Diversifizierung, keine Nerd Knobs, breit aufgestellte Teams Juniper-Network-Manager zu den Datacenter-Trends 2022

Ein Gastbeitrag von Erwin Breneis*

Zuverlässigkeit statt Agilität? Day-2-Operations im Zentrum der Aufmerksamkeit? Das klingt wie Wunsch-Roulette von Administratoren:innen. Und dennoch wird das in diesem Jahr wahr, sagt Erwin Breneis, ausgewiesener Experte ins Sachen Virtualisierung, Mulicloud und Netzwerkbetrieb. Und er kann seine Annahmen begründen:

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Im Rennen und die angesagtesten Trends verliert Agilität den Status, oberstes Ziel zu sein.
Im Rennen und die angesagtesten Trends verliert Agilität den Status, oberstes Ziel zu sein.
(Bild: gemeinfrei / Pixabay )

1. Zuverlässigkeit wird Agilität als oberstes Ziel der Netzwerkbetreiber ablösen.

Schon seit Jahren bemühen sich Organisationen um agilere Betriebsabläufe. Aufmerksame Betreiber haben erkannt, dass Geschwindigkeit nicht das eigentliche Ziel ist, sondern lediglich ein Teilaspekt eines größeren Ziels: von Zuverlässigkeit. Der Grund, warum viele Organisationen nicht schneller werden: Netzwerke sind anfällig und Veränderungen stellen ein Risiko dar.

Schnelligkeit bedeutet nicht nur die Beschleunigung von Aufgaben, sondern vielmehr die Gewissheit, dass diese Aufgaben jedes Mal auf die gleiche Weise und fehlerfrei ausgeführt werden. Daher werden sich die Diskussionen in 2022 mehr und mehr in Richtung Zuverlässigkeit verlagern.

2. Day-2 rückt in den Fokus. 

In der Vergangenheit hat die IT einen Großteil ihrer Energie darauf verwendet, Dinge zum Laufen zu bringen. Wie ist das Design? Wie wird es implementiert? Mit der zunehmenden Optimierung des Day 0 Prozesses, verlagert sich der Schwerpunkt im Jahr 2022 auf die Optimierung des Day-2-Betriebs.

Die Bereitstellung wird der Identifizierung von Ursachen und der automatischen Behebung weichen. Grundlegende Workflows werden in den Hintergrund treten, während die domänenübergreifende Betrachtung in den Fokus rückt. Zu verstehen, was passiert – und noch wichtiger – was man dagegen tun kann, wird Realität. Die Auswirkungen von Technologien wie KI und Automatisierung werden für große Unternehmen sichtbarer denn je.

3. Teams werden breiter aufgestellt. 

Die Pandemie hat dazu geführt, dass Remote-Arbeit für einen Großteil der Mitarbeiter ein fester Bestandteil der Tagesordnung ist. Dadurch wird der Würgegriff, in dem sich das Silicon Valley (und andere beliebte Hubs für IT Firmen) jahrzehntelang befand, gelockert. Das führt zu drei wichtigen Veränderungen:

  • Erstens wird dies zu mehr Wettbewerb bei der Einstellung von Personal in traditionell unterrekrutierten Gebieten führen.
  • Zweitens führt der Wettbewerb zu höheren Gehältern in diesen Bereichen.
  • Und drittens müssen Organisationen, die bei der Vergütung nicht mit den Tech-Giganten konkurrieren können, Talente fördern.

Das bedeutet mehr Chancen für unterrepräsentierte Gruppen und für junge Talente. Das Endergebnis? Remote-Arbeit wird eine integrativere Branche fördern. Dies gilt natürlich nicht nur für Unternehmen im Silicon Valley, sondern weltweit – auch in Deutschland.

4. Weniger Nerd Knobs, mehr Standardimplementierungen.

Eines der häufigsten Missverständnisse über die Cloud ist, dass es sich dabei nur um die Server eines anderen handelt. Es sind nicht die Server, die Cloud-Angebote relevant machen, sondern der Betrieb.

Architekten haben erkannt, dass sie diesen vereinfachen und standardisieren müssen. Für Unternehmen, die ihre Betriebsumgebungen wirklich optimieren wollen, kann es keine maßgeschneiderte Infrastruktur geben. Wenn sich diese Denkweise auf Unternehmensseite durchsetzt, werden als Erstes all die Nerd Knobs verschwinden, die die Unternehmens-IT so komplex machen.

5. Die Diversifizierung der Lieferketten wird zur Priorität.

Lieferkettenengpässe sind momentan allgegenwärtig – Alltagsgegenstände, Baumaterial, Autos und auch Netzwerkausrüstung sind aktuell Mangelware. Während die Unternehmen die Lieferkette unter die Lupe nehmen, erwarten sie für das Jahr 2022 eine architektonische Renaissance, die sich darauf konzentriert, die Risiken zu verringern, die mit einer konzentrierten Anzahl von Lieferanten einhergehen.

Erwin Breneis: „Der Würgegriff, in dem sich das Silicon Valley (und andere beliebte Hubs für IT Firmen) jahrzehntelang befand, gelockert.“
Erwin Breneis: „Der Würgegriff, in dem sich das Silicon Valley (und andere beliebte Hubs für IT Firmen) jahrzehntelang befand, gelockert.“
(Bild: Juniper Networks)

Ob es sich nun um Multi Vendor-Netzwerke handelt, die eine größere Auswahl an Anbietern ermöglichen, oder um die Einführung neuer Komponenten, die mehr Lieferoptionen schaffen, die Netzwerklandschaft wird sich weiterentwickeln. Und diese Entwicklung wird zwangsläufig bei den Architekturen beginnen, die die Wahl des Netzwerks bestimmen.

* Erwin Breneis ist Solution Specialist Multicloud in der Region Deutschland, Österreich und Schweiz bei Juniper Networks.

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