Überblick über neue Entwicklungen von Fujitsu, IBM, HP und VCE Konvergente Systeme: Automatisierung, Skalierung und Cloud

Redakteur: Ulrich Roderer

Konvergente Systeme sind Lieblingsobjekte der Hersteller. IBM kündigte gerade erst sein neues PureSystem an, HP erweitert seine Cloud-Strategie und Cisco/Netapp ergänzen ihr Flexpod-Angebot. Auch Fujitsu arbeitet an einem dynamischen System, dem DI Block. Grund einen Überblick über konvergente Systeme zu geben.

Firmen zum Thema

Der Vblock, ein Rechenzentrum in the Box, von VCE ist ein Beipsiel für Konvergente Systeme.
Der Vblock, ein Rechenzentrum in the Box, von VCE ist ein Beipsiel für Konvergente Systeme.
(Bild: Cisco)

Der Vorteil konvergenter Systeme ist eindeutig die hohe Integration und ein einheitliches Management aller Systemkomponenten von Server über Storage bis zum Netzwerk. Zudem erhält der Kunde den Support für die Gesamtlösung aus einer Hand und muss nicht mit mehreren Herstellern selbst verhandeln. Auch in Fragen der Skalierung bieten diese Systeme meist ein einfaches Erweitern der Systemleistung durch Hinzufügen eines weiteren Systems.

Auf der Gegenseite steht eine proprietäre Herstellerlösung und höhere Kosten der Anschaffung als für nichtintegrierte Systeme. Damit einher geht eine geringere Flexibilität bei der Konfiguration von Komponenten und die Frage, wie kompatibel die Systeme über einen längeren Lifecycle hinweg sind, und wie sie sich in eine bestehende Umgebung integrieren lassen.

Bildergalerie
Bildergalerie mit 6 Bildern

„„Das Thema der CIOs ist Standardisierung. Dabei suchen sie aber auch Flexibilität. Die Referenzarchitekturen bieten deshalb klare Vorteile für große Unternehmen und den oberen Mittelstand, die meist eine komplexe Infrastruktur und viele Silos haben. Inzwischen werden ähnliche Lösungen auch für kleinere Infrastrukturen adaptiert. “, sagt Ralph Gegg, Partner Director VMware CEMEA“, sagt Ralph Gegg, Partner Director VMware CEMEA.

Cloud als Motor

Konvergente Systeme haben meist zwei Gebiete im Fokus, die Konsolidierung einer bestehenden heterogenen IT-Infrastruktur und der Neueinstieg in die Cloud. „Bei dem Vblock liegt der Hauptfokus bisher auf Private Clouds. Denn zum Aufbau einer öffentlichen Cloud benötigt man andere Lizenzmodelle, Abrechnungsmodule und Provisionierung, die sich nicht so einfach durch ein Hardware-Bundle abbilden lassen“, sagt Gegg. Diesen Trend bestätigt auch Markus Herber, Chief Technologist, HP ESSN: „Kunden fragen meist Systeme für Private Cloud nach. Wir bieten aber auch ein spezielles Offering für Service Proivider an.“ Ein weiterere Einsatzpunkt für konvergente Systeme sind nach Viktor Hagen, Evangelist Cloud Computing bei Cisco, das Thema Big Data.

„Wir stehen an der Schwelle, Legacy-Systeme abzulösen. Allerdings ist die Konsolidierung nicht der Hauptreiber“, sagt Marc-Phillip Kost, Cloud Business Manager bei EMC.

Noch immer liege der Anteil der Legacysysteme bei geschätzten 95 bis 98 Prozent an der installierten Basis. Kost sieht den Einsatz der Vblock Infrastructur Packages momentan in der Desktopvirtualisierung, bei R&D-Clouds und auch im Bereich von Schulungen. „Noch stärker als konvergente Systeme wie Vblock wächst aber meiner Meinung nach der Markt für Referenzarchitekturen“, sagt Kost.

VSPEX-Referenzarchitektur

Damit zielt er auf die jüngste Ankündigung der VSPEX Proven Infrastructure ab. Dabei handelt es sich um flexible Referenzarchitektur, bestehend aus EMC Datenspeicher- und Backup-Technologien, wie Deduplizierung, Kompression und Fully Automated Storage Tiering (FAST) mit Hypervisor und virtuellen Desktop-Umgebungen, sowie Virtualisierungs-, Server- und Netzwerklösungen der EMC Alliance Partner Brocade, Cisco, Citrix, Intel, Microsoft und VMware. Damit hat EMC jetzt ein ähnliches Konzept der Konkurrent NetApp mit FlexPod.

Insgesamt bietet EMC 14 VSPEX-Ausgangskonfigurationen an, die vor allem auf den Einsatz im Cloud Computing ausgelegt sind. Mithilfe dieser Konfigurationen können Unternehmen schneller und einfacher Private Cloud- und virtualisierte Desktop-Umgebungen einrichten. Für Private Clouds mit bis zu 250 virtuellen Maschinen stehen VMware vSphere 5.0 oder Microsoft Windows Hyper-V als Alternativen zur Verfügung. Um bis zu 2000 virtuelle Desktops zu betreiben, können Unternehmen zwischen VMware View oder Citrix XenDesktop wählen.

FlexPod, eine flexible Alternative

FlexPod ist ein konfiguriertes Datacenter basierend auf einer flexiblen, skalierbaren Shared IT-Infrastruktur aus Servern des Cisco Unified Computing System und Cisco Nexus Switches sowie auf NetApp Unified Storage mit Data ONTAP. Darüber hinaus sind Lösungen von Microsoft, Citrix und SAP für FlexPod verfügbar. Im April kündigte das Unternehmen zwei Erweiterung dieser Architektur an: FlexPod ist das erste Rechenzentrum, das von Microsoft für Microsoft Private Cloud Fast Track 2.0 valisdiert ist. Zudem gibt es jetzt eine neue validierte Designarchitektur mit Microsoft Private Cloud mit Citrix XenDesktop. Mit dieser Architektur können Unternehmen Cloud-ähnliche Dienste mit XenDesktop erstellen.

„FlexPod ist flexibler und hat weichere Grenzen als ein Vblock. Skalierungen erfolgen individuell. Vblocks lassen sich je nach Bedarf sowohl vertikal als auch horizontal einfacher erweitern“, sagt Viktor Hagen, Evangelist Cloud Computing bei Cisco.

IBM und das neue PureSystem

Das PureSystem ist die Weiterentwicklung oder besser Neuerfindung der guten alten AS/400 auf Basis zeitgenössischer Technologie. Momentan sind zwei Modelle angekündigt: IBM PureFlex System kombiniert Server-, Storage- und Netzwerkressourcen in einer automatisierten, sicheren und einfach zu verwaltenden Maschine.

Das IBM PureApplication System nutzt erstmals wiederholbare Software-Patterns (Muster) und branchenspezifische Prozesse, die sich aus jahrzehntelanger Zusammenarbeit der IBM Experten mit Kunden und Geschäftspartnern abgeleitet haben. IBM bietet dazu mit Partnern Lösungen für Banking, Education, Financial Markets, Government, Healthcare sowie Insurance an.

Das „Scale-In-System-Design“ der neuen Familie integriert Server, Speicher und Netzwerkkomponenten in einer hochautomatisierten, angeblich einfacher zu verwaltenden Maschine. Es ermöglicht eine höhere Integrationsdichte und verdoppelt laut IBM die Rechenleistung pro Fläche im Rechenzentrum.

Bei diesem System setzt Big Blue auf seine Expertenintelligenz. Die Patterns of Expertise erlauben es dem System, zeitaufwendige elementare Aufgaben wie Konfiguration, Upgrade und Application-Requirement-Handling automatisiert auszuführen.

Jedes PureSystems-Chassis kann in Tausende von virtuellen Maschinen aufgeteilt werden - bis zu zweimal mehr als bisherige Systeme - was zu bis zu 70 Prozent reduzierbaren Softwarelizenzkosten führen kann. Die automatisierte und virtualisierte Speicherschicht der PureSystems kann bis zu 98 Prozent schneller bereitgestellt werden. IBM PureSystems können über eine einzige Konsole verwaltet werden.

IBM integriert mit dem neuen Scale-In-Design alle kritischen Bestandteile und stellt ein Single-View-Management-System dazu bereit. Das Ergebnis ist ein System, das intuitiv zu installieren und weit günstiger in der Instandhaltung sein soll.

Alle PureSystems-Familienmitglieder sind für die Integration in die Cloud vorbereitet. Damit können Unternehmen sofort private self-service Clouds aufbauen, die automatisch skalieren können. Das IBM PureApplication-System nutzt erste wiederholbare Software-Patterns (Muster) und branchenspezifische Prozesse, die sich aus der Zusammenarbeit der IBM Experten mit Kunden und Geschäftspartnern abgeleitet haben.

Wie aus den Daten zu ersehen ist, richtet sich diese Familie an Unternehmen mit einer IBM-Tradition. Obwohl vor allem das PureFlex-System offen für jede Art von Workload ist, wie IBM-Manager betonen, liegt der Automatisierungsgewinn vor allem auf dem Einsatz der IBM-Infrastruktur.

Fujitsu DI Blocks

Mit Verzögerung bringt Fujitsu seine Ende letzten Jahres angekündigten Dynamic Infrastructure Blocks (DI Blocks) jetzt auf den Markt. Als erstes erscheint die Dynamic Infrastructure for VMware vCloud noch in diesem Mai, ab August/September sollen dann die DI Blocks folgen. „Die Verzögerung ergaben sich durch Anforderungen der Kunden. Wir arbeiten an der Integration des eigenen Middleware-Stacks mit dem vCloud Director“, sagt Michael Homborg, Evangelist Enterprise Products, Product Sales Group Server. „Die Themen Sicherheit, Firewall und Mandantenfähigkeit stellten Herausforderungen dar, die wir erst so lösen wollten, wie unsere Kunden es für erforderlich halten.“

Damit hebt Homborg auch auf die Unterschiede zu den Systemen der Konkurrenz ab. Die Fabric Based Infrastructure, wie Fujitsu das System nennt, ist nicht nur ein vorkonfiguriertes Bundle mit einheitlichem Support. „Wir übernehmen die Verantwortung, alle Betriebssysteme für die gesamte Laufzeit des Systems End-to-End zu testen und dann als spezielles Patch-Paket dem Kunden bereit zu stellen. In Verbindung mit einem ILM-(Information Lifecycle Management) Konzept können wir die vCloud-Director-Umgebung sichern und wiederherstellen.“ Damit erweitert Fujitsu eine Begrenzung von VMware „die kein eigenes End-to-End-Backup-Konzept für die Cloud haben“, sagt Homborg. Das gesamte Patching von Server, Storage und Netzwerk wird in eine Referenzarchitektur eingespielt und über ein speziell entwickeltes ServerView Tool mit den Kundensystemen synchronisiert.

DI Blocks sind speziell auf den Aufbau von Private Cloud-Infrastrukturen ausgelegt und nutzen einen eigenen Middlewarestack von Fujitsu. Sie bestehen aus aufeinander abgestimmten IT-Systembausteinen wie Server, Speicher und Netzwerk, sowie mit einander kombinierbaren Virtualisierungstechnologien. Die integrierte ServerView Resource Orchestrator Managementsoftware verwaltet die DI Blocks Umgebung dynamisch. Er ermöglicht die flexible und schnelle Verwendung von IT-Ressourcen in Private Cloud-Umgebungen.

Die DI Blocks sind nach Kundenbedürfnissen werksseitig vorintegriert und konfiguriert und eignen sich als 1:1 Migrations-Plattform zur Konsolidierung der kompletten, heterogenen (x86) Betriebssystem-Landschaft eines Kunden. Im Gegensatz zur Dynamic Infrastructure for VMware vCloud sind sie offener und unterstützen den parallelen Betrieb von unterschiedlichen Hypervisor-Technologien im Konzert mit dedizierten Server-Betriebssystemen.

Die DI Blocks-Systemkonfigurationen starten bei einem Entry System mit 64 Cores und reichen bis zu 1.152 Cores der Intel Xeon E5-2600-Serie. Der Arbeitsspeicher skaliert von 1,5 TeraByte bis über 55 TeraByte, die Speicherplatten-Kapazität kann aktuell bis zu 900 TeraByte betragen. Die autark agierende Umgebung wird über 10Gbit Ethernet Uplinks in das existente Active Directory des Kunden-Netzwerks eingebunden.

HP Converged Infrastructure

HP hat bereits 2009 mit dem HP BladeSystem Matrix eine Plattform vorgestellt, die Software-, Server-, Storage- und Netzwerklösungen in einem konvergenten System vereint.Auf dieser Basis hat HP weitere Systeme entwickelt und vorgestellt: das CloudSystem im Jahr 2010 und die VirtualSystem/AppSystem im Jahr 2011. HP VirtualSystem ist eine vollständige virtualisierte Umgebung mit bereits optimierten Server-, Speicher-, Netzwerk-, Verwaltungs- und Hypervisorressourcen. Die Lösung baut auf einer einheitlichen, modularen Architektur auf und ermöglicht ein Upgrade auf eine Private Cloud oder Hybrid Cloud Computing-Umgebung mit HP CloudSystem oder mithilfe der Microsoft und VMware Cloud-Lösungen. Unter dem Namen HP AppSystem bietet HP unterschiedliche Appliances für Datenmanagement und Echtzeit-Datenanalysen. Dazu gehören beispielsweise das Vertica Analytics System, die Business Data Warehouse Appliance und die Database Consolidation Solution. „Auf der Basis einer gemeinsamen Architektur erfüllen diese Systeme kundenspezifische Anwendungsanforderungen, von der Virtualisierung über Cloud hin zu dedizierten Anwendungen“, sagt Markus Herber.

HP weitet Konvergenz-Prinzip auf heterogene Cloud-Umgebungen aus

Mit Einführung der Converged-Cloud-Architektur im April 2012 weitet HP das Konvergenz-Prinzip auf heterogene Cloud- und Infrastruktur-Umgebungen aus. Auf der Grundlage der Converged-Cloud-Architektur lassen sich Cloud-Dienste unabhängig von der jeweiligen Form der Implementierung anhand von Regeln, Templates und Modellen entwickeln und bereitstellen. Ebenso bietet HP die Möglichkeit, übergreifende Management- und Sicherheitsfunktionen mit den Diensten zu verknüpfen und einheitlich zu steuern. Ein Kernelement von HPs Cloud-Architektur ist HP OpenStack. Dieser nutzt Opensource-Technologien, mit denen sich massiv skalierbare Cloud-Plattformen aufbauen lassen. HP hat eigene Erweiterungen wie Application Lifecycle Management (ALM), Continuous Deployment sowie die Verwaltung und Sicherheit von Cloud-Diensten beigesteuert. Das erleichtert beispielsweise die Migration von Cloud-Diensten und das so genannte Cloud Bursting, also das temporäre Zuschalten von externen Ressourcen bei Kapazitäts-Engpässen.

Auf der Grundlage von HP OpenStack abstrahiert der HP Converged Infrastructure as a Service Controller (HP Converged IaaSC) von der physischen IT-Infrastruktur und stellt eine standardisierte Computing-Umgebung zur Verfügung. Diese Ebene sorgt letztlich für die übergreifende Umsetzung von Prozessen und Regeln etwa für Orchestrierung, Verwaltung, Provisionierung und Sicherheit. Damit können Anwendungen beispielsweise in einer Public Cloud entwickelt, einer Private Cloud betrieben und im Bedarf durch Ressourcen einer Public Cloud unterstützt werden.

VCE und der Vblock

Cisco, EMC und deren Töchtern VMware und RSAV gründeten 2009 die Virtual Computing Environment Company (VCE). Derzeit bietet das Unternehmen zwei Infrastrukturen an, Vblock 300 und 700, im Sommer soll eine Einstiegskonfiguration 100 speziell für den SMB-Markt herauskommen.

Mit Cisco Nexus Netzwerkinfrastruktur lassen sich z.B. Vblocks als auch FlexPods zu einem logischen Rechenzentrum zusammenschließen und bieten damit verteiltes Load-Balancing zwischen beispielsweise zwei Standorten“, sagt Hagen.

Ein Vblock Infrastrucutre Package besteht aus der der Virtualisierungsplattform VMware vSphere und VMware vCenter, Cisco Nexus Switches sowie einem Unified Computing System (UCS) von Cisco. Jeder Vblock ist ein vorkonfiguriertes und getestetes System, das einheitlich gemanaged wird. Sie sind optimiert auf die darauf eingesetzte Workload und VCE übernimmt das Konfigurations- und Patchmanagement sowie das Vorabtesten.

(ID:33409710)