Frauen in der IT-Branche 2018

Gleichberechtigung? Meist Fehlanzeige!

| Autor / Redakteur: Otto Geißler / Ludger Schmitz

Das geschlechtsspezifische Lohngefälle ist in fünf Jahren in 17 Ländern gestiegen.
Das geschlechtsspezifische Lohngefälle ist in fünf Jahren in 17 Ländern gestiegen. (Bild: gemeinfrei: TeroVesalainen/pixabay / CC0)

Der Index „Frauen in der IT-Branche 2018” der Jobbörse Honeypot machte innerhalb OECD- und EU-Ländern eklatante Ungleichheiten zwischen den Geschlechtern hinsichtlich des Lohngefälles und der Jobmöglichkeiten in der IT-Branche und im Allgemeinen deutlich.

Für die Identifikation von potentiellen Hürden für Frauen in der IT-Branche, die Teilnahme am Arbeitsmarkt und deren beruflichen Möglichkeiten hat Honeypot einen Geschlechter-Ungleichheits-Index erstellt und Schlussfolgerungen daraus gezogen. Um festzustellen, ob die Gleichstellung von Männern und Frauen in den vergangenen Jahren besser oder schlechter geworden ist, verglich die Jobbörse die derzeit verfügbaren Lohnlücken-Daten mit den Daten, die vor fünf Jahren vorlagen.

Deutschland ist Schlusslicht in Europa

Dabei traten durchaus überraschende Ergebnisse zutage. „Das geschlechtsspezifische Lohngefälle in der IT-Branche beträgt in Deutschland 25 Prozent. Dies stellt den schlechtesten Wert in Westeuropa dar und ist doppelt so hoch wie in Belgien und Frankreich, wo die Lohnlücke zwischen Männern und Frauen 11,8 Prozent beträgt“, sagt Emma Tracey, Co-Gründerin von Honeypot. Der IT-Sektor in Deutschland liegt in Sachen Gleichbezahlung auch hinter Nicht-EU-Ländern wie Australien (20% Lohnlücke), Island (14.5%), Kanada (21%), Malta (18,6%), Mexiko (20,7%), Neuseeland (9,8%) und Norwegen (15,4%) zum Teil weit zurück.

Das Wichtigste auf einen Blick

  • In den USA arbeiten mit 1,5 Millionen die meisten Frauen in der IT-Branche. In Malta arbeiten nur 800 Frauen in IT-Berufen, was den geringsten Wert aller untersuchten Länder darstellt. Der Frauenanteil aller IT-Beschäftigten beträgt hier nur elf Prozent.
  • In Israel ist der Unterschied zwischen dem Frauenanteil aller Erwerbstätigen und dem Anteil der Frauen in IT-Berufen mit -36,6 Prozent am höchsten, während er in Rumänien mit -16,57 Prozent am niedrigsten ist.
  • In den USA ist das allgemeine Durchschnittsgehalt mit 39.594 Euro eins der höchsten, das Durchschnittsgehalt für Frauen in IT-Berufen mit 70.153 Euro international am höchsten.
  • In Mexiko ist das durchschnittliche Gehalt in der IT-Branche sowohl allgemein als auch für Frauen am niedrigsten und beträgt lediglich 15.788 Euro beziehungsweise 12.520 Euro.
  • In der Türkei ist der Frauenanteil unter MINT-AbsolventInnen mit 37,11 Prozent am höchsten, während er in Japan mit 15,25 Prozent am niedrigsten ist.
  • In Portugal ist der Unterschied zwischen dem allgemeinen geschlechtsspezifischen Lohngefälle und dem der IT-Branche mit 7,26 Prozent am höchsten, während der Unterschied in Polen mit -17,8 Prozent am niedrigsten ist.
  • In der Türkei ist das geschlechtsspezifische Lohngefälle in der IT-Branche mit 8,42 Prozent am niedrigsten, während es in Südkorea mit 41,17 Prozent am höchsten ist.
  • In Bulgarien ist der Frauenanteil in der IT-Branche mit 30,28 Prozent am höchsten, während dieser in der Slowakei mit 9,29 Prozent am niedrigsten ist.
  • In Finnland sind 6,04 Prozent aller Erwerbstätigen in IT-Berufen tätig, was den höchsten Wert aller Länder darstellt, während in der Türkei nur 0,8 Prozent der Erwerbstätigen im IT-Sektor arbeitet.

Nordeuropa ist vorbildlich

„Die Tatsache, dass das geschlechtsspezifische Lohngefälle in fünf Jahren in 17 Ländern gestiegen ist, mag viele überraschen”, so Tracey. „Vielversprechend ist jedoch, dass Länder wie Finnland, Schweden und das Vereinigte Königreich einiges zu bewegen scheinen und sowohl die Gleichberechtigung im Allgemeinen als auch in der IT-Branche in diesen Staaten zugenommen hat. Die anderen OECD- und EU-Staaten sollten sich ein Beispiel an diesen Ländern nehmen, um ihre eigenen Einkommensunterschiede zu beseitigen.”

Das Weltwirtschaftsforum berichtete 2017, dass es noch 170 Jahre bis zur wirtschaftlichen Gleichstellung der Geschlechter dauern würde, die globale Wirtschaft jedoch bis 2025 um 28 Billionen US-Dollar wachsen würde, wenn erwerbstätige Frauen gleich behandelt werden würden. „Es sollte zudem bedacht werden, dass sich die IT-Branche in der Zukunft zur wichtigsten wirtschaftlichen Plattform entwickeln wird und es daher unumgänglich ist, etwas gegen die Ungleichheiten zwischen Frauen und Männern zu unternehmen“, mahnt Tracy.

Sie hofft, dass dieser Index einen Teil dazu beiträgt, die Augen der Führungskräfte dieser Branche zu öffnen und sie zu positiven Änderungen zu bewegen, von denen nicht nur die Gleichberechtigung, sondern auch die gesamte Weltwirtschaft profitiert.

Weitere Informationen auf: Frauen in der IT-Branche 2018

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