Power-CPUs statt x86

IBM bietet x86-Servern mit Open-Power-Servern Paroli

| Autor / Redakteur: Michael Matzer / Ulrike Ostler

IBM hat einen neuen Chip mit NVLink-Technologie und neue Linux-basierte Server entwickelt, um kognitive Workloads zu unterstützen und die Effizienz in Rechenzentren zu verbessern.
IBM hat einen neuen Chip mit NVLink-Technologie und neue Linux-basierte Server entwickelt, um kognitive Workloads zu unterstützen und die Effizienz in Rechenzentren zu verbessern. (Bild: IBM)

IBM präsentiert drei neue Linux-Server, die auf der „OpenPower“-Plattform basieren. Sie adressieren Workloads in den Einsatzbereichen Big Data Analytics und High Performance Computing. Mit Hilfe einer speziellen Technologie sollen die Server mit der neuen „Power8“-CPU schneller sein als vergleichbare x86-Server.

Das Flaggschiff des Server-Trios verrät mit seiner Bezeichnung „S822LC“ für High Performance Computing bereits, in welchem Einsatzbereich seine Schöpfer bei Big Blue das Gerät sehen: im Supercomputing. Klaus Gottschalk, HPC Architect Open Power bei IBM Deutschland, führt als Anwenderbeispiel die Forscher von DESY an. Aber auch die Krebsforschung habe dafür Verwendung, denn es gelte ja, zahlreiche Testergebnisse in kürzester Zeit auszuwerten.

IBM bringt drei neue POWER-Linux-Server auf den Markt, die die zwei vorhandenen ergänzen. Das Flaggschiff 822LC arbeitet mit NV-Link von Nvidia.
IBM bringt drei neue POWER-Linux-Server auf den Markt, die die zwei vorhandenen ergänzen. Das Flaggschiff 822LC arbeitet mit NV-Link von Nvidia. (Bild: IBM)

Für diesen anspruchsvollen Zweck bringt S822LC für HPC nicht nur den Power8-Chip mit, sondern auch als Beschleuniger das NVLink von Nvidia, das die Power8-CPU viel enger mit dem Co-Prozessor der Nvidia-GPU „P100“ koppelt und so einen höheren Datendurchsatz erlaubt. NVLink ist eine Energie-effiziente, bidirektionale Hochgeschwindigkeitsverbindung, die direkt auf der Ebene des Siliziums und in das gesamte Systemdesign integriert ist.

Fixe Verbindung

„Diese enge Kopplung von IBM und Nvidia-Technologie ermöglicht einen bis zu fünfmal schnelleren Datenfluss als auf x86-basierten Systemen“, erläutert Klaus Gottschalk. Bis zu vier dieser P100-GPUs lassen sich auf dem S822LC-Flaggschiff unterbringen.

Klaus Gottschalk ist bei IBM Deutschland HPC Architect für die Open-Power-Plattform.
Klaus Gottschalk ist bei IBM Deutschland HPC Architect für die Open-Power-Plattform. (Bild: IBM)

„Die bisherigen Vorteile durch die Power-spezifische CAPI(Coherent Acceleration Processor Interface)-Schnittstelle bleiben erhalten.“ Die Gesamtheit seiner Beschleunigungstechnologien, zu denen Partner aus der Open-Power-Plattform beitragen, nennt IBM „Power Accel“.

NVLink verbessert nach Angaben Gottschalks die GPU-zu-GPU-Link-Bandbreite, um die „Dauer bis zum Ergebnis“ für viele Analytik-Anwendungen zu verkürzen. „Zu diesen Anwendungen gehören beispielsweise Predictive Analytics, Deep Learning und Künstliche Intelligenz“, so Gottschalk.

Server für Big Data

Der kleinere Bruder von S822LC für HPC ist, wie seine Bezeichnung „S822LC for Big Data“ schon verrät, für Big Data Analytics optimiert worden. „Der chinesische ISP Tencent“, berichtet Gottschalk, „hat bei frühen Tests herausgefunden, dass ein großes Cluster der neuen Open-Power-Server imstande war, eine datenintensive Workload bis zu dreimal schneller als die vorherige x86-basierte Infrastruktur zu bewältigen.“

Außerdem sei dabei die Gesamtzahl der Server um annähernd zwei Drittel reduziert worden. Höhere Leistung bietet also handfeste Effizienzvorteile – damit sollen die drei Open-Power-Linux-Server gegenüber vergleichbaren x86-Servern punkten. Diesen gegenüber sollen sie bis zu 80 Prozent mehr Leistung bieten.

Der Big Data-Server wird zusammen mit dem kleineren S821LC, inklusive CAPI und optional FPGA-Akzeleratoren, ausgeliefert, aber ohne NVLink. Beide sind bereits jetzt verfügbar. Der S822LC für HPC soll hingegen gegen Ende September 2016 auf den Markt kommen. Der niedrigste Power-LC Listenpreis, der im Web für die Serie genannt wird, liegt bei knapp 6.000 Dollar.

Deutliche Cloud-Unterstützung

Ein nicht ganz unwesentlicher Aspekt dieser LC-Server ist ihre massive Cloud-Unterstützung. Das C in LC steht für Cloud, das L für Linux. IBM offeriert mit der LC-Serie die Einrichtung einer Enterprise Cloud sowohl im eigenen Haus des Kunden als auch in einer Hybrid Cloud. Der Zugang zur IBM Cloud ist demnach kostenlos und auch die IBM-Dienste sind ihr Geld wert: Disaster Recovery, sowie Database as a Service, rechenzentrumsübergreifende Inventar- und Performance Überwachung, ein kostenloses „Softlayer“-Starter-Paket für ein Jahr und Unterstützung für DevOps-Dienste in „IBM Bluemix“.

Die Power-System-Plattform in den "LC"-Servern bietet einen Wachstumspfad für die Cloud-Nutzung.
Die Power-System-Plattform in den "LC"-Servern bietet einen Wachstumspfad für die Cloud-Nutzung. (Bild: IBM)

Auf der Virtualisierungsseite bietet die LC-Serie einen Migrationspfad. „Der Hypervisor für die Server ist bereits in die Firmware der Power-CPU integriert“, erläutert Gottschalk. Während die Standard-Edition des Power-VC bis zu 5.000 VMs und 200 Hosts verwaltet werden, ist die Kapazität des „IBM Cloud Manager“ auf Power VC wesentlich höher und stellt ein Self-Service Portal mit Prozessautomatisierung zur Verfügung.

Das ist ein Leistungsmerkmal, das ISPs anspricht. Eine noch höhere Leistungsstufe bietet die „Advanced Cloud Option“. Hier lassen sich ISV- und Open-Source-Programme installieren, darunter auch „VMware vRealize“.

Die neuen Power-Linux-LC-Server adressieren eine erstaunliche Marktbreite – vom Mittelständler, der eine Private Cloud aufbauen oder beschleunigen will, über den ISP bis hin zum Hochleistungsforschungszentrum. Selbst schnellste Supercomputer, die gerade von IBM und der Regierung in den USA aufgebaut werden, sollen mit der S822LC für HPC ausgestattet werden.

* Michael Matzer* ist freier Autor und lebt in der Nähe Stuttgarts.

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