Stärkere Konkurrenz für Xilinx

Intel möchte eASIC für das FPGA-Geschäft übernehmen

| Redakteur: Sebastian Gerstl

Dan McNamara, Corporate Vice President von Intels Programmable Solutions Group (links) . und eASIC CEO Ronnie Vasishta (rechts). Intel übernimmt den Spezialisten für flexible ASIC-Entwicklung, um seine Fertigungstechnologie als Alleinstellungsmerkmal im FPGA-Markt nutzen zu können.
Dan McNamara, Corporate Vice President von Intels Programmable Solutions Group (links) . und eASIC CEO Ronnie Vasishta (rechts). Intel übernimmt den Spezialisten für flexible ASIC-Entwicklung, um seine Fertigungstechnologie als Alleinstellungsmerkmal im FPGA-Markt nutzen zu können. (Bild: Intel Corporation)

Intel hat die Übernahme von eASIC, einem Fabless-Anbieter für strukturierte ASIC-Lösungen, angekündigt. Die Fertigungstechnologie des Herstellers spezialisierter Embedded-Chips soll als neues Alleinstellungsmerkmal auf dem FPGA-Markt dienen.

Bereits 2015, während der Akquisitionsverhandlungen zwischen Intel und FPGA-Hersteller Altera (heute bekannt als Intel Programmable Solutions Group) hatte es Gerüchte gegeben, dass Intel auch an einer Übernahme von eASIC interessiert sei. Nun, Knapp drei Jahre später, ist das Interesse offenbar neu erwacht: Intel hat dem Entwickler der „Nextreme-New-ASIC“-Serie ein Angebot in unbekannter Höhe unterbreitet.

Geplant ist, den Designer von flexiblem ASIC-Lösungen in das hauseigene FPGA-Geschäft zu integrieren. „Es mag zwar heute noch ein kleines Unternehmen sein,“ sagt Dan McNamara, General Manager von Intels Programmable Solutions Group, angesichts der Übernahmepläne. „Aber wir glauben, dass wir es skalieren und es zu einem echten Unterscheidungsmerkmal gegenüber Xilinx machen können".

ASIC-Fertigungstechnologie soll FPGAs günstiger machen

Der Fabless-Anbieter eASIC hat einen eigenen, proprietären Ansatz entwickelt, um flexiblere ASICs produzieren zu können. Ein Wafer wird in einem ersten Schritt mit vordefinierter Logik und Speicher ausgestattet, um diesen dann in nur einer oder zwei zusätzlichen Maskenschichten mit zusätzlichen anzupassen. Der resultierende strukturierte ASIC ist durch die geringen Maskenkosten deutlich günstiger als herkömmliche kundenspezifische Silizium-Chips. Was ihm fehlt, ist zusätzliche Programmierbarkeit. Diese könnte er im Zusammenspiel mit FPGAs erhalten, die selbst wiederum durch die Fertigungstechnologie günstiger in der Produktion werden könnten.

Wenn alles nach Plan verläuft, könnte Intel die Übernahme von eASIC bereits im dritten Quartal 2018 abschließen. eASIC wäre dann bereits Anfang des nächsten Jahres in der Lage, neue Chips mit ARM-Cores anbieten. Längerfristig könnten die Produkte der nächsten Generation die Embedded Multi-Die Interconnect Bridge (EMIB) von Intel anbieten, ein proprietäres Die-to-Die-Gehäuse, das mit 2,5D-Chip-Stacks konkurriert.

Intels einzige öffentliche Produkte, die EMIB verwenden, waren bisher die FPGAs der „Stratix-10“-Familie. In diesen dient EMIB als Brücke zu „Serdes“, HBM-Speicherstapeln und „Xeon“-Prozessoren. Die Technik wird bislang nicht in Produkten von Drittanbietern eingesetzt.

Alleinstellungsmerkmal im Kampf um FPGA-Marktherrschaft

Sowohl Xilinx als auch Intel PSG/Altera konnten zuletzt einen Jahresumsatz von mehr als 2 Milliarden Dollar für ihre Produkte. Beide Unternehmen sind in den verschiedensten Branchenbereichen anzutreffen, auch wenn sich gewisse Trendbereiche ablesen lassen. Während Intel speziell in den Rechenzentren stark vertreten ist, drängt Xilinx mit Nachdruck in den Automotive-Markt. Zudem setzen beide Unternehmen stark auf den Einsatz von FPGAs für maschinelles Lernen beziehungsweise künstliche Intelligenz.

In seinem ersten Quartal berichtete Intel, dass die Verkäufe von FPGAs im Vergleich zum Vorjahr um 17 Prozent und im Rechenzentrum, wo sie als Beschleuniger auf den neuen Servern von Microsoft eingesetzt werden, um satte 150 Prozent gestiegen sind. Im März kündigte Xilinx, das laut Semico Research 49 Prozent des FPGA-Marktes beherrscht, Everest an, einen 7-Nanometer-Beschleuniger für große Datenmengen und Artificial Intelligence, der im nächsten Jahr ausgeliefert werden soll.

Xilinx ist derzeit weiterhin unbestrittener Marktführer im FPGA-Segment. Es bleibt abzuwarten, ob das Einverleiben von eASIC in den Geschäftsbereich von Intel PSG als Alleinstellungsmerkmal einen maßgeblichen Unterschied machen wird.

Hinweis: Der Artikel entstammt der SchwesterpublikationElektronik Praxis

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