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PC und Mainframe unter einem Dach Kostendruck und Zukunftsangst - Fujitsu Siemens zieht Prozessor-Notbremse

| Autor / Redakteur: Bernd Schöne / Martin Hensel

Auf Mainframes laufen die wichtigsten Computerprogramme der Welt. Durch einen geschickten Schachzug will Fujitsu Siemens die Rolls-Royce-Klasse der Computer zukunftssicher machen. Der Hersteller verheiratet Mainframes mit der Welt der Standardrechner und öffnet die Tür für neue Applikationen. Ab 2010 ermöglicht BS2000 einen Mischbetrieb mit Windows- und Linux-Programmen.

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Dr. Joseph Reger, Cheftechniker von Fujitsu Siemens Computers.
Dr. Joseph Reger, Cheftechniker von Fujitsu Siemens Computers.
( Archiv: Vogel Business Media )

Bei Rentenversicherern, Steuerbehörden und Banken kommen weltweit nur die stabilsten Plattformen zum Einsatz. Gemeint sind Mainframes, Rechner aus der Computersteinzeit der 60er und 70er Jahre, mit Cobol-Programmen und exotischen Betriebssystemen wie BS2000 von Siemens.

Bisher leisteten sich die verbliebenen Anbieter auf dem Markt, Fujitsu Siemens Computers und IBM, gemeinsam den Luxus, für jede Generation von Mainframes auch eine eigene Hardware-Plattform nebst Prozessor zu entwickeln. Jetzt ist IBM als einziger übrig geblieben. Fujitsu Siemens verabschiedet sich nach den Mips-Prozessoren nun auch von den SPARC-CPUs. Diese wird es nur noch bis 2009 geben, den Service bis 2014. Die neue Generation von SQ-Servern enthält Intel-Prozessoren der Xeon-Linie. „Damit geben wir unseren Anwendern ein klaren Zeichen, dass wir weiter zum Mainframe stehen“, so Cheftechniker Dr. Joseph Reger. Denn die Verfügbarkeit der Intel-Plattform sei auf lange Zeit gesichert.

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Intels Xeon-MP-Prozessoren sind laut Reger hinsichtlich Leistungsfähigkeit und Betriebszuverlässigkeit inzwischen durchaus auf Mainframe-Niveau. Warum Xeon und nicht die Itanium-Linie? Die Antwort fällt verblüffend einfach aus: Gerade die totale Kompatibilität zur x86-Welt war für die Fujitsu-Siemens-Ingenieure entscheidend. Man will den Kunden die Möglichkeit geben, alle vorhandene Programme der Linux- und Windows-Welt ohne Probleme oder Umsetzungen auf Mainframes ausführen zu können.

Linux- und Windows-Software auf einem System

„Die Anwender können ihre Maschine aufspalten und mit ihr einen Linux-Server genauso betreiben wie eine Windows-Applikation“, so Reger. IBM fährt hier bekanntlich eine ganz andere Strategie und will möglichst viele Applikationen auf die spezielle Mainframe-Hardware ziehen, wo ein spezielles Mainframe-Linux läuft. Die vor zwei Monaten angekündigten neuen Geräte der Z-Serie verfügen zudem erstmals bei Mainframe-Geräten über eine ausgefeilte Fließkomma-Arithmetik, damit der Mainframe nicht nur Verwaltungsdaten bearbeiten sondern auch Multimedia-Bilder berechnen kann.

Fujitsu Siemens setzt hier auf die Standard-Fähigkeiten der Xeon-CPUs und sieht keinen Bedarf für zusätzliche Rechenleistung. „Eine Mainframe verwaltet Bilder, berechnet sie aber nicht“, meint dazu Joseph Reger.

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