Thema: IBM PureSystems-Familie: Intelligente Pattern und Cloud ready

erstellt am: 16.04.2012 11:24

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Expertenintelligenz steuert die neuen Systeme
IBM PureSystems-Familie: Intelligente Pattern und Cloud ready


Die Modelle des PureSystems verkörpern das neue “Expert Integrated Systems”-Konzept von IBM. Diese neue Produktfamilie mit integriertem Expertenwissen soll eine integrierte Alternative gegenüber dem heutigen Enterprise-Computing-Modellen bieten.

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Kommentar zu: IBM PureSystems-Familie: Intelligente Pattern und Cloud ready
16.04.2012 11:24

Sind die neuen Cloud Appliances Fluch oder Segen?
von: Andreas Zilch

IBM hat in dieser Woche eine „new family of expert integrated systems“ – IBM PureSystems – angekündigt. Die ersten beiden Produkte dabei sind IBM PureFlex und IBM PureApplication. Experton Group hatte dieses Announcement erwartet, da es ähnlichen Ankündigungen von Cisco und HP, aber auch Oracle und SAP folgt.

Im Grunde geht es um eine neue Generation von „Private Cloud Appliances“ (diesen Begriff haben wir soeben erfunden), welche Server, Storage, Connectivity und einen Software/Middleware Stack vereinen sowie für diesen gesamten Stack optimiert sind.

Bei IBM sollen die Systeme „integrierte Expertise“ haben, die die Einfachheit einer Appliance mit der Elastizität der Cloud und der Flexibilität von herkömmlichen Server-/Storage-Systemen vereint – ein sehr hoher Anspruch. Das IBM PureFlex System stellt eine Infrastruktur-Lösung dar, welche neben Servern (x oder p) und Storage (Storwize) noch eine Cloud-Management-Schicht beinhaltet. Dieses System kann also mit IaaS verglichen werden; für die Middleware- und Application-Schicht ist der Kunde verantwortlich.

IBM liefert hierzu Patterns und Images, um die Integration und das Tuning zu vereinfachen. Deutlich weiter geht die Integration bei den PureApplication Systems, die mit einer PaaS- bzw. sogar SaaS-Lösung vergleichbar sind. Hier stellt IBM noch weitere integrierte Middleware-Komponenten (DB2, Websphere) zur Verfügung. Von ISVs werden über das PureSystems Center bereits über 100 für das System optimierte Business-Applikationen zur Verfügung gestellt.

IBM stellt in dem Announcement die Vorteile der Systeme heraus – insbesondere die integrierte Optimierung der Systeme, verbesserte Konsolidierungsmöglichkeiten und potenziell leichtere Einbindung in die Cloud. Diese Vorteile adressieren tatsächlich derzeitige Probleme bei vielen Anbietern im Data Center.

Allerdings haben diese Vorteile auch eine Kehrseite – gerade bei den PureApplications-Systemen, die die größten Vorteile bringen, entsteht auch die größte Abhängigkeit. Nicht nur bei IBM begibt man sich mit diesem Konzept wieder in eine proprietäre Umgebung. Irgendwie erinnern die Konzepte ein wenig an „AS/400-Revival“ – ein komplettes, integriertes und optimiertes System, dass einfach zu verwalten und zu betreiben ist.

Die Anbieter haben natürlich ein hohes Interesse, solche Systeme anzubieten, da eine klare Wettbewerbsdifferenzierung und potenziell höhere Margen möglich sind. Für Anwender sind Vorteile möglich; im Fall der IBM PureSystems insbesondere, wenn das Data Center heute schon auf Websphere und DB2 standardisiert ist. Allerdings ist dies in relativ wenigen Fällen die Realität, oftmals herrscht Applikations-getrieben eine starke Heterogenität. Gerade im Datenbank-Bereich werden die meisten Anwender Oracle und Microsoft SQL Server unterstützen müssen. Und gerade in diesen gemischten Umgebungen kann der Vorteil zu einem Nachteil werden, denn die neue Generation von Private Cloud Appliances erhöht zunächst die Komplexität, da ein weiteres System hinzukommt.

Das wichtigste für die Anwender ist also eine klare Standardisierungs-Strategie – einfacher gesagt als getan, da die existierende Applikationslandschaft hier nachhaltig kontraproduktiv wirkt.
Die Herausforderung ist also, ausgehend von der Ist-Situation einen realistischen Weg zu einem höheren Standardisierungsniveau zu definieren und kontinuierlich umzusetzen.
Die Private Cloud Appliances – egal von welchem Hersteller, können dabei ggf. unterstützen, eine Alternative ist aber auch, eine geeignete Middleware-Schicht selbst zu definieren. Damit ist dann der Integrationsaufwand höher, es sind aber Vorteile bei Offenheit und Flexibilität zu verzeichnen.
Insgesamt ist die IBM-Initiative die umfassendste und kompletteste am Markt.

Neben den unbestreitbaren Vorteilen müssen aber auch die Nachteile gesehen und bewertet werden.

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5 Fragen nach PureSystems - 5 Antworten
30.04.2012 09:38

von: Wolfgang Schwab, Analyst der Experton Group
Nach dem Beitrag von Andreas Zilch, Vorstand und Lead Advisor der Experton Group, im ICT-Newsletter Nr. 15 vom 13. April 2012 zum Thema PureSystems, erreichten uns diverse Fragen, deren Beantwortung von generellem Interesse ist. Diese Fragen beantworte ich gerne wie folgt:

1. Frage: Welches Know-how in IT-Abteilungen der Anwenderunternehmen ist durch den Einsatz von integrierten Komplettsystemen – ob von IBM, Cisco, HP, Oracle, SAP - künftig (noch) nötig, welches überflüssig?

Antwort: Insbesondere bei Anwendern mit eher durchschnittlichen Anforderungen fällt das Tuning von einzelnen Systemen weg. Unberührt hingegen bleibt das Tuning über Systemgrenzen hinweg, insbesondere wenn integrierte Komplettsysteme mit traditionellen Komponenten interagieren sollen. Hier entstehen im Zweifelsfall sogar neue Herausforderungen, da das Tuning von Standard-Komponenten bekannt ist, die Anpassung von integrierten Komplettsystemen hingegen eher nicht.
Bei Anwendern mit High-End-Anforderungen hinsichtlich der Systemleistung kommen derartige integrierte Komplettsysteme eher weniger zum Einsatz, da hierfür die High-End-Modelle geeigneter sind.

2. Frage: Welches Spezial-Know-how ist bei Anwenderunternehmen mit ihrer oftmals applikationsgetriebenen starken Heterogenität für den Einsatz von PureSystems nötig?

Antwort: Für den Einsatz von PureSystems ist zunächst kein Spezial-Know-how erforderlich, das über das meist vorhandene Wissen über die Anwendungen, die Middleware und die eingesetzten IBM-Server hinausgeht. Im Wesentlichen sollten IT-Abteilungen, die bislang entsprechende IBM-Technologien eingesetzt haben, weiterhin gut aufgestellt sein, sofern keine High-End-Anforderungen bestehen. Andernfalls wird es notwendig sein, die PureSystems-Details zu kennen um gegebenenfalls selbst nachtunen zu können.

3. Frage: Wie weit sind Experten gerade für eine Integration hinsichtlich des Datenbank-Bereiches mit Oracle und Microsoft am Personalmarkt vorhanden? Welches Know-how ist hierfür gefragt?

Antwort: Gefragt sind einerseits absolute Spezialisten, die das Datenbank-Design (Tabellen, Schlüssel, Relationen etc.) übernehmen können, und andererseits absolute Spezialisten, die die Optimierung Datenbank – Middleware – Storage / Server bewerkstelligen können. Beide Gruppen werden von den Herstellern in langwierigen Schulungs- / Zertifizierungsverfahren ausgebildet und sind auf dem Personalmarkt quasi nicht verfügbar. Gleichzeitig brauchen aber auch die wenigsten Unternehmen derartige Mitarbeiter auf Dauer. Die Einstellung derartiger Personen würde in der Regel auch das Gehaltsgefüge sprengen. Entsprechend werden diese Personen als Berater für einzelne Tage bis wenige Wochen beauftragt.

4. Frage: Welche Integrations-Spezialisten sind notwendig, wenn ein Anwenderunternehmen die Middleware-Schicht selbst definieren möchte?

Antwort: Dieses Vorgehen ergibt aus unserer Sicht keinen Sinn. Entweder ein Anwender entscheidet sich für das traditionelle Modell bestehend aus Server, Storage, Virtualisierungsschicht, Betriebssystem, Middleware und Anwendung, oder es greift zu integrierten Komplettsystemen. In einem integrierten Komplettsystem die Middleware zu tauschen ist zwar vermutlich machbar, eliminiert aber sämtliche Vorteile der Integration.

5. Frage: Wie weit sind Technologie- und Transformationspartner sowie ISVs mit Entwicklern für PureSystems-Business-Applikationen ausgestattet?

Antwort: Die Systeme basieren auf Standard-Komponenten, die lediglich integriert verkauft werden und für die es zu einer wachsenden Anzahl von Anwendungen entsprechende Optimierungseinstellungen gibt. Dieses Wissen wird von IBM und seinen Partnern zusammengestellt und angeboten.
Der einzelne ISV oder Technologiepartner kann zusätzlich eigene Templates entwickeln und diese Anwenderkunden anbieten. In der Praxis wird sich dabei aber zeigen, dass es sehr viel Consulting- und Projekterfahrung benötigt, um derartige Optimierungstemplates zu erstellen. Reine ISVs dürften damit überfordert sein; Systemhäuser und Implementierungspartner hingegen sollten sehr gut für dieses zusätzliche Geschäft gerüstet sein.

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