Mit einem starken Open-Source-Fundament

Github geht stärker auf Unternehmen zu

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Die ausgeprägte User-Orientierung hat Github sehr schnell und anhaltend Erfolg verschafft. Mitte 2010 hostete Github schon eine Million Repositories. Ein Jahr später übertraf es Sourceforge und Google Code in der Zahl der Commits.

Nach neusten Angaben von Vice President Srivastava hat Github jetzt 36 Millionen Repositories und 15 Millionen Anwender. Das Unternehmen hat jetzt rund 500 Mitarbeiter, die weit überwiegende Mehrheit Entwickler.

Kostenlos für Open-Source-Projekte und Studenten

Github gibt es in vier Varianten: Grundsätzlich sind Open-Source-Projekte kostenlos; hier liegt sämtlicher Code allen Interessenten offen und frei verwendbar vor. Das ist nicht zwingend mehr der Fall in den drei anderen Nutzungsmöglichkeiten.

Die Varianten „Personal“ (für sieben Dollar pro Monat) steht für individuelle Projekte zur Verfügung, zu denen man andere Entwickler einladen kann. Dabei können Studenten diese Version kostenlos nutzen.

Zwei Varianten für Unternehmen

Github-Managerin Kakul Srivastava
Github-Managerin Kakul Srivastava
(Bild: Bild: Github Inc.)

Die Nutzung als „Organization“ (früher „Teams“) bringt für neun Dollar monatlich Organisationen die Möglichkeit unabhängig von der Zahl der Mitwirkenden Software gemeinsam zu entwickeln. Hier stehen auch weitere Tools zum Management der Entwicklerteams zur Verfügung. Bis hierhin sind die Projekte bei Github gehostet, genau genommen bei Rackspace.

Ganz anders ist die Variante „Enterprise“ zum Preis von 21 Dollar pro Monat. Sie umfasst noch einmal mehr administrative Tools als die Variante Organization, zum Beispiel für die Überführung von Entwicklungen in das Testing und die Produktion. Außerdem bekommen Firmen damit die Github-Software selbst und können sie in der Folge im eigenen Unternehmen hinter der eigenen Firewall verwenden.

Derzeit verteilen sich nach Angaben von Srivastava das Github-Business ziemlich gleichermaßen auf die drei kostenpflichtigen Varianten. Das scheint sich aber zu verschieben. Jedenfalls erklärt die Managerin: „Wir erleben gerade viel Wachstum bei unseren zwei Business-Angeboten.“

Von der Basis zum Business

Srivastava versichert, Github werde „für immer“ bei dem kostenlosen Angebot für Open-Source-Projekte bleiben. „Wir werden kein Geld mit der Open-Source-Seite unserer Aktivitäten machen.“ Der Fehler von Sourceforge war eine Lehre, der von Bitkeeper auch: „Wir werden niemals dem Code der Projekte irgendetwas hinzufügen.“

„Der Hauptgrund, warum Entwickler Github in ihren Unternehmen als Enterprise-Produkt benutzen, besteht darin, dass sie es zuvor individuell, persönlich kennengelernt haben“ erklärt Srivastava. „Deswegen sind die Open-Source- und die Personal-Variante für das Geschäft nicht weniger wichtig.“

Es ist bekannt, dass immer mehr Unternehmen es ihren Software-Entwicklern erlauben, sie sogar dazu ermutigen, an Open-Source-Projekten mitzuarbeiten. „Die Firmen können es einfach nicht verhindern“, so Srivastava. „Die Entwickler verlangen es. Das ist die Art, wie sie lernen, wie sie sich fortbilden.“ Und ihre Git- und Github-Erfahrungen bringen sie in die Unternehmen zurück.

Weiter starkes Wachstum angepeilt

Diese Herangehensweise, dem Business Schwung zu geben, scheint sehr erfolgreich zu sein. 2012 hat Github 100 Millionen Dollar Venture-Kapital erhalten, zwei Jahre später weitere 250 Millionen Dollar. „Das Funding hatte nicht das Ziel, das Unternehmen tragfähig zu halten, sondern sein starkes Wachstum zu ermöglichen“, erklärt Srivastava. „Wir verbrennen kein Geld.“ Ein Börsengang sei momentan nicht geplant.

Europa sei derzeit einer der am schnellsten wachsenden Märkte für Github. Über Kunden macht das Unternehmen keine Angaben, SAP und Zalando sind bekannt. Die meisten Kunden kämen aus dem Bereich der IT, zunehmend würden auch Handelsunternehmen, Finanzdienstleister und Behörden mit Github arbeiten. Auf diese konservativeren Unternehmen bezieht sich eine zentrale Aussage der Github-Managerin Srivastava: „Wir verkaufen kein Open Source, wir verkaufen ein Collaboration-Tool.“

* Ludger Schmitz ist freiberuflicher Journalist aus Kelheim.

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