Intel Server-CPUs: Gegenwart, Konkurrenten und Zukunft

Großes Orchester: Zukunftsmusik bei Intel

| Autor / Redakteur: Klaus Länger* / Klaus Länger

Konkurrenz mit Power

Die wohl größte Bedrohung für die Dominanz von Intel im Datacenter stellt aber die Open Power Foundation dar. Sie ist ein Zusammenschluss von Firmen und Organisationen, die gemeinsam auf Basis von der IBM Power-Architektur eine offene Server-Plattform entwickeln wollen. IBM hat technische Details seiner Power-Architektur geöffnet und stellt sie unter einer liberalen Lizenz zur Verfügung.

Aus den Benchmarks für Power 8
Aus den Benchmarks für Power 8 (Bild: Open Power Foundation/IBM)

Die Basis für die Open-Power-Entwicklung bildet der Power-8-Prozessor. Zu den führenden Mitgliedern gehören neben IBM Branchenschwergewichte wie Google, Altera, Nvidia, Micron, Mellanox, Altera, Samsung, Tyan und Ubuntu. Die sind für Intel allerdings das kleinere Problem. Denn abgesehen von IBM arbeiten alle diese Firmen in irgendeiner Form auch mit Intel zusammen.

Das Gewicht asiatischer Hersteller

Gefährlich wird es für Intel aber durch das Engagement einer ganzen Reihe chinesischer Firmen. Denn China ist ein wichtiger Markt, der durch Open Power von heimischen Herstellern besetzt werden könnte. Zudem ist Intel gerade bei lukrativen Hochtechnologie-Projekten immer wieder Handelsbeschränkungen seitens der US-Regierung ausgesetzt.

Hier springen chinesische Hersteller wie der Chipdesigner Power Core in die Bresche, der in diesem Jahr den „CP1“-Prozessor auf den Markt bringen will. Zur Unterstützung der chinesischen Hersteller wurde im vergangenen Herbst unter Beteiligung der eigenen Regierung die „China Power Technology Alliance“ gegründet.

HP The Machine: Nur eine Luftnummer?

HP ist zwar einer der größten und auch wichtigsten Abnehmer von Intel-Prozessoren, das hindert die Firma aber nicht daran, auch über Alternativen nachzudenken. Vor einem Jahr hatte HP angekündigt, mit einem revolutionären Prozessor- und Speicherkonzept ab 2018 zuerst den Server-Markt und dann die Computerwelt insgesamt umkrempeln zu wollen.

Das Kernstück von „The Machine“, so der Codename des HP-Rechners, sind Memristoren. Diese Bauelemente nutzen einen variablen Widerstand zum Speichern von Informationen. Dieser Wert bleibt auch ohne Spannungsversorgung erhalten. Da Memristoren zudem sehr schnell schalten, können sie sowohl DRAM, als auch Flash ersetzen.

Laut HP sollte „The Machine“ sich diesen Umstand zunutze machen und den bisherigen Unterschied zwischen Arbeits- und Massenspeicher aufheben. Der Rechner sollte zudem mit neu entwickelten SoCs eines nicht genannten Herstellers bestückt sein. HP legte sich hier nicht fest, ob ARM-Cores, x86-Kerne oder gleich beides unterstützt werde.

HP entwickelt mit „The Machine“ neue Rechnerarchitektur

Glasfaser und Memristoren inside

HP entwickelt mit „The Machine“ neue Rechnerarchitektur

14.01.15 - Unterder Bezeichnung „The Machine“ will HP in zwei bis drei Jahren die ersten verwertbaren Produkte einer neuen Rechnerarchitektur bereitstellen. Bis zu 160 Racks, die auf Memristoren basieren, lassen sich zu einem Cluster verbinden, der bis zu 160 Petabyte an Daten speichern und verarbeiten kann – bei der Größe eines Kühlschranks. Die Maschine soll der Datenflut des Internets der Dinge gewachsen sein und sechsmal schneller als ein aktueller Server arbeiten. lesen

Diese SoCs sollten jeweils 24 Cores und 256 GB Memristor-Speicher enthalten. Die Kommunikation der einzelnen SoCs sollte seriell über optische Verbindungen erfolgen. Als Betriebssystem soll eine speziell auf „The Machine“ zugeschnittene Linux-Version im Zusammenspiel mit Android für Managed-Storage dienen. Und das Ganze sollte nicht nur eine enorme Leistung bieten, sondern auch noch viel sparsamer, als die existierende Technik sein.

Zwölf Monate später fällt die Revolution nun schon eine Nummer kleiner aus. Denn die Voraussetzung für „The Maschine“ wären marktreife Memristor-Speicher in 2015 gewesen. Und von denen ist noch nichts zu sehen und es ist auch nicht abzusehen, wann diese Technologie die Entwicklungslabore verlassen wird.

HP hat nun kürzlich gegenüber der New York Times verlauten lassen, man setze erst mal auf die Verbindung von DRAM und Phase-Change-Memory als Massenspeicher. Der wäre zwar auch schneller als Flash, ist aber derzeit auch weit von einer Markreife entfernt. Als Übergangsmodell für Entwickler will HP laut dem CTO Martin Fink eine reine DRAM-Version mit 320 Terabyte Kapazität von „The Machine“ entwickeln, die im kommenden Jahr verfügbar sein soll.

Wir sind gespannt, wie viele dieser Rechner HP wohl bauen wird und wer darauf Zugriff erhält. Denn ein Rechner mit 320 TB RAM dürfte auch 2016 kaum für unter eine Million Euro realisieren lassen. Bisher konnte HP noch nicht einmal eine funktionierende Komponente von „The Machine“ zeigen. Wir können also gespannt sein, was am Ende des Jahres von den vollmundigen Versprechen übrig bleibt.

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