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Akquisitionsstrategie Host Europe positioniert sich als Vollsortimenter

| Redakteur: Michael Hase

Die Host Europe Group (HEG) hat sich durch strategische Zukäufe verstärkt. Mit der jüngsten Akquisition, dem Hürther Mitbewerber Intergenia, baut der Provider seine Managed-Hosting-Services aus. HEG-Chef Patrick Pulvermüller nähert sich damit seinem Ziel, ein „vollumfängliches“ Portfolio von der einfachen Domain bis zum komplexen Portal bereitzustellen.

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Patrick Pulvermüller, CEO von Host Europe, möchte künftig mehr Geschäft über Partner machen.
Patrick Pulvermüller, CEO von Host Europe, möchte künftig mehr Geschäft über Partner machen.
(Bild: Host Europe)

Bei der Bereinigung des fragmentierten Hosting-Markts gehört Host Europe zweifellos zu den Akteuren. Drei namhafte Mitbewerber hat die britische Gruppe, die rund 40 Prozent ihres Geschäfts in Deutschland macht, in den vergangenen anderthalb Jahren geschluckt.

Zuletzt kaufte das Unternehmen Ende 2014 die Hürther Intergenia-Gruppe, zu der Marken wie „PlusServer“, „Serverloft“, „Server4You“ und „Unmetered.com“ gehören. Im September 2013 hatte der Hosting-Konzern bereits Telefónica Online Services (TOS), eine Münchner Tochter des spanischen Telco-Riesen, und im Oktober desselben Jahres den Münchner Mitbewerber Domainfactory übernommen.

Mit ihrer Akquisitionsstrategie verfolge die Gruppe das Ziel, ein „vollumfängliches Hosting-Portfolio“ aufzubauen, das von der einfachen Domain bis zur komplexen Portal- oder E-Commerce-Lösung reiche, erläutert Patrick Pulvermüller, CEO der Host Europe Group (HEG), im Gespräch mit IT-BUSINESS. „Die Klammer über allem bildet die Web-Technologie, auf deren Basis in einigen Jahren 80 bis 90 Prozent aller Applikationen betrieben werden.“

„Renaissance der dedizierten Server“

Intergenia ist nach Pulvermüllers Worten in dreierlei Hinsicht eine sinnvolle Verstärkung der HEG. So profitiere der Bereich Managed Hosting durch die Fähigkeit der Hürther, dedizierte Server-Leistungen bereitzustellen. „Wir erleben im Markt gerade eine Renaissance der dedizierten Systeme“, beobachtet der Konzernchef.

Mit Tools wie „Chef“, „Puppet“ oder „Salt“ können man inzwischen dedizierte Server mit fast der gleichen Geschwindigkeit und Flexibilität bereitstellen, wie das mit virtuellen Maschinen möglich sei. Knapp 25.000 Server-Systeme hat die Gruppe durch die Akquisition hinzugewonnen und kommt nun insgesamt auf 70.000 physische Server und mehr als 150.000 virtuelle Maschinen.

Zum zweiten trägt Intergenia zur weiteren Internationalisierung von Host Europe bei. Denn der rheinische Hoster erzielte zuletzt 57 Prozent seines Umsatzes im Ausland, wobei es in den Kernmärkten Österreich, Schweiz und UK nur wenig Überschneidungen mit der HEG gab.

Zum dritten hat die Gruppe durch den Zukauf, wie Pulvermüller betont, ein „hervorragendes Management-Team“ hinzubekommen. Intergenia-Geschäftsführer Thomas Strohe leitet künftig bei Host Europe den Bereich Managed Hosting.

Darüber hinaus hat Intergenia bislang die WorldhostingDays im Europapark Rust veranstaltet. Bei Host Europe werde sich künftig ein eigenes Team um das Event kümmern und es „separat vom Kerngeschäft halten, damit es seine Neutralität behält“, kündigt der CEO an. Die HEG werde die Veranstaltung unterstützen, aber zu den gleichen Bedingungen wie alle anderen Sponsoren auch.

Skalierungs-Know-how

Der Intergenia-Zukauf fügt sich Pulvermüller zufolge nahtlos in die Akquisitionsstrategie des Managements ein. Demnach rundete die Gruppe mit der Übernahme der TOS vor anderthalb Jahren „das Portfolio nach oben hin ab.“ Im Bereich Managed Hosting fehlte Host Europe bis dahin „ein gewisses Know-how in puncto Skalierung“.

Diese Lücke habe die Telefónica-Tochter geschlossen, die ProSiebenSat.1, Spiegel Online und Zalando zu ihren Kunden zählt. „Wir haben ein technisch enorm gutes Team gewonnen, das in der Lage ist, nahezu jegliche Skalierungsanforderung zu erfüllen.“ Das zugekaufte Unternehmen tritt inzwischen als Host Europe Solutions auf.

Dagegen war die Übernahme von Domainfactory wichtig für das Massenhosting-Geschäft mit Consumern sowie mit Small und Home Offices. Den Ausschlag für den Zukauf habe die Service-Orientierung des Münchner Hosters gegeben, führt Pulvermüller aus. Für Kunden mit geringen IT-Vorkenntnissen sei die Ansprache durch Host Europe zu technisch. „Zum Bäcker oder zum Friseur um die Ecke können Sie nicht sagen ‚Nimm einen VPS mit i7-Core, 2 Gigahertz und IOPS von 10.000!‘“ Nach der Übernahme von Domainfactory werde diese Klientel gezielt durch Assisted Services unterstützt.

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