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Das Netzwerk der Zukunft ist flach HP-Networking-Experte Hausmann: „Software-Netze sind einfach genial“

| Redakteur: Ulrike Ostler

Andreas Hausmann ist seit 23 Jahren bei HP und ein ausgewiesener Networking-Experte. Nun hat er eine Reihe von Artikeln verfasst, die beschreiben, wie Virtualisierung auch die Netzwerke umkempelt. Das Interview, in dem Hausmann sehr engagiert und beherzt antwortet, macht Spaß und neugierig, auch auf die kommenden Fachartikel.

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Andreas Hausmann, Networking-Experte bei HP: "Wir brauchen dynamische Netze und eine epochale Veänderung."
Andreas Hausmann, Networking-Experte bei HP: "Wir brauchen dynamische Netze und eine epochale Veänderung."
(Bild: DataCenter-Insider)

Alles wird neu, wenn wir über Networking reden?

Andreas Hausmann: Wir diskutieren seit über 15 Jahren dieselben Dinge. STP, Gigabit und BGP, alles Dinge, die sich nicht verändert haben. Wir können schneller und günstiger, aber einen wirklichen epochalen technologischen Quantensprung haben wir im Netzwerk nicht gemacht. Das Drei-Stufen-Modell mit Core, Distribution und Access ist nach wie vor DAS Konzept.

Alles sehr statisch und von wirklicher Redundanz keine Spur. Bei den Server und Storage Kollegen ist das völlig anders. Hier sehen wir, wie die Virtualiserung Einzug hält.

Momentan geht man weg von den „Pizza-Boxen“ hin zu den Blade-Servern. Mit ihnen kann man wunderbar virtualsieren.

Storage ist hier ebenfalls schon angekommen. Ich kaufe heute ein Blade Enclosure und kann es wahlweise mit Server oder Storage Komponenten füllen. Sehr flexibel und dynamisch.

HP hat vor vier Jahren die „Converged Infrastructure“ als Strategie ins Leben gerufen. Heute hat jeder große Hersteller dieses Thema aufgegriffen und liefert Lösungen dazu. Nur die Netzwerker sind im Jahr 1998 stehen geblieben.

Dass das nicht wirklich innovativ ist, muss ich ja nicht betonen. Also, wie kann es weiter gehen?

Warum kann sich das ändern?

Andreas Hausmann: Im Jahr 2007 hat die Stanford Universität mit Unterstützung von HP sich Gedanken gemacht, wie man dem Netzwerk Dynamik einhauchen kann. Die Grundidee war die, dass man die Hardware von der Software trennen muss.

Das Internet ist einfach, das IP Protokoll ist einfach, Ethernet ist einfach und ein Switch ist in seiner Grundidee ebenfalls sehr einfach. Wenn man einen Switch aufmacht und hineinschaut, dann kann er grundlegend einmal drei Dinge mit einem Paket tun: Er kann es weiterleiten, vervielfältigen oder verwerfen. Das ist es.

Nun aber kommen wir mit den vielen Services, die ein Switch oder Router erledigen soll. Und damit machen wir ihn komplex, statisch und langsam. Das ist das Problem. Stanford hat nun die Idee, die Intelligenz aus dem Switch in einen Controller zu packen und diesen für all die Regeln im Netzwerk verantwortlich zu machen.

Das Konzept „Software Defined Network“ (SDN) ist damit geboren. Es gibt eine Dataplane (der Switch) und eine Controlplane (der Controller). Dazwischen arbeitet das Protokoll OpenFlow und verrichtet die Kommunikation zwischen Dataplane und Controlplane. Das ist im Wesentlichen SDN.

Wie muss das „Netzwerken“ in Zukunft aussehen?

Andreas Hausmann: Flach! Ganz im Ernst. Ein großes Industrie-Unternehmen in Deutschland sagte mir einmal: Herr Hausmann, wir hätten gerne für unsere 400.000+ Mitarbeiter ein flaches Layer 2 Netz. Aber die geforderten Dienste erlauben es nicht. Wir müssen ein komplexes L3-Netz bauen.

Will sagen: Die Unternehmen leiden sehr unter der Statik und Komplexität der Netzwerke. Und genau hier wird SDN helfen. Ganz große Unternehmen wie AT&T und Google, Amazon haben schon umgestellt.

Ist jetzt SDN schon für den breiten Massenmarkt?

Andreas Hausmann: Nein, absolut nicht. Und das wird auch noch eine Weile dauern. Wir haben hier große Hürden zu überwinden. Erstens müssen viele Funktionalitäten der alten Netze auf SDN portiert werden. Es wird wahrscheinlich verschiedene Controller geben – etwa einen für das RZ, einen für den Campus.

Zweitens muss diese Revolution im Netzwerk die Hürde der ‚Bewahrer‘ überwinden. Gehen Sie mal zu einem CCIE zertifizierten Mitarbeiter und sagen ihm, dass seine Expertise in der Form nicht mehr gebraucht wird, weil jetzt alles einfacher wird - …

So einen Umschwung hatten wir, als die Telefonie auf IP umgestellt wurde. Die, die innovativ dachten, sind mitgegangen und haben heute noch einen Job, und die, die sich dagegen gestellt haben, nun ja, ich weiß nicht, wo die sind.

Und die gleiche Entwicklung werden wir im Netzwerk erleben. Jedoch wird der Marktführer nicht so kampflos seine teure Strategie umwerfen und einfach auf „OpenStack“ und Open Source wechseln.

Ein weitere Punkt wird das Thema ‚Cloud‘ sein. Wir brauchen hier dynamische Netze. Wir brauchen für Morgen epochale Veränderungen. Überlegen wir doch mal, was es bedeutet, wenn jedes Smartphone eine IP Adresse hat, oder wie BMW plant, jedes Auto 30 davon. Wer will das beherrschen?

Das Zusammenwachsen von Server-Storage und Netzwerk bringt ganz andere Herausforderungen. Wir müssen in Zukunft I/O managen! Wir müssen die Risiken der Cloud-Dienste abschätzen! Wir werden Logistiker brauchen! Die IT wird sich mit ganz anderen Themen beschäftigen als bisher. Denn wir alle wissen: die Hardware kann das, was in Zukunft kommt, schon lange. Die Software aber noch nicht.

Wie siehtder Wechsel zum Software Defined Network aus?

Den Anfang werden die großen Konzerne machen. Dann die Enterprise Kunden. Der Mittelstand und die kleineren Betriebe habe da sicher noch Zeit, da es sich für sie einfach noch nicht rechnet.

Viele Mittelständler arbeiten noch auf XP und produzieren hohe Qualität. Ihre Kernkompetenz ist nicht abhängig von der IT. Ein großes Investment hier würde sich noch nicht auszahlen.

Auf der Veranstaltung "Virtualisireung und Cloud-Computing Technology Computing Days" konnten Besucher Andreas Hausmann als Rferenten hören. Er begeisterte er sein anspruchsvolle Publikum mühelos und erhilet dafür eine Auszeichnung. Seine Fachkompetenz hat er sich in seiner 23-jährigen Karriere bei HP und zuvor im Studium der Feinwerktechnik an der FH Esslingen angeeignet.
Auf der Veranstaltung "Virtualisireung und Cloud-Computing Technology Computing Days" konnten Besucher Andreas Hausmann als Rferenten hören. Er begeisterte er sein anspruchsvolle Publikum mühelos und erhilet dafür eine Auszeichnung. Seine Fachkompetenz hat er sich in seiner 23-jährigen Karriere bei HP und zuvor im Studium der Feinwerktechnik an der FH Esslingen angeeignet.
(Bild: DataCenter-Insider)

Was SDN angeht, so stehen wir hier am Anfang und sind Zeuge einer großen Umwälzung. Wenn wir später zurückblicken, können wir sagen: „Wir waren dabei.“ Das wird eine epochale Veränderung.

Die großen Hersteller kommen langsam in Fahrt, wir von HP sind es schon. Aber es werden auch neue Player hinzukommen. Ein Beispiel sei hier genannt: VMware hat schlappe 1,2 Milliarden Dollar investiert - in eben jene kleine Firma, die das SDN Konzept entwickelt hat. Dieser Schachzug war genial und hat die Welt wachgerüttelt.

Als wir vor zwölf Monaten Vorträge über SDN hielten, wurden wir belächelt. Selbst im März dieses Jahres, auf einem Beraterkongress ernteten wir nur Kopfschütteln. 100-Gigabit-Netze waren spannender als SDN, und sind wir mal ehrlich: 100-Gigabit-Netze braucht momentan kein Mensch.

Wir brauchen intelligente und schlanke, dynamische Netze. Das ist die Zukunft.

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