RI-Solution feiert Erfolge nach Migration auf HP-Systeme HP vervierfacht bei der BayWa die SAP-Leistung bei stabilen Kosten

Redakteur: Ulrike Ostler

SAP, DB2 und „HP-Itanium-Rechner sind die Ingredienzien für ein erfolgreiches Migrationsprojekt von RI-Solution, IT-Tochter der BayWa AG und der RWA AG. Die Systeme für den Handels- und Dienstleistungskonzern waren bis dahin auf einer virtualisierten Unix-Host-Architektur mit mehreren logischen Partitionen gelaufen und die Daten auf einer Oracle-Datenbank gespeichert.

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RI-Solution bietet dem verschiedenen Unternehmensbereichen des BayWA-Konzerns SAP als (Cloud)-Dienstleistung an. Jetzt laufen die Anwendungen auf verschiedenen HP-Blades unter einem Management. Bild: RI-Solution
RI-Solution bietet dem verschiedenen Unternehmensbereichen des BayWA-Konzerns SAP als (Cloud)-Dienstleistung an. Jetzt laufen die Anwendungen auf verschiedenen HP-Blades unter einem Management. Bild: RI-Solution
( Archiv: Vogel Business Media )

Das Migrationsprojekt gehört in den Zusammenhang der umfassenderen Aufgabe, die Hanns-Gunter Weber, der bei RI-Solution dafür Verantwortliche, „IT-Architektur@2010+“ nennt. Hier wurde und wird die komplette zentrale IT-Systemumgebung des BayWa-Konzerns bis 2014 betrachtet.

Wie die BayWa AG so ist auch ihre österreichische Beteiligung RWA, die Raiffeisen Ware Austria AG, auf kontinuierliches Wachstum ausgerichtet. Zugleich ist es ein Grundsatz beider Unternehmen, die Effizienz der Geschäftsprozesse kontinuierlich zu verbessern. Um dieses Ziel langfristig zu unterstützen, wurde die Entwicklung der IT-Landschaft 2009 mit Weitblick geplant.

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Dabei nahm RI-Solution einen tiefgreifenden Modernisierungsschritt in Angriff, als bei den SAP-Systemen der Release-Wechsel von Version ECC 5.0 auf ECC 6.0 anstand. Doch die IT-Systeme des BayWa-Konzerns sind eng miteinander verzahnt.

Kein Stillstand erlaub

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Doch das Ziel waren zusätzliche, neue Merkmale gegenüber heute: Dazu gehört eine Leistungs-und Kapazitätssteigerung von mehr als 80 Prozent bis 2014. Zudem wollte RI-Solution Schattendatenbanken für alle produktiven SAP-Systeme und mindestens 20 Prozent SAP Performance-Gewinn, sowie proaktive Services durch einen oder mehrere Dienstleister. Angestrebt werden auch ein 10facher Netzdurchsatz sowie eine konsolidierte Storage-SAN-Plattform.

Die Projektverantwortlichen entschieden sich dafür, mit dem SAP-Upgrade zugleich die Hardware-Infrastruktur komplett zu modernisieren. Nur so ließen sich die langfristigen Anforderungen an die Performance erfüllen lassen, erläutert Weber die damalige Haltung.

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Ausschreibung und Anforerungen

Wie in der IT-Branche zunehmend üblich, schrieb der Anwender für die Hardware keine konkreten Systeme aus, sondern gab den Anbietern lediglich Leistungswerte vor, die das Gesamtsystem nach der Modernisierung erbringen sollte. Die Aufgabe, ein Architekturkonzept für die neue Hardware-Landschaft zu entwerfen, lag damit bei den anbietenden IT-Unternehmen.

Obwohl sich die Leistungsfähigkeit der SAP-Infrastruktur um den Faktor vier steigen sollte, durften sich die IT-Kosten nicht erhöhen. Daher durfte sich vor allem der Aufwand für das Management der Systeme nicht erhöhen. Denn langfristig sollte die gleiche Anzahl von IT-Mitarbeitern in der Lage sein, diese Aufgabe zu bewältigen, selbst bei der enormen avisierten Steigerung der Leistungsanforderungen an die Systeme.

Für den Anbieter HP bestand deshalb ein wesentliches Ziel der Modernisierung darin, die heterogene Hardware-Landschaft zu vereinheitlichen und so die Betriebs- und Service-Prozesse zu vereinfachen. Aus demselben Grund beschloss RI-Solution, bei den Server-Systemen nur noch auf einen einzigen Anbieter zu setzen.

Zwei-Klassen-Anwendungen und -Hardware

Wie bei vielen Unternehmen werden die SAP-Systeme von BayWa und RWA wegen der höheren Verfügbarkeit und Ausfallsicherheit auf Unix-Servern betrieben. Die so genannten „non-critical“ Systeme hingegen laufen auf x86-Rechnern. Der Betrieb heterogener Systeme machte bislang aber den Einsatz unterschiedlicher Management-Tools erforderlich und setzte beim IT-Personal unterschiedliche Qualifikationen voraus.

Nach Evaluierung der Angebotskonzepte entschied sich RI-Solution für die Offerte von HP. Nicht zuletzt überzeugte den Kunden das Leitkonzept „Converged Infrastructure“, das dem HP-Angebot zu Grunde lag.

Davon versprachen sich die Projektplaner einen entscheidenden Beitrag zur Vereinheitlichung ihrer Infrastruktur. Denn damit kann HP die Mission-Critical-Systeme und Industriestandard-Server in eine Infrastruktur einbinden, so dass sie sich mit denselben Werkzeugen administrieren lassen.

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Die SAPS auf konvergenten Systemen

Das HP-Konzept basiert auf einer einheitlichen Blade-Technologie – vom „Proliant“-Server über „Integrity“-Systeme bis zu „Superdome“. Das setzt die Verwendung möglichst vieler gleichartiger Komponenten und ein durchgehendes Management-Konzept voraus. Die Hardware-Ressourcen lassen sich mit einem einzigen Werkzeug, „HP Systems Insight Manager“ (SIM), überwachen und steuern.

Wie Weber ausführt, habe HP nicht nur die geforderte Vereinheitlichung der Gesamtinfrastruktur eingelöst, sondern auch ein schlüssiges Konzept für die Systemplattform vorgelegt, auf der die SAP-Anwendungen laufen sollten. Zugleich ging HP die Verpflichtung ein, alle von RI-Solution für den fünfjährigen Planungshorizont definierten Leistungswerte zu erreichen.

Der SAPS-Wert (SAPS = SAP Application Performance Standard) der von RI-Solution betreuten Systeme lag vor Projektbeginn bei 160.000. Nach der Modernisierung sollte sich die Leistung auf mindestens 275.000 SAPS steigern lassen. Gleichzeitig sollten sich die Antwortzeiten der Applikationen für die Nutzer um 20 Prozent verkürzen, und das trotz SAP-Release-Wechsel und Unicode-Migration.

Flexibilität durch Scale-out-Architektur

Das HP-Konzept für die SAP-Infrastruktur bedeutete einen Bruch mit dem Bestehenden. Denn für die Systeme, die RI-Solution bis dahin auf einer virtualisierten Unix-Host-Architektur mit mehreren logischen Partitionen betrieb, schlug HP eine so genannte Scale-out-Lösung vor: Das Gros der SAP-Systeme sollte auf eine Vielzahl dedizierter Unix-Blades der Integrity-Baureihe migriert werden.

Letztlich stach HP damit ein Gegenkonzept aus, das RI-Solution ebenfalls evaluiert hatte. Dieses Konzept zielte in Richtung Scale-up und hätte die Host-Logik mit vergleichsweise aufwändigen Unix-Maschinen fortgeschrieben.

Ein entscheidender Pluspunkt für HP waren die Kosten. „Technisch hätten beide Konzepte funktioniert“, räumt Weber, der Leiter IT-Infrastruktur bei RI-Solution, ein. „Bei den Service-Kosten hat sich das HP-Angebot jedoch signifikant von dem Alternativkonzept unterschieden.“

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Scale-up durch Scale-ou

Wie der Manager erläutert, hätte das Unternehmen bei einem Scale-up-Ansatz wesentlich mehr Geld in hochwertigen Service investieren müssen. Denn der Ausfall des zentralen Host-Systems hätte weitaus größere Auswirkungen als ein Störfall in einer dezentralen Scale-out-Architektur. Der Anwender wäre auf einen hochwertigen Service angewiesen, der bei Störfällen extrem schnell reagiert und entsprechend teuer ist.

Weil bei Scale-out dagegen die Last auf mehrere kleine Systeme verteilt wird, ist das Risiko breiter gestreut. Selbst wenn Hardware großflächig ausfiele, wäre RI-Solution immer noch in der Lage, einige Blade-Server in ein funktionierendes Enclosure zu stecken und geschäftskritische Produktivsysteme wieder hochzufahren.

Das Unternehmen ist aber nicht zwingend darauf angewiesen, dass die Störung der Hardware unverzüglich behoben wird. Dadurch spart es Service-Kosten.

Pluspunkt: Gesamtkosten

Auch für ein ungeplantes Wachstum sah RI-Solution Vorteile im Scale-Out. In der Vergangenheit war das Unternehmen mit den Lastanforderungen schon an die Grenzen monolitischer Systemen gestoßen. Das hatte mehrere hohe Investition in neue Großsysteme zur Folge.

In dem HP-Angebot sieht Weber die Chance, die Infrastruktur granular hochzurüsten. Zudem könne RI-Solution bei der Wartung mit einer Vielzahl von Blades, die sich zwischen mehreren Enclosures umstecken lassen, flexibler agieren, sagt er. Wenn ein Host-System zu Wartungszwecken heruntergefahren werde, stünden alle Applikationen still.

„Wir hatten die Wahl zwischen zwei grundlegend unterschiedlichen Architektur-Konzepten“, resümiert Weber. „Beim Vergleich der Gesamtkosten hat sich das HP-Angebot als wirtschaftlich überlegen erwiesen und uns so überzeugt, dass wir das Risiko des Anbieterwechsels für unsere SAP-Systemlandschaft eingegangen sind.“Um das Risiko zu senken, verpflichtete RI-Solution HP als Generalunternehmer für die Migration der SAP-Landschaft

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SAP- und Nicht-SAP-Systeme auf Blades umgestellt

Die SAP-Datenbank- und –Zentralinstanz-Server laufen jetzt auf 32 Integrity-Blades. Parallel dazu wurden die Nicht-SAP-Systeme von 196 älteren HP-Servern, die meisten davon Rack-Server, auf 131 Blades der neusten HP Proliant-Generation migriert und mit weiteren SAP-Applikationsservern auf Basis Proliant/Linux in die gemeinsame Blade-Landschaft integriert (siehe: Abbildung 2).

Das BayWa-SAP-Retail-ERP-System, von den Lastanforderungen her eines der größten SAP-DB2-Retail-Systeme weltweit, wurde ebenso wie das Business Warehouse auf zwei hochverfügbar ausgelegte High-end-Maschinen der Baureihe HP Superdome 2 installiert. Wegen der extrem großen Workloads und der immensen Mengen zu verarbeitender Daten bot sich in beiden Fällen das Unix-Flaggschiff des Herstellers an.

Problem mit DB2

Verunsichert hat das Migrationsteam allerdings die verspätete Einführung der „Itanium“-Prozessoren von Intel, die unter dem Codenamen „Tukwila“ bekannt sind. Bei RI-Solution fragte sich so manch einer, ob die Entscheidung für HP wohl die richtige gewesen war. Weber bekräftigt, dass die jetzige Roadmap von Intel für Itanium und von HP-für Itanium-basierte Rechner und Unix ihn beruhige.

Als Zeitpunkt für die Migration wählte das Projektteam die Feiertage, weil zu dem Zeitpunkt nur etwa 40 Prozent der üblichen Last auf dem BayWa-System liegen. Eine sehr große Herausforderung meisterte dabei eine Taskforce aus SAP, HP, IBM und RI-Solution, als es nach dem Produktivstart der größten SAP-DB2-Datenbank-Instanzen auf HP-UX zu massiven Performance-Einbrüchen und zeitweise sogar zu Stillständen kam.

Obwohl die IBM-DB2-Datenbank auf HP-UX mit SAP zertifiziert ist, gab es unter Hochlastbedingungen diese unerwarteten Probleme. Die Ursachen für die Leistungseinbrüche wurden schließlich in den Labors gefunden und in zahlreichen SAP-Hinweisen veröffentlicht.

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Verspätung und endlich Einheit

Wenn auch verspätet, so erreichte RI-Solution mit dem Projekt doch alle gesetzten Ziele. Vor allem gelang es, die Betriebs- und Service-Prozesse wie geplant zu vereinheitlichen. Doch Der Qualitätsgewinn geht über das Monitoring weit hinaus.

„Durch die stärkere Standardisierung hat sich auch die Aktualität der Systeme, was Firmware, Patches und Ähnliches angeht, deutlich erhöht“, zählt Weber einen weiteren Nutzen auf. In allen Bereichen einheitlich auf HP-Technologie zu setzen, vereinfache zudem das Change- und Problem-Management und ermögliche eine optimale Ressourcen-Nutzung. „Unserem Ziel, höchstmögliche Verfügbarkeit durch proaktives Management, schnellere Fehleridentifikation und schnellere Wiederherstellung nach einem Fehlerfall sicherzustellen, sind wir mit dem Projekt ein gutes Stück näher gekommen.“

Der Dienstleitungsvertrag

Für einen möglichst störungsfreien Betrieb sorge überdies das Service-Konzept, das RI-Solution mit HP vereinbarte. Der Dienstleister sichert die Infrastruktur mit den HP Critical Services gegen Ausfallzeiten ab. Das Modell basiere darauf, dass der Support nicht erst im Störfall reagiert, sondern potenzielle Fehlerquellen so weit als möglich schon im Vorhinein ausschließe und so die Risiken minimiere.

Darüber hinaus verfolge HP einen ganzheitlichen Ansatz, der nicht nur technische Aspekte berücksichtige, sondern auch Prozesse und Menschen in die Betrachtung einbeziehe.

Verbesserung der SAP-Antwortzeiten um bis zu 30 Prozent bei weniger Energieaufnahme

Aber nicht nur die angestrebte Standardisierung der Betriebs- und Service-Prozesse wurde mit dem Projekt erreicht. Auch die Vorgaben in puncto Performance erfüllt die neue Infrastruktur. Allein die Antwortzeiten der SAP-Anwendungen verbesserten sich durchgehend um 20 Prozent, teilweise sogar um 30 Prozent, was zurückzuführen ist auf die Scale-Out-Architektur der SAP-Dialog-Instanzen auf Basis von x86-Blades sowie die I/O-Leistung und die Single-Core-Performance der Integrity-Systeme.

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An einer Stelle spare RI-Solution sogar Geld. Weil die neuen Server, insbesondere die Blade-Systeme, deutlich Energie-ffizienter arbeiteten als die älteren Rack-Server, sank der Stromverbrauch für den Betrieb des IT-Equipments und für Klimatisierung um 20 Prozent. Das entspricht einer Ersparnis von 25.000 Euro pro Jahr.

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