Nach der Aufspaltung: HPE Discover Nummer 1 HPE stellt Hybrid Cloud ins Zentrum und sensationelle Hardware vor

Autor / Redakteur: lic.rer.publ. Ariane Rüdiger / Ulrike Ostler

Rund 13.000 Kunden, Partner sowie eigene Mitarbeiter erlebten in London die erste „HPE Discover“ nach dem Split von HP in Hewlett Packard Enterprise und HP Inc. Im Zentrum der HPE-Strategie soll in den kommenden Jahren die Hybrid Cloud stehen und die Transformation der Wirtschaft in eine digitale, eine „Ideen-Ökonomie“.

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Die Transformation der Kunden-Companies hin zu agil und schnell agierenden Unternehmen, dank einer flexiblen, hybriden IT für Cloud und Unternehmens-DV, Idea-Economy und traditionellem Geschäft) ist eine er vier strategischen Säulen des HPE-Geschäfts in den kommenden Jahren.
Die Transformation der Kunden-Companies hin zu agil und schnell agierenden Unternehmen, dank einer flexiblen, hybriden IT für Cloud und Unternehmens-DV, Idea-Economy und traditionellem Geschäft) ist eine er vier strategischen Säulen des HPE-Geschäfts in den kommenden Jahren.
(Bild: HPE)

Nachdem das HPE-Top-Management den glatten Verlauf des Splits in HP Inc. und HPE (Hewlett Packard Enterprise) gebührend gefeiert und gepriesen hatte, ging es zur neuen Strategie: HPE sieht die hybride Cloud für die nächsten Jahre als die dominierende Infrastruktur für die Unternehmens-IT und richtet sich entsprechend aus. „Eine aktuelle Studie von 451 Research zeigt: Nach wie vor gehen je nach Branche zwischen 70 und 80 Prozent der Investitionen in die Private Cloud, der Rest geht in die Public Cloud. Darauf richten wir uns aus!“, begründet Bill Hilf, Senior Vice President und General Manager HPE Cloud den Schritt.

Praktisch bedeutet das, dass HPE ein möglichst vollständiges Produkt-, Lösungs- und Dienstleistungsspektrum anbieten wird, um Kunden bei ihrer Migration in eine solche IT-Umgebung zu unterstützen.

Azure ist immer dabei

HP hat sich vorläufig von der Vorstellung verabschiedet, selbst Public-Cloud-Infrastruktur als Provider zu vermarkten. Stattdessen setzt das Unternehmen auf enge Zusammenarbeit mit den einschlägigen Anbietern. Die ohnehin enge Zusammenarbeit mit Microsoft vertieft HPE beim Thema Cloud weiter. So wird zukünftig jeder Server von HPE, der an Kunden ausgeliefert wird, für die Azure-Nutzung vorbereitet sein.

HPE bezeichnet das als „bevorzugte Partnerschaft“ (pefered partnership). Das lässt die von HPE immer wieder behauptete eigene Neutralität gegenüber den Cloud-Service-Providern zweifelhaft erscheinen.

Zurück zum Produktspektrum: Für die „selbst gebaute“ Seite der Unternehmens-IT hat HP etwa Version 2.0 von „Helion Open Stack“, eine gehärtete und um geschäftsrelevante Eigenschaften angereicherte Variante, im Programm. Neu daran ist etwa das Lebenszyklus-Management mit Rolling Updates und kontinuierlichem Patching.

HPE Discover Nummer 1
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Mit Hilfe der „Helion Dev Platform“ will der Hersteller die Entwicklung neuer Cloud-native-Applikationen durch Anwenderunternehmen beschleunigen. „Helion Eucalyptus“ erlaubt die Nutzung von AWS-Services direkt auf der Private-Cloud-Infrastruktur. „HPE Helion Cloud System“, die Software-Infrastruktur für Cloud-Systeme von HPE ist inzwischen in Version 9 erhältlich.

Synergy - „Infrastructure as Code“

Bei den hochintegrierten Systemen gab es einen Paukenschlag: Unternehmen, die auf dem Weg in die Cloud sind, müssen oft traditionelle, relativ starre Anwendungen neben hochdynamischen Native Cloud Apps betreiben. Für diese „bimodale“ IT stellt HPE die neue, hochintegrierte Infrastrukturplattform „Synergy“. vor. Sie dürfte mittelfristig die sogenannten Convergent-Infrastructure-Systeme des Herstellers ablösen.

Diese Prinzipien haben zur Entwicklung von "Synergy" geführt.
Diese Prinzipien haben zur Entwicklung von "Synergy" geführt.
(Bild: HPE)

Synergy hat einige zentrale Neuerungen. Die wohl wichtigste: Mit Hilfe vor Applikations-Templates können Administratoren jeder Anwendung mittels nur einer einzigen Befehlszeile die nötige Infrastruktur (Server, Speicher, Connectivity) zuweisen. Wächst die Applikation, skalieren die Ressourcen automatisch.

Das System muss vom Anwender nicht konfiguriert werden, sondern ist laut HPE sofort nach dem Booten arbeitsfähig. Wird eine Applikation nicht mehr benötigt, landen davon belegte Komponenten automatisch wieder im allgemeinen Pool und lassen sich anderweitig verwenden.

Statt langwieriger Integration: Eine Codezeile, die auf zuvor definierte Muster zugreift. Die Muster enthalten quasi einen Plan für den Zugriff auf Ressourcen: Compute-Power, Storage und Fabric.
Statt langwieriger Integration: Eine Codezeile, die auf zuvor definierte Muster zugreift. Die Muster enthalten quasi einen Plan für den Zugriff auf Ressourcen: Compute-Power, Storage und Fabric.
(Bild: HPE)

Patterns und eine Befehlszeile

Das Deployment einer App dauert laut HPE damit nur noch drei Minuten. Auf Synergy können physische, virtualisierte und Container-Apps gleichzeitig laufen. Wie alle anderen Server kommen die Systeme Azure-ready. „Mit Synergy realisieren wir eine völlig neue Anwendererfahrung“, versprach Paul Miller, Vice President Marketing HPE Convergent Datacenter Infrastrucutre. HP spricht von „Infrastructure as Code“.

Derzeit besteht Synergy aus Ein-Rack-Systemen, die jeweils in vier (2*2) Frames unterteilt sind. Jeder Frame enthält Server- und Festplattenmodule in beliebiger Kombination sowie entweder ein Composer oder ein Image Streamer, in jedem Rack stecken also redundante Composer und Image Streamer.

"Das ist das Rack!"
"Das ist das Rack!"
(Bild: Ostler)

Der Composer stellt die einzelnen Infrastrukturkomponenten wie vom Template angefordert zusammen, der Image Streamer hilft, Standard-Images zu personalisieren und zu individualisieren. Alle im System vorhandenen Komponenten kommunizieren über eine zentrale Swiching-Backbone mit Terabit-Kapazität, die Top-of-Rack-Switches überflüssig macht.

Bald, aber nicht allzu bald

Auf den Einsatz photonischer Verbindungen und von Memristoren ist Synergy vorbereitet, es war jedoch in London nicht zu erfahren, wann mit diesen Technologien zu rechnen ist. Einige Prototypen von The-Machine-Komponenten, etwa eine rein optische Switching-Matrix, gab es aber im Lab-Bereich der Show zu sehen.

Der Speicher der Synergy-Frames lässt sich beliebig den vorhandenen x86-Recheneinheiten zuweisen – derzeit innerhalb des Racks, später über fünf Racks hinweg, die gleichzeitig die physikalische Skalierungsgrenze des Systems bilden.

HPE Discover Nummer 1
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Cloud - mehr oder weniger privat

Die nicht selbst erbrachte Seite der Unternehmens-IT unterstützt HPE durch verschiedene Varianten: das Multi-Tenant-Angebot „HPE Virtual Private Cloud“, das verschiedene IaaS-Provider als Basis ihrer Angebote nutzen, sowie die vom Dienstleister statt vom Anwenderunternehmen gemanagte „HPE Managed Private Cloud“. Mit seinen Helion-Partnern arbeitet HPE unter anderem im „Helion Network“ zusammen.

Unternehmen, die hybride Infrastrukturen betreiben, will HPE durch den „Managed Cloud Service Broker“ helfen. Der Dienst wird von allen, also auch den europäischen HPE-Rechenzentren angeboten, zuerst in einem Frankfurter Rechenzentrum. Mit ihm können CIOs, die von ihnen genutzten Cloud-Ressourcen administrieren. Das schließt das Finanz-Management ein, also die Kostenzuweisung, -begrenzung und -überwachung.

HPE steigt in IoT ein und kommt mit Produkten

Ein weiteres Beispiel dafür, wie HPE unternehmensinterne und Cloud-Infrastruktur immer stärker verzahnt, ist IoT. Für diesen Bereich hat HPE inzwischen eine 100 Mitarbeiter starke eigene Abteilung unter der Leitung von Tom Bradicich gegründet. Andere Unternehmensbereiche arbeiten zu. Mit Produkten hinkt man allerdings Cisco und auch Dell hinterher.

HPE Discover Nummer 1
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Immerhin gab es auch der Discover die ersten Ankündigungen: Basierend auf Aruba-Know-how bringt HPE im ersten Quartal 2016 den drahtlosen Sensor „AS-100“auf den Markt, der Daten als bisher einziges Produkt über heterogene WLANs hinweg an den zentralen „Meridian“-Auswertungsservice liefert. Dieser ist ebenfalls eine Aruba-Entwicklung.

Dazu kommen zwei mit eigenen Rechenressourcen ausgestattete Gateways, die Daten mit ihnen drahtlos verbundener Sensoren einsammeln und Aktoren Handlungsbefehle schicken können: „EL10“ und „EL20“. Sie sind für raue Umgebungen, also den Außen- oder Industrie-Einsatz, ausgerüstet. Weitere, rechenstärkere Produkte aus der Serie sollen folgen.

Ihre Infrastrukturbasis wird „Moonshot“ sein. Die Auswertung der Daten erfolgt zunächst mit dem hauseigenen Tool „Vertica“. Außerdem sind die Gateways für die Zusammenarbeit mit dem Cloud-Service „Microsoft Azure IoT“ zertifiziert, was einmal mehr die immer engere Kooperation der beiden Anbieter unterstreicht. Für die IoT-Services von Cisco oder AWS gibt es kein Pendant.

Rund 13.000 Teilnehmer z#hlte die erste Hausmesse und Konferenz von Hewlett Packard Enterprise.
Rund 13.000 Teilnehmer z#hlte die erste Hausmesse und Konferenz von Hewlett Packard Enterprise.
(Bild: Ostler)

Die Bewertung der Autorin:

Es bedarf keiner großen Phantasie, sich auszumalen, dass HPE bei einem weiteren Ausbau der Serie den etablierten Anbietern von digitalen Industriesteuerungen, etwa Siemens, in den Weg geraten könnte. Und auch die Idee, HPE könnte in einiger Zeit mit Microsoft fusionieren, erscheint angesichts der Cloud-Symbiose der beiden Giganten nicht allzu weit hergeholt. Schließlich haben beide Unternehmen durch disruptive reine Cloud-Player, die ihre eigenen Infrasturukturvorgaben ohne Rücksicht auf alte Zöpfe entschlossen durchsetzen, also insbesondere AWS und Google, reichlich zu verlieren.

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