Interview mit dem OpenStack-Pionier und Anbieter Rackspace

Interessenten brauchen einen kompetenten Partner

| Autor / Redakteur: Ludger Schmitz / Ulrike Ostler

und Punkt. Selbstbewusste Werbung auf dem OpenStack Summit Barcelona 2016
und Punkt. Selbstbewusste Werbung auf dem OpenStack Summit Barcelona 2016 (Bild: Ludger Schmitz / CC BY 3.0)

John Engates, Chief Technology Officer, und Bryan Thompson, General Manager OpenStack Private Cloud, von Rackspace werfen einen kritischen Blick auf die Entwicklung von OpenStack. Sie benennen Stolpersteine für Anwender und geben Ratschläge.

Seit etwas mehr als sechs Jahren gibt es OpenStack, und Rackspace war von Anfang an dabei. Was hat sich im Laufe der Zeit in diesem Projekt verändert?

Brian Thompson, OpenStack Private Cloud Manager bei Rackspace
Brian Thompson, OpenStack Private Cloud Manager bei Rackspace (Bild: Rackspace)

Thomson: Anfangs haben alle Mitglieder etwas einzigartiges beigetragen. Von uns kamen die Grundlagen für die heutigen Kernmodule Nova-Computer und Swift-Storage. Das hat sich geändert. Heute sind viel mehr Firmen dabei, vor allem aber eine Vielzahl von Entwicklern, die alle möglichen Verbesserungen beitragen. OpenStack ist heute eine sehr breite Community über IT-Anbieter hinaus. Die Diskussionen in den Projekten sind sehr engagiert. Diese Veränderungen haben weder die Beteiligung am Projekt noch seine Entwicklungsgeschwindigkeit beeinträchtigt, eher im Gegenteil.

Welche Veränderungen haben Sie auf Anwenderseite erlebt?

Thompson: Die Unternehmen wenden sich massiv Containern zu. OpenStack COO Mark Collier hat hier in Barcelona in seiner Keynote-Rede erwähnt, dass OpenStack-Anwender Container dreimal schneller adaptieren als andere Unternehmen. Sie verwenden für eine moderne IT verschiedene Designs, Architekturen und Open-Source-Technologien.

Engates: Unternehmen verwenden OpenStack in hohem Maße als Innovationsplattform. Sie interessieren sich für alle Technologien, die ihren Betrieb beschleunigen oder ihnen einen Vorteil verschaffen können. Deshalb überrascht es mich nicht, dass OpenStack-Anwender schneller als andere Container einsetzen.

Was sind Ihre Empfehlungen für Anwender, die sich für OpenStack interessieren?

Thomson: An erster Stelle sollten sie sich der Zusammenarbeit mit einem Experten versichern, der ihnen ein Maß an Managed Services bringen kann, damit sie nicht alles allein herausfinden müssen. Eine Umfrage hat kürzlich ergeben, dass rund die Hälfte aller Unternehmen daran gescheitert war, OpenStack mit eigenen Kräften einzurichten. OpenStack ist ziemlich komplex, es ist kein Fertigprodukt, sondern eine Kollektion locker verbundener Projekte, die sich mit unterschiedlicher Geschwindigkeit weiterentwickeln.

Sollte es dann nicht ein zentrales Anliegen von OpenStack sein, die Komplexität abzubauen?

John Engates, CTO bei Rackspace
John Engates, CTO bei Rackspace (Bild: Rackspace)

Engates: Das ist es bereits. In unserer Partnerschaft mit Intel, dem ‚OpenStack Innovation Center‘, geht es darum, die Einstiegsbarrieren für Anwenderunternehmen zu verringern, die Komplexität abzubauen und die Interoperabilität zu verbessern. Wir bieten uns als ein Partner an, der es mit seinen Managed Services möglich macht, OpenStack zu nutzen, ohne erst Experte werden zu müssen.

Zur Komplexität von OpenStack trägt schon allein bei, dass es im Umfeld des Kerns, im Big Tent, eine so rasante Entwicklung und so viele Projekte gibt. Wird Wachstum zur Gefahr?

Engates: Diese Projekte reifen mit unterschiedlicher Geschwindigkeit, und für Anwender mag es schwer sein zu entscheiden, welche schon für den Betrieb reif genug sind. Wir verwenden eine Auswahl aus diesen Projekten, die wir für reif halten und mit denen wir Erfahrungen haben. Für die OpenStack Foundation stellt sich die Situation anders dar: Sie will die schnelle Innovation aufgreifen, die aus dem Big Tent kommt, auch wenn es Überlappungen gibt und manchmal die Frage aufwirft, ob etwas nun noch zu OpenStack gehört. Ich glaube, das ist gleichzeitig eine Herausforderung und eine Chance.

Europäische Unternehmen, besonders deutsche, sind gegenüber der Cloud Computing zögerlich aus Gründen des Datenschutzes, wegen Bedenken, wo die Daten verarbeitet und gespeichert werden etc. Was ist der Rackspace-Ansatz in dieser Situation?

Engates: Unser Angebot ‚OpenStack Everywhere‘ lässt sich in fast jedem Land einrichten und betreiben. Es ist eine Private Cloud, die wir remote supporten, in Kürze auch von unserer neuen Niederlassung in Deutschland aus. Alle Daten der Anwender bleiben in dieser Umgebung vor Ort, so dass es keine Probleme mit Daten-Souveränität oder Datenschutz geben wird.

Wie offen ist OpenStack? Bei manchen Anbietern ist das OpenStack-Angebot sogar mit Hardware verbunden, und auch in Sachen Software erinnern einige Einschränkungen an das Vendor Lock-in der Public Cloud.

Engates: Einige Anbieter verbinden ihr OpenStack-Angebot mit anderen Lösungen. Wir bieten OpenStack nicht nur auf dem Red Hat-Stack an, sondern auch als reines OpenStack-Angebot ausschließlich mit Community-Produkten. Dazu gehört das Produkt Ansible zur Konfiguration und zum Management, das inzwischen zum Big Tent gehört und natürlich Open Source ist.

Thompson: Was wir zu OpenStack hinzu verkaufen ist Expertise, was Erfahrungen mit dem Tagesbetrieb, Monitoring, Sicherheit etc. umfasst. Das bieten wir als Service an. Aber die Anwender können unseren Code bekommen, alles ist 100-prozentig Open Source. Sie könnten uns kündigen und den Code weiter verwenden. Bei uns gibt es kein Vendor Lock-in.

* Das Interview führte Ludger Schmitz, freiberuflicher Journalist in Kelheim.

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