IDC-Prognosen für 2019 und darüber hinaus

Heftige Umbrüche in der IT-Branchenzukunft

| Autor: Heidemarie Schuster

Das IDC FutureScape beschäftigt sich mit der Zukunft der IT.
Das IDC FutureScape beschäftigt sich mit der Zukunft der IT. (Bild: Pixabay)

Die Marktforscher von IDC wagen in ihrem „FutureScape“ einen Blick in die Zukunft und sagen voraus, dass bis 2023 fast jedes Unternehmen in einer zunehmend digitalisierten Weltwirtschaft ein „Digital Native“ sein wird. Zudem zeigt die Prognose, was den IT-Markt in den kommenden fünf Jahren vorantreiben soll.

In den vergangenen Jahren hat die Digitalisierung Einzug in die Unternehmen gehalten, indem auf Technologien wie Cloud, Smartphone-Apps, Big Data & Analytics sowie Social Media und Innovationstreiber wie das Internet der Dinge (IoT), künstliche Intelligenz (KI) sowie Augmented and Virtual Reality (AR/VR) gesetzt wurde. Laut IDC wurde unlängst in der Digitalen Transformation die zweite Phase eingeläutet.

Die Entwicklung gewinnt weiter an Geschwindigkeit, da Unternehmen „Innovationswellen“ starten, die die Digitalisierung in neue Bereiche hineintragen, dabei auf enorme Datenmengen zugreifen können, App- und Service-Entwicklungen (bei wachsenden Kundenansprüchen) rasant beschleunigen und das Vertrauen in die Datensicherheit erhöhen. In diesem sich wandelnden Technologie- und Geschäftsumfeld erweitern Unternehmen ihre Fähigkeiten zur digitalen Innovation, um in der sich schnell digitalisierenden Weltwirtschaft wettbewerbsfähig und erfolgreich zu sein.

Die Marktforscher von IDC zeigen anhand von zehn Punkten auf, was die weltweite IT-Brache in den kommenden fünf Jahren erwartet:

  • Bis 2022 werden über 60 Prozent des globalen BIP digitalisiert sein, wobei das Wachstum in jeder Branche durch digital verbesserte Angebote, Prozesse und Transaktionen getrieben wird. Führungskräfte in jedem Unternehmen müssen die Digitale Transformation ganz oben auf ihre Prioritätenliste setzen. Organisationen, die es versäumen, ihre Dienstleistungen und ihren Betrieb auf allen Ebenen anzupassen, werden sich im Wettbewerb um einen zunehmend schrumpfenden Anteil an ihrem traditionellen Markt wiederfinden.
  • Bis 2023 werden 75 Prozent aller IT-Ausgaben für Technik bei Drittanbietern getätigt, da über 90 Prozent aller Unternehmen „Digital-Native“-IT-Umgebungen aufbauen, um in der digitalen Wirtschaft erfolgreich zu sein. Fast die Hälfte aller kürzlich befragten Firmen gaben an, dass sie sich „digital ausgerichtet“ haben, das heißt: Sie haben bereits beschlossen, eine in die Organisation integrierte digitale Strategie und Architektur zu entwickeln, die weitestgehend der Strategie nativ-digitaler Unternehmen entspricht: Cloud-zentrierte Dienstleistungen, Nutzung agiler und DevOps-Methoden, Anbindung an digitale Innovationsplattformen und Communities sowie eine Konzentration auf integriertes Daten-Management und Monetarisierung.
  • Bis 2022 werden über 40 Prozent der Cloud-Installationen mit Edge-Computing-Fähigkeiten (dezentraler Rechenleistung) erweitert sein und 25 Prozent der Endgeräte und -systeme werden KI-Algorithmen ausführen. Die Kapazitäten zur Verarbeitung digitaler Daten werden sich massiv erhöhen, da es eine Verschiebung geben wird: Weg von Cloud-Infrastrukturen und zentralen Unternehmensapplikationen und -dienstleistungen und hin zu Endgeräten (wie Sensoren, Smartphones, Kameras), die nah an der Datenquelle sind. KI-Dienste werden dabei die ersten – und stark marktprägenden – Anwendungen sein, die Public-Cloud-Funktionen zu Endgeräten hin verlagern.
  • Bis 2022 werden 90 Prozent aller Anwendungen über Microservices-Architekturen verfügen, die die Fähigkeit zum Entwickeln, Debuggen, Aktualisieren und Nutzen von Drittanbieter-Code verbessern; 35 Prozent aller Produktionsanwendungen werden native Cloud-Applikationen sein. Die Anforderung der digitalen Wirtschaft, qualitativ hochwertige Anwendungen passend zum Business-Tempo zu entwickeln, treibt den Wandel zu „hyperagilen Anwendungen“ voran: hochmodular, verteilt, mit kontinuierlichen Updates und unter Einsatz cloud-nativer Technologien wie Containern und Serverless Computing. In Kombination mit DevOps- und agilen Ansätzen und Methoden können Unternehmen ihre Fähigkeit, digitale Innovationen schnell umzusetzen, drastisch verbessern – mit einer zwischen 50- und 100-fach höheren Frequenz als bei traditionellen Vorgehensweisen.
  • Bis 2024 wird eine neue Klasse professioneller Entwickler, die Code ohne selbstgeschriebene Routinen produzieren, die Entwickleranzahl um 30 Prozent vergrößern und die Digitale Transformation beschleunigen. Unternehmen, die kaum noch in der Lage sind, digitale Lösungen immer schneller zu liefern, werden sich einer neuen Klasse von Entwicklern zuwenden, die visuell gesteuerte Entwicklungswerkzeuge, Low-Code- und No-Code-Entwicklungsplattformen und modellbasierende Entwicklungswerkzeuge zur Erstellung und Verbesserung digitaler Lösungen einsetzen. Bis 2024 wird diese neue Generation von Entwicklern die globale Entwicklergemeinde um fast ein Drittel vergrößern.
  • Von 2018 bis 2023 werden mit neuen Tools und Plattformen, mehr Entwicklern, agilen Methoden und intensiver Code-Wiederverwendung 500 Millionen neue Anwendungen erstellt – so viele wie in den letzten 40 Jahren. Diese explosive Steigerung bei der Entwicklung und Auslieferung von Apps und Diensten ist das Ergebnis des Wandels zu hyperagilen App-Technologien, -Architekturen und Methoden sowie der wachsenden Zahl an Entwicklern, die kaum neuen Code programmieren müssen. „Die Fähigkeit, Volumen und Geschwindigkeit digitaler Innovationen zu beschleunigen, wird der wichtigste neue Richtwert für Unternehmen sein, die im Wettbewerb mit der digitalen Wirtschaft stehen“, fügt Gens hinzu.
  • Bis 2022 werden 25 Prozent aller Public-Cloud-Anwendungen auf Nicht-x86-CPUs (inklusive Quanten-Prozessoren) laufen; bis 2022 werden Unternehmen mehr für vertikale SaaS-Anwendungen ausgeben als für horizontale Anwendungen. Neue Innovationen werden die Zahl der Anwendungsfälle, die von IT-Technologie gelöst werden können, deutlich erhöhen, was wiederum die Zahl spezialisierter IT-Anforderungen steigert. Auf der Infrastrukturebene führen die Parallelverarbeitungsanforderungen der KI zu einer heterogeneren Prozessorlandschaft. Ebenso entscheiden sich Unternehmen für vertikal spezialisierte SaaS-Anwendungen, fast doppelt so oft wie für horizontale Anwendungen.
  • Bis 2024 werden KI-unterstützte Benutzeroberflächen und Prozessautomatisierung ein Drittel der heutigen bildschirmbasierten Anwendungen ersetzen. Bis 2022 werden 30 Prozent der Unternehmen Sprachtechnologie für die Kommunikation mit ihren Kunden verwenden.
    Eine der klarsten und stärksten Veränderungen der KI wird ihre zunehmende Rolle als Hauptschnittstelle (UI) für eine wachsende Anzahl von Anwendungen und Diensten sein. Gleichzeitig wird die KI die Prozessautomatisierung vorantreiben, um bisher von Menschen ausgeführte Tätigkeiten im B2B- und B2C-Bereich zu optimieren und zu ersetzen. IDC erwartet, dass KI-basierte Sprachschnittstellen und andere KI-Interfaces zunehmend Normalität werden, während eine zunehmende Automatisierung die Produktivität der Mitarbeiter maximiert.
  • Bis 2022 werden 50 Prozent aller transferierten und gespeicherten Server-Daten verschlüsselt sein, KI-Anwendungen werden über 50 Prozent der Sicherheitswarnungen verarbeiten und 150 Millionen Menschen werden digitale Identitäten auf Blockchain-Basis verwenden. Die Sicherheit und das Vertrauen in die neue Technik wachsen mit der Vielzahl der Innovationen. Sie werden das Vertrauen in die Datensicherheit (durch umfassende Verschlüsselung) und die Integrität digitaler Identitäten (durch Blockchains) stärken. Das gilt auch für das Echtzeit-Threat-Management, dass sich auf Machine Learning, Datenanalyse und andere Data-Science-Modelle stützt.
  • Bis 2022 werden die vier führenden und größten Cloud-Plattformen 80 Prozent der IaaS/PaaS-Implementierungen hosten, aber 2024 werden 90 Prozent der 1.000 größten Unternehmen einem Lock-In durch Multi- und Hybrid-Cloud-Techniken und -Tools vorbeugen. In den nächsten vier bis fünf Jahren werden Unternehmen integrierte Hybrid- und Multi-Cloud-Tools und -Strategien für verschiedene Anwendungen und Szenarien einsetzen. Das Fehlen einer umfassenden Strategie wird aber zu einer fehlerhaften Ressourcenbereitstellung, fehlendem Zugriff auf die besten technischen Innovationen, längeren Problemerkennungs- und Lösungszeiten und einer begrenzten Unterstützung durch Partner führen.
Was meinen Sie zu diesem Thema?

Schreiben Sie uns hier Ihre Meinung ...
(nicht registrierter User)

Zur Wahrung unserer Interessen speichern wir zusätzlich zu den o.g. Informationen die IP-Adresse. Dies dient ausschließlich dem Zweck, dass Sie als Urheber des Kommentars identifiziert werden können. Rechtliche Grundlage ist die Wahrung berechtigter Interessen gem. Art 6 Abs 1 lit. f) DSGVO.
Kommentar abschicken
copyright

Dieser Beitrag ist urheberrechtlich geschützt. Sie wollen ihn für Ihre Zwecke verwenden? Infos finden Sie unter www.mycontentfactory.de (ID: 45578784 / Services)