Suchen

Google investiert in Windenergie Google macht Wind und kauft Turbinen-Hersteller

| Redakteur: Ulrike Ostler

Am selben Tag als 2011 Greenpeace die Top-10 der High-Tech-Unternehmen veröffentlichte, deren Rechenzentren am meisten Energie aus Kohlekraft verbrauchten, gab Google bekannt, dass sein Datacenter in Oklahoma mit 100 Megawatt Strom aus Windkraft versorgt wird. Jetzt kauft Google einen Hersteller von „fliegenden“ Wind-Turbinen – Makani Power.

Firmen zum Thema

Wer viel Strom und günstig braucht, macht sich welchen. RZ-Betreiber Google hat das Geld sowie die Breitschaft in neue Energie-Erzeugungstechnik zu investieren und kauft Makani Power.
Wer viel Strom und günstig braucht, macht sich welchen. RZ-Betreiber Google hat das Geld sowie die Breitschaft in neue Energie-Erzeugungstechnik zu investieren und kauft Makani Power.
(Bild: Makani Power)

Tatsächlich hat Google bereits im Jahr 2006 rund 10 Millionen Dollar in das Projekt „Airbone Wind Power“ gesteckt und zwei Jahre darauf weitere 5 Millionen Dollar. Nun aber übernimmt der Suchmaschinen-Gigant das Unternehmen vollständig.

Gemeinsam mit den Technikern aus Googles “Geheimlabor” Google X soll die Technologie weiter entwickelt und zur Marktreife gebracht werden. Dem Labor entsammen bereits ein selbstfahrendes Auto und die Datenbrille „Google Glass“. Über den Kaufpreis machten beide Unternehmen keine Angabe.

Die fliegenden Windkrafträder soll den Wind weitaus effektiver nutzen können als Rotoren auf Türmen. Dazu geht eine Art Drohne in die Luft und kreist in einigen Dutzend Metern Höhe über der Erde. Das sieht aus, als ließe jemand einen übergroßen Drachen steigen.

Drachen in der Luft plus Bodenstation zum Parken und Einspeisen

Dabei fungieren die fliegenden Windmühlen zugleich als Turbinen. Der Wind wird quasi doppelt eingefangen: durch die Flugbewegung in der Luft und die Windströmungen. Zudem ist der Wind in dieser Höhe viel stärker als in Bodennähe.

Im Betrieb sieht das Ganze here aus wie ein überdimensionaler Flieger zum Drachensteigen als eine Windmühle.
Im Betrieb sieht das Ganze here aus wie ein überdimensionaler Flieger zum Drachensteigen als eine Windmühle.
(Bild: Makani Power)
Über eine Verbindung mit der Bodenstation per Halteseil und Kabel - sieht vom Weitem aus wie eine Drachenschnur - kann die generierte Energie in das Stromnetz eingespeist werden. Die Bodenstation dient zugleich als Parkstation für die Airbones.

Die Flugobjekte kommen erst zum Einsatz, wenn die Windgeschwindigkeit in einer Höhe von 200 Metern mindestens 3,5 Meter pro Sekunde (12,6 Kilometer in der Stunde) beträgt. Dann startet das Windkraftwerk, wobei die Turbinen als Propeller dienen.

Leichtbauweise kontra steinerne Türme

Die Energiedrachenflieger sind in Leichtbauweise konstruiert. Somit lässt sich im Vergleich mit feststehenden Windkrafträdern mehr als 90 Prozent Material einsparen, errechnet Makani Power. Außerdem erlaubt die Bauweise, mit geringer Motorkraft in die Luft zu gehen und dort frei zu schweben.

Nach Angaben, die sich in Wikipedia wiederfinden, generieren derzeit mehr als 200.000 Windräder weltweit 282.482 Megawatt 2012. In Raum der europäischen Union kamen im September 2012 rund 100.000 Megawatt zusammen. Im August des vergangenen Jahres wurden jeweils 50.000 Megawatt in den USA und in China erzeugt.

Einige Experten fordern längst, die Rechenzentren dorthin zu bauen, wo Strom erzeugt wird, also auch in die Nähe von Biogas- und Windkraftanlagen. Der Grund: Es sei schwieriger Stromleitungen zu verlegen, als Datenkabel.

Kein direkter Zugang zum Rechenzentrum

Ob Google allein deshalb in Makani Power investiert, sei dahin gestellt, zumal Die grüne Energie zunächst in die verfügbaren Energienetze speist und nicht direkt die Rechenzentren von Google.

Auf der Makani-Website heißt es jedenfalls, man freue sich über die Übernahme: „ Der Zeitpunkt hätte nicht besser gewählt sein können; erst am 9. Mai haben wir den ersten vollautomatischen Flug des „Wing 7“-Prototypen erfolgreich hinter uns gebracht (siehe: Video).

Die Übernahme durch Google formalisiere eine lange und produktive Beziehung zwischen den Unternehmen und werde Makani mit Ressourcen versorgen, um die Arbeit weiterzuführen und Windenergie genauso kosteneffektiv zu machen wie Strom aus fossilen Brennstoffen.

Weitere "grüne" Investitionen

Der "Wing-7"-Prototyp auf dem Boden.
Der "Wing-7"-Prototyp auf dem Boden.
(Bild: Menaki Power)
Tatsächlich reichen die Google-Investitionen in „grüne” Stromerzeugung länger zurück: Im Jahr 2007 etwa installierte das Unternehmen eine unternehmenseigene Solaranlage in der Niederlassung in Mountain View. Sie erzeugt mit 1,7 Megawatt genug Strom, um 30 Prozent der Gebäude, auf denen sie installiert ist, mit Strom zu versorgen. Und wenn es nicht gerade zwei Jahre lang ununterbrochen regnet, hat sie sie sich in diesem Jahr amortisiert.

Insgesamt flossen bereits über 915 Millionen Dollar in erneuerbare Energien: Dazu zählen Großprojekte wie die Investition von 10 Millionen Dollar in das Unternehmen Brightsource. Das Unternehmen hat sich auf so genannte Powertower spezialisiert, eine solarthermische Technologie, die Heliostaten – dem Sonnenlicht folgende Spiegel – verwendet, um eine enorme Menge an Sonnenenergie auf einen auf einem Turm montierten Empfänger zu richten. Der Empfänger erzeugt Hochddruckdampf, der wiederum einen herkömmlichen Turbinengenerator antreibt, um Strom zu erzeugen.

Power-Turm und Offshore Connections

Das wichtigste Projekt, mit weiteren 168 Millionen Dollar ist Ivanpah, in der Mojave-Wüste von Kalifornien, das heuer den Betrieb aufnimmt. Es wird es 392 Megawatt Sonnenenergie erzeugen und planmäßig sowohl Pacific Gas and Electric als auch Southern California Edison mit so viel Energie versorgen, wie 140.000 Haushalte in Mittel- und Südkalifornien verbrauchen.

Auch in Deutschland beteiligte sich Google an Photovoltaik. Im Jahr 2011 tätigte das Unternehmen die erste internationale Investition in Höhe von 3,5 Millionen Euro für eine Kapitalbeteiligung von 49 Prozent am Projekt einer Solaranlage in Brandenburg. Die Einrichtung hat eine maximale Kapazität von 18,65 Megawatt .

Doch auch weitere Investitionen n Windkraft standen bereits an, wie eine Kapitalbeteiligung von 37,5 Prozent in Atlantic Wind Connection zum Bau einer Hochleistungsinfrastruktur für die Energie-Übertragung aus bis zu 7.000 Megawatt Offshore-Windenergie an der Mittelatlantikküste – von New Jersey bis Virginia.

Das sagt Greenpeace

Heute jedenfalls fällt das Urteil von Greenpeace positiv aus: „Nicht nur bezüglich der Steigerung der Energie-Effizienz in der Branche, sondern auch hinsichtlich der Notwendigkeit der Umstellung auf erneuerbare Energien hat Google stets zu den aufgeschlossensten Unternehmen gehört. … Die Zusage von Google, möglichst viel erneuerbare Energie zu verwenden, hat die Messlatte für die Branche sehr hoch gelegt“, wird Greenpeace auf der Google-Site zitiert.

(ID:39764940)