Nachhaltigkeit und Digitalisierung in Österreich

Green Datacenters - Vereinigung von Digitalisierung und Klimaschutz

| Autor / Redakteur: Doris Dobida* / Ulrike Ostler

Berge und Seen - das kennen alle Östrreich-Touristen. Doch Wasserkarft kann auch nachhaltig Datacenter antreiben. Grund genug für Riesenrechenzentren?
Berge und Seen - das kennen alle Östrreich-Touristen. Doch Wasserkarft kann auch nachhaltig Datacenter antreiben. Grund genug für Riesenrechenzentren? (Bild: gemeinfrei: David Mark auf Pixabay)

Bisher löst der Begriff „digitale Revolution“ vor allem Assoziationen und Debatten zu einem radikal veränderten Arbeitsmarkt oder ethischen Bedenken bezüglich persönlicher Daten aus. Ein Aspekt von Digitalisierung, der in der Öffentlichkeit mehr Aufmerksamkeit erfährt, ist der in Fachkreisen seit langem diskutierte, enorm gesteigerte Energieverbrauch von Rechenzentren.

Doch das sind nicht die einzigen Herausforderungen. Schlussendlich ist es der gewissenhafte Umgang mit allen Arten von Ressourcen, der eine nachhaltige Digitalisierung ausmacht.

Der Kampf gegen den Klimawandel ist ein Thema, über dessen Dringlichkeit aus wissenschaftlicher Sicht ein noch nie dagewesener Konsens herrscht. Wirtschaftlich betrachtet gestaltet sich die Angelegenheit jedoch komplizierter. Eine der entscheidenden Fragen hierbei lautet: Wie lassen sich die Digitalisierung mit ihrem enormen Energieverbrauch und der Kampf gegen den Klimawandel vereinbaren?

Die Antwort ist theoretisch so simpel, wie sie praktisch komplex ist. Es bedarf CO2-neutraler Lösungen, die zugleich effizient und absolut zuverlässig sind. Rechenzentren, die eine zentrale Rolle bei der datenbasierten digitalen Revolution spielen, vollkommen mit Strom aus erneuerbaren Energien zu versorgen, ist bei weitem kein Ding der Unmöglichkeit. Um allerdings auch aus wirtschaftlicher Sicht wettbewerbsfähig zu bleiben, müssen einige infrastrukturelle Grundvoraussetzungen erfüllt sein.

Standortvorteile plus neueste technologische Entwicklungen

Regionen mit entsprechendem Anteil an Wasserkraft im Energiemix sind hier absolut im Vorteil. Grund hierfür ist die Beständigkeit bei der Versorgung durch Wasserkraft, die im Gegensatz zu Wind und Solarenergie nicht von der jeweiligen Wetterlage abhängig ist. Zugleich ist Wasser auch die Lösung für einen der größten Energie- und Kostenfresser eines Rechenzentrums, die Kühlung.

Auch das Problem der Energiespeicherung, für den Fall unzureichender Energie-Erzeugung, entfällt bei der Nutzung von Wasserkraft. Da eventuelle Ausfälle dennoch enorme wirtschaftliche Schäden mit sich bringen, muss gewährleistet sein, dass die Stromversorgung derart zuverlässig ist, dass ein Non-stop-Betrieb immer möglich ist. Hier bieten innovative Batterielösungen – auch für Hochleistungsansprüche – Abhilfe.

Innovative Architektur ist darüber hinaus ein neuer Weg, Energiegewinnung und Verwaltung beim Bau eines Rechenzentrums gleich von Beginn an mitzudenken. Kooperationen mit lokalen Energiebetreibern für die Abwärmenutzung ergänzen den sinnvollen Umgang mit Ressourcen. Dies gilt nicht nur für Hyperscaler, sondern auch für kleine Rechenzentren.

Um den Kohlendioxid-Fußabdruck zu verbessern, ist die Zusammenarbeit aller, das heißt von Politik-, Städte- und Gemeindeseite, gefragt. Ebenso ist es sinnvoll auf Energieversorger aber auch Forschungseinheiten und Universitäten zuzugehen, die durchaus innovative Ideen haben: zum Beispiel beim Thema Steuerung mit künstlicher Intelligenz, wie das Beispiel des Horizon 2020-Projektes „ReUseHeat“ zeigt.

Die EU rechnet: Datacenter-Abwärme nutzen ist keine Gewissensfrage, sondern Notwendigkeit

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29.04.19 - Ist es nicht eine Schande? „Die Wärmemenge, die EU-weit von Energie-Anlagen und -Industrien verschwendet wird, entspricht jener, die derzeit zum Heizen aller Gebäude in Europa gebraucht wird.“ Dass nur wenige Rechenzentren Abwärme in Heizungssysteme oder gar Fernwärmenetze einspeisen, ist bekannt. Jetzt ist der Beitrag den Datacenter zur Nah- und Fernwärme leisten könnten, Teil des EU-Projekts „Reuseheat“. lesen

Anbindung an Datenautobahnen als Erfolgsfaktor

Aber auch die Kombination aus einem leicht zu kühlenden Standort mitsamt nachhaltiger Energieversorgung reicht nicht aus, ein sowohl ökologisch als auch wirtschaftlich attraktives Zentrum zu errichten. Die Anbindung an hochmoderne Glasfasernetze, die dem immer größer werdenden Datenfluss auch gewachsen sind, ist nicht nur eine Anforderung, der Datencenter-Betreiber gerecht werden müssen, sondern auch im Sinne der Umwelt. Da kurze, direkte Datenwege ohne Umleitungen um den halben Globus erheblich Ressourcen sparen.

Gute Beispiele dafür, dass die Faktoren Klima und Stromversorgung nicht ausreichen, um einen Standort zu einem Hotspot für Green Datacenter zu machen, sind Kanada und Island. Beide Länder gehören zur absoluten Weltspitze auf dem Gebiet, können allerdings durch ihre Lage an der Peripherie ihrer jeweiligen Kontinente nur ein begrenztes Gebiet abdecken.

Österreich hingegen sieht sich in einer glücklichen Position. Durch die zentrale Lage des Landes fungiert es als Knotenpunkt zwischen Ost- und Westeuropa. Gerade für Unternehmen, die in ganz Kontinentaleuropa aktiv sind, ist das ein großer Vorteil. Allein im Großraum Wien treffen sechs Glasfaserleitungen aufeinander. Hinzu kommt die Anbindung an Gasleitung und Starkstromtrassen. Georedundanz garantiert höchste Verfügbarkeit und Sicherheit.

Gesellschaftliche Aspekte

Gleichzeitig ist Österreich wie viele europäische Länder aber auch ein kleines Land. Ein Faktor, der für einen weiteren Aspekt bezüglich Green Datacenter relevant wird: den Landverbrauch. Die auf den ersten Blick faszinierende Idee eines Datacenter Campus, wie sie heute so gerne angedacht – und in Regionen mit großer Flächenverfügbarkeit auch realisiert – werden, stößt in kleinen europäischen Ländern schnell an die Grenzen der Durchführbarkeit.

Der Grund, die hierfür benötigten hunderte Hektar umspannenden, flachen, sicheren und technisch gut erschlossenen Flächen sind nicht nur rar, sondern auch das Verhältnis verbrauchter Fläche zu geschaffenen Arbeitsplätzen ist aus Sicht der betroffenen Regionen unrentabel. Sowohl Verhüttelung, wie man in Österreich die Zersiedlung von Wohngebieten nennt, als auch Versiegelung sind Themen, die in der Diskussion um nachhaltige Rechenzentren oft zu kurz kommen, weil nur auf die technischen Aspekte geachtet wird.

Die Autorin, Dr. Doris Dobida, ist Direktorin The Americas and Corporate Development sowie Expertin für Datacenter bei der Austrian Business Agency – ABA.
Die Autorin, Dr. Doris Dobida, ist Direktorin The Americas and Corporate Development sowie Expertin für Datacenter bei der Austrian Business Agency – ABA. (Bild: ABA)

Die Bedürfnisse der Bevölkerung werden dabei oftmals außer Acht gelassen. „Grün“ bedeutet aber den vernünftigen Umgang mit allen Ressourcen – auch Grund und Boden. Der Trend zu Mega-Datacenter-Landschaften wird sich deshalb, zumindest in Europa, bald wieder umkehren.

Die Zusammenarbeit aller Keyplayer, auf technischer wie auf politischer Seite sowie das Ausschöpfen aller technischen Möglichkeiten zum sinnvollen Umgang mit Ressourcen ermöglichen Green Datacenter mit Low Waste Equipement, IoT-Energiesteuerungen und vieles mehr. Die nachhaltige Auswahl bestmöglicher Standorte, basierend auf den natürlichen und infrastrukturellen Gegebenheiten, gepaart mit einem vernünftigen Augenmaß für unmittelbar betroffene gesellschaftliche Entwicklungen machen ein Datencenter-Projekt dann auch wirklich „grün“.

*Die Autorin, Dr. Doris Dobida, ist die Direktorin The Americas, Corporate Development Austrian Business Agency.

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