Alte Infrastrukturen und unreife Strategien

Hybrid-Cloud: Super. Aber die Daten bleiben hier!

| Autor / Redakteur: Toan Nguyen* / Ulrike Ostler

Ready for Take-off in die Cloud? Oder doch lieber Bodenhaftung? Wo sollen die Daten wohnen und wo die Anwendungslogik schweben? Wie die Kontrolle behalten?
Ready for Take-off in die Cloud? Oder doch lieber Bodenhaftung? Wo sollen die Daten wohnen und wo die Anwendungslogik schweben? Wie die Kontrolle behalten? (Bild: E-Shelter/ Broschüre Datacenter München)

Angesichts der wachsenden Nachfrage nach vielseitigeren Speicherlösungen und IT-Services hat der Erfolg von Public- sowie Private-Cloud-Plattformen den Weg für die nächste Entwicklungsstufe der On-Demand-Rechenleistung in Form der Hybrid-Cloud geebnet. In der Theorie stellt sie die ultimative Lösung für die Anforderungen an eine moderne Infrastruktur dar.

Die Hybrid-Cloud soll es Organisationen ermöglichen, das Angebot von Public-Clouds zu nutzen, ohne alle ihre Daten in eine öffentliche Cloud verlagern zu müssen. Denn das macht Unternehmen flexibel. Sie nutzen die Effizienz und die Innovationsvorteile der Cloud und behalten gleichzeitig die Kontrolle über sensible Daten, die strengere Sicherheits- oder Compliance-Anforderungen haben.

Die Entscheidung aber, eine Hybrid-Cloud zu implementieren, sollte jedoch nicht auf die leichte Schulter genommen werden. In der Regel ist der Weg dorthin komplex – mit vielen kritischen Entscheidungen, die innerhalb kürzester Zeit getroffen werden müssen.

So ist etwa die Zahl der Partner als auch der Lösungen ist groß. Daher ist es völlig normal, dass diejenigen, die mit der Hybrid-Cloud nicht vertraut sind, zunächst verwirrt und besorgt sind: Was ist die beste Strategie und welchen Weg gilt es inmitten so vieler Möglichkeiten einzuschlagen?

Immer dieselben Fehler

Immer wieder ist bei Unternehmen zu beobachten, dass sie mit den gleichen Fehlern in ihrer Technologie-Strategie konfrontiert werden. Allgemein lassen sich diese in zwei Hauptbereiche unterteilen: die Schritte zur Cloud sowie die Datensicherheit. Glücklicherweise sind die häufigsten Fehler auch am einfachsten zu beheben.

Stolpern statt Schreiten

In puncto Cloud ist einer der größten Fehler, dass sich Unternehmen häufig in eine Hybrid-Cloud-Lösung mit veralteter Infrastruktur stürzen und auf die Anforderungen moderner Prozesse nicht vorbereitet sind. In der Regel basiert die Entscheidung für eine hybride Infrastruktur auf Geschäftszielen und nicht auf dem Standpunkt der IT.

Aus diesem Grund machen sich viele Unternehmen auf den Weg, ohne sich dabei der richtigen Werkzeuge für eine umfassende Modernisierungs- und Cloud-Adaptionsstrategie zu bedienen. Die Begeisterung über Hybrid-Clouds ist so groß, dass die Prozesse der bestehenden Systeme, die für traditionelle Prozesse optimiert wurden, dabei nicht auf den neuesten Stand gebracht werden – was beim Schritt zu Cloud-basierten Infrastrukturen allerdings der Fall sein sollte.

Ein weiterer entscheidender Fehler besteht darin, dass sich Unternehmen bei der Skalierung der Hybrid-Cloud oft verschätzen und denken, man könne alles im Alleingang bewerkstelligen. Organisationen muten sich gerne zu viel zu, um dann festzustellen, dass sie selbst und ihre vorhandenen Infrastrukturen schnell von der jeweiligen Aufgabe überwältigt werden. Dadurch können nicht alle Vorteile, die die Cloud bietet, ausgeschöpft werden.

Der zweite Kardinalfehler

Selbst wenn diese anfänglichen Fehler vermieden werden, kommt dann das Thema Datensicherheit früher oder später ins Spiel. In Sachen Cloud-Computing sollte immer bedacht werden, dass im Kern des Ganzen Daten stecken und der Schutz dieser Daten niemals außer Acht gelassen werden darf.

Oft richten Unternehmen eine Hybrid-Cloud ein, um ein robusteres und agileres System zu schaffen, ohne sich dabei mit Datensicherheit und Compliance zu beschäftigen. Sie nehmen die Datensicherheit aus Bequemlichkeit nicht ernst genug. Doch angesichts der EU-DSGVO kann Bequemlichkeit nicht mehr toleriert werden.

Den Sinn und Zweck nicht aus den Augen verlieren!

Um diese Fehler zu vermeiden, müssen Unternehmen zunächst sicherstellen, dass ihre Geschäftsziele mit ihren IT-Zielen übereinstimmen. Vor allem sollte klar festgelegt werden, wie die Hybrid-Cloud zum Erreichen der wichtigsten Geschäftsziele beitragen kann.

Dementsprechend können den IT-Abteilungen die richtigen Tools und das Know-how zur Verfügung gestellt werden, um das Projekt leichter zu bewältigen. Zudem ist es ratsam, die Dinge langsam anzugehen.

Fürs Cloud-Setup ist also die Ausgangsposition wichtig, die spezifischen Anforderungen müssen Unternehmens aufgeschrieben werden. Dieses Pflichtenheft ist durchaus eine tiefgehende Überlegung wert, da der Rest der Strategie davon maßgeblich beeinflusst wird.

Ziel, Strategie, Weg, Partner

Sobald eine klare Strategie gefunden wurde, ist der effektivste Weg, um Fehler zu beseitigen und wertvolle Ressourcen wie Zeit und Geld einzusparen, sich an bereits etablierte Drittanbieter von Rechenzentren zu wenden, die über das erforderliche Fachwissen verfügen. Manche Anbieter sind so aufgestellt, dass Nutzer mit Cloud-Strategien experimentieren können. Indem sie verschiedene Lösungen von externen Anbietern in externen Rechenzentren untersuchen, können Organisationen vor einer größeren Investition herausfinden, welche Methoden am besten für sie geeignet sind.

In Bezug auf die Datensicherheit ist es ebenso wichtig, den Unternehmen einen umfassenden Überblick über die Cloud-Anbieter zu verschaffen. Hier muss der Blick auf die gesamte, zugrundeliegende Infrastruktur gerichtet werden, und vor allem müssen die Angriffsvektoren für Datenlecks und Eindringlinge überprüft werden. Wenn diese Schritte befolgt werden, können sich Unternehmen viel besser auf die neue Welt der Cloud-Anwendungen vorbereiten und alle Innovationen nutzen.

* Toan Nguyen ist Director Business Development & Cloud Platform bei E-Shelter.

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