Interview mit Cray-Manager Bolding

"Für uns zählen nur die ersten 100 Plätze der Top-Supercomputer"

Seite: 3/3

Firma zum Thema

Das Interview

Supercpomputing scheint ein Synonym zu sein für Cray. Doch jüngst stellten etwa Dell und Fujitsu integrierte Systeme vor, die High Performance Computing auch für kleinere Anwender interessant machen soll, vor allem durch vereinfachtes Management und verkürzte Implementierung.

Abbildung 3: Interviewpartner ist Barry Bolding, Vice President Marketing und Business Development bei Cray Inc.
Abbildung 3: Interviewpartner ist Barry Bolding, Vice President Marketing und Business Development bei Cray Inc.
(Bild: Ostler)

Wie sehen Sie diese Konkurrenz?

Barry Bolding: Unser jüngster Kunde, die University of Texas System, war ein Dell-Shop; das Zentrum für internationale Bildungsvergleichsstudien e.V. (ZIB) ist unser Kunde, die Universität Hannover, der Deutsche Wetterdienst, das LHRS …. Doch sehen wir uns an, wie heute ein Anwender zu einem HPC-System kommt.

Ein Unternehmen will, um etwa in der Automotive-Branche mithalten zu können, zunächst HPC Nur einmal ausprobieren. Das funktioniert auch, etwa über Cluster in der Cloud. Und das sind die beiden Bereiche, in denen sich das Cray-Angebot und Cloud-Computing ergänzen. Doch dann wird der Kunde sicherer, und er möchte stets HPC-Funktionen zur Verfügung haben; er muss ein System anschaffen.

Welches? Das hängt von dem Wert ab, den der Kunde einem solchen System zumisst. Ein Cray-System ist gebaut für die Verfügbarkeit von tagtäglich 24 Stunden und zwar als Supercomputing-System. Diese ausschließliche Ausrichtung bleibt, dieselben Supercomputing-Features, egal, ob ein Kunde ein großes oder kleineres System einsetzt.

Kauft ein Kunde hingegen ein Cluster, vielleicht unter der Maßgabe `klein anfangen und dann wachsen‘ bekommt er nur das für teures Geld, was er ohnehin schon in der Cloud hatte. Unsere Systeme sind hochintegriert.

Wie viel muss ein Kunde mindestens ausgeben, um einen Cray-Computer zu besitzen?

Barry Bolding: Unter 50.000 Dollar – das sind System, die andere auf den Markt werfen. Unsere Systeme, inklusive Storage, Analystics-Funktionen und Compute-Power beginnen bei einigen 100.000 Dollar.

Wie sieht der Markt für Cray-Computer aus?

Barry Bolding: Nach Angaben von IDC wächst der HDC-Markt vergleichsweise stabil um jährlich rund 13 Prozent auf etwa 3 Milliarden in Jahr 2018. Das sind die Angaben für die Server, nicht für die Services und Storage beispielsweise. Diese Umsätze kämen noch hinzu. Für das Unternehmen Cray, das Marktführer im Bereich über 500.000 Dollar sein will, bedeutet das Potenzial im Bereich von vielleicht Milliarde. Im vergangenen Jahr hatten wir einen Umsatz von rund 715 Millionen Dollar.

Was treibt die Kunden dazu, sich einen Supercomputer zu leisten?

Abbildung 4: Barry Bolding, Vice President Marketing und Business Development bei Cray auf der ISC15: "Wir bauen in kleine Systeme dieselben Supercomputing-Features ein, die unsere großen Systeme haben."
Abbildung 4: Barry Bolding, Vice President Marketing und Business Development bei Cray auf der ISC15: "Wir bauen in kleine Systeme dieselben Supercomputing-Features ein, die unsere großen Systeme haben."
(Bild: Ostler)

Barry Bolding: Die größte Antriebsfeder ist Big Data. Die vielen Daten aus Maschinen, Sensoren etwa gehen in die Simulation, Modellierung und Analyse ein. Es braucht, um dieses verarbeiten zu können neue Algorithmen aber auch mehr Rechenleistung. Dabei kommt es in nur wenigen Fällen auf eine Echtzeitverarbeitung an. Vielmehr lautet die Frage: Wie bekomme ich alles unter einen Hut? Unsere Systeme sind übrigens, wenn sie ausgeliefert werden, soweit fertig, dass die Algorithmen darauf laufen können. Es gibt keinen weiteren Service, den wir draufsatteln.

Wie lange braucht es, bis ein System beim Kunden fertig für den Einsatz ausgestattet ist?

Barry Bolding: Wir verbringen mit dem Kunden ungefähr von einem Monat bis zu einem Jahr bei der Vorbereitung: Das bedeutet unter anderem das Aussuchen und Anpassen von Compilern, Libraries, Prozessoren, GPUs. CPUs, Interconnect und Storage …. Denn manchmal laufen bis zu 500 Applikationen auf einem System und manchmal nur eine.

Und wie lange könne Kunden ein Cray-System nutzen bis neue Ansprüche einen Austausch notwendig machen?

Barry Bolding: Ein Refresh ist alle drei bis fünf Jahre üblich. Allerdings lassen sich in unseren Systemen auch einzelne Komponenten austauschen, zum Beispiel einzelne Prozessoren und diese schmalen Boards, die wird verbauen.

Artikelfiles und Artikellinks

(ID:43511727)