten Pflichtenheft in Indien Angebote einholen, den Billigsten nehmen und ein Jahr später bekommt man die Software geliefert, habe man in der IT-Branche inzwischen Abstand genommen, so Engelhardt. Allerdings mussten dafür viele ihr Lehrgeld bezahlen.

Markenwirkung in der Internationalisierung

Der Manager zog einen Vergleich mit der Automobilbranche heran: Bei einem Auto interessiert es auch keinen, wo die einzelnen Komponenten herkommen – und de facto kommen sie auch von irgendwo auf dem Weltmarkt. Aber es steht ein Träger der Marke dahinter, der mit seinem Namen dafür bürgt, dass die Komponenten zusammen gut funktionieren, wie beispielsweise BMW. Firmen wie Atos Origin sind nach diesem Vergleich also die BMWs der globalen IT-Projekte.

Highskills kosten überall gleich viel

In der Gesamtschau stehen beim Offshoring die Kostenersparnisse tendenziell aber immer weniger im Vordergrund. Immer öfter ist die Globalisierung von IT-Projekten nötig, um an qualifizierte Spezialisten zu kommen. „Je höher die Skills, desto geringer die Preisunterschiede“, so die einfache Formel auf dem internationalen IT-Arbeitsmarkt. Ein hochgefragter SAP-Spezialist aus Indien bekommt inzwischen genauso viel Salär auf dem globalen Parkett wie jemand aus einem anderen Land. „Und dann kann er in Indien mit dem gleichen Geld oft besser leben, als in vielen anderen Gegenden.“

Den maximalen Gehaltsunterschied würde Engelhardt bei einem Junior-Java-Entwickler mit zwei Jahren Berufserfahrung machen. Vergleicht man Deutschland mit einem typischen Offshore-Land liegt hier das Verhältnis bei etwa 1 : 2,5.

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