Intel Server-CPUs: Gegenwart, Konkurrenten und Zukunft

Großes Orchester: Zukunftsmusik bei Intel

| Autor / Redakteur: Klaus Länger* / Klaus Länger

ARM: Erst Smartphone, dann Server?

Bislang hatte Intel für Micro-Server, kompakte Storage-Server oder Netzwerkgeräte nur Prozessoren auf „Atom“-Basis im Portfolio. der neuen „Xeon-D-1500“-Familie will man sich auch die ARM-Konkurrenz vom Halse halten, die sich nach dem Smartphones und Tablets nun auch den Markt für kleine und sparsame Server-Prozessoren erobern will. Bei der britischen Chip-Design-Firma ARM ist man der Ansicht, dass die kommenden 64-Bit-Server-Prozessoren mit ARM-Architektur bis zum Jahr 2020 einen Marktanteil von 20 Prozent erreichen können.

Allzu große Sorgen muss man sich bei Intel allerdings derzeit nicht machen. Denn der ARM-Marktanteil liegt noch nicht einmal bei einem Prozent. Mit „Calxeda“ musste 2013 zudem einer der ersten und wichtigsten Hersteller von ARM-Server-Prozessoren aus dem Rennen gehen. Die Firma lieferte Prozessoren für die erste Generation vom „HP Moonshot“-Projekt und die „Viridis“-Micro-Server von Boston.

Der schwierige Start lag auch daran, dass es bis heute kaum 64-Bit-ARM-Prozessoren gibt. Die britische Firma hat erst Ende 2011 die ARM-v8-A-Architektur angekündigt. Mit dem „X-Gene“ von Applied Micro erschien der erste 64-Bit-ARM-SoC für Server erst im vorigen Jahr.

ARM-in HP-Servern

HP nutzt X-Gene-SoCs mit acht Cores auch für die „Proliant“-m400-Module, die in der aktuellen Version der Moonshot-Server eingesetzt werden können. Daneben bietet HP auch Module mit dem 32-Bit-ARM-SoC Texas Instruments „Key Stone II“ an. Das Gros der verkauften Moonshot-Module ist allerdings mit Atom-Prozessoren von Intel bestückt.

Benchmarks der US-Seite „Anandtech“ zeigen, dass der 40-Nanometer-Prozessor X-Gene derzeit in der Leistung weit hinter Intels Xeon-CPUs zurückliegt, gleichzeitig aber deutlich mehr Strom verbraucht, als der in der Leistung vergleichbare Atom C2750. Für 2014 hatte Applied Micro hatte eigentlich Prozessoren mit 16 Cores und für 2015 sogar mit 32 Cores versprochen. Zu sehen ist davon aber noch nichts. Gigabyte setzt auf dem im März vorgestellten Server-Mainboard MP30-AR0 auch noch die erste 8-Kern-Version des X-Gene ein.

64-Bit-ARM-SoCs bei Lenovo und Cavium

Weitere Hersteller, die 64-Bit-ARM-SoCs für den Server-Einsatz entwickeln, sind Tilera und Cavium. Speziell der in einem 28-Nanometer-Prozess hergestellte „Cavium ThunderX“ mit bis zu 48 Cores sollte eine deutlich höhere Leistung liefern. Allerdings gibt es mit dem Chip momentan nur Prototypensysteme.

Lenovo evaluiert den ThunderX für den Einsatz in der „Nextscale“-Plattform. Ein Nextscale-Einschub soll bis zu 12 ARM-Server-Boards mit dann insgesamt 1.152 Cores fassen. Ein großes Marktvolumen für die ARM-Systeme sieht man aber bei Lenovo zunächst nicht.

Nvidia wollte mit dem Projekt Denver ebenfalls in den Markt für 64-Bit-Server-SoCs einsteigen, konzentriert sich aber derzeit eher auf Mobile-Gaming und den Automobilbereich.

Von Seattle bis Opteron

Bei AMD trug das ARM-Projekt die Bezeichnung „Seattle“. Aus ihm wurde schließlich der „AMD Opteron 1100“: Ein SoC mit bis zu acht ARM-Cortex-A57-Cores, zwei DDR-3/4-Speicherkanälen für bis zu 128 GB RAM, acht PCIe-3.0-Lanes, acht SATA- und zwei 10-GBit-Ethernet-Ports. Zudem hat der Opteron 1100 noch einen Kryptographie-Coprozessor integriert.

Seit August 2014 gibt es von AMD Referenzsysteme mit dem Opteron 1100. Ankündigungen von Servern mit Opteron-1100-SoCs stehen noch aus. Eigene Systeme auf seiner Basis kann AMD jedenfalls nicht mehr auf den Markt bringen. Denn die 2012 mit dem Erwerb von Seamicro gestartete Micro-Server-Sparte wurde am 16. April von der neuen AMD Chefin Lisa Su kurzerhand beerdigt.

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