Keine Endzeitzsenarien, keine Sozialromantik sondern Wirtschaftlichkeit

EVP Vera Schneevoigt über ihre Aufgabe und Fujitsu in Deutschland

| Redakteur: Ulrike Ostler

Die Produktion von Computern in Deutschland ist einzigartig und eine ständige Herausforderung, immerhin war der Standort schon mehrfach in den roten Zahlen. Mitarbeiter, Partner aber auch die Region, die Politik erwarten, dass Sie das Werk, Forschung und Entwicklung in Deutschland erhalten.

Einzigartig in Europa: Das Fujitsu-Werk in Augsburg

Vom Design bis zum konfigurierten Computer und kompletten RZ

Einzigartig in Europa: Das Fujitsu-Werk in Augsburg

14.07.14 - Das Werk von Fujitsu in Augsburg ist das letzte seiner Art in Deutschland. Hier wird noch richtig Computerhardware nicht nur entwickelt, sondern auch nach dem Stand der Technik produziert – zu Kosten, die mit den Fertigungsstätten in China mithalten können. lesen

Vera Schneevoigt: Mein Handeln ist nicht sozialromantisch, sondern knallhart wirtschaftlich bestimmt. Es ist unmöglich, auf ewig zu versprechen: Der Standort bleibt erhalten. auch wenn das eines meiner wichtigsten Ziele ist. Dies funktioniert nur, wenn wir profitabel sind.

Ich sehe vier Aufgabengebiete für mich:

Erstens: Die Kommunikation – ich möchte vermitteln, was Fujitsu-Technik ausmacht, was die Produktion in Augsburg und Deutschland bedeutet und schafft sowie für was das japanische Unternehmen Fujitsu steht. Wussten Sie beispielsweise, dass wir einen weltweit Verantwortlichen für Social Responsibility haben und die ethischen Grundsätze bis hinein in unsere Vertragsgestaltung reichen? Oder dass wir einen Sustainability Officer haben, für Umweltschutz und ressourcenschonendes Arbeiten.

Hier im Werk zum Beispiel haben Mitarbeiter bei einem Ideenwettbewerb vorgeschlagen, dass wir, um Energie zu sparen, nur jede zweite Deckenlampe in den Hallen anschalten und die Arbeitsplätze, wo es notwendig ist, mit LED-Leuchten ausstatten. Das schon nicht nur die Umwelt, sondern spart pro Jahr und Halle rund 50.000 Euro. Der Start der Aktion ist noch nicht einmal zwei Monate her.

Ergänzendes zum Thema
 
Kurzbiographie Vera Schneevoigt

Zweitens: Alle Mitarbeiter müssen globaler denken lernen und die Vernetzung der Welt erkennen und in Ihren Verantwortungsbereich integrieren.

Jeder, oder nur das Management?

Vera Schneevoigt: Nein, das Wissen gehört in jede Ebene. Es geht beispielsweise um Einfuhr- und Ausfuhrrechte in jedem Land, darum, wie Garantien in jedem Land gehandhabt werden, um Zertifizierungen für die verschiedenen Märkte ….

Drittens: Außerdem geht es um Innovationen in Bezug auf Technik und Produkte, die zusammen mit den japanischen Kollegen das Unternehmen nach vorne bringen, um als Nummer 1 in der IT wahrgenommen zu werden.

Viertens: Und schließlich geht es darum, das Unternehmen wirtschaftlich zu führen, zu schauen, wie teuer die Prozesse sind und die richtigen Handlungsfelder zu identifizieren, die dafür geeignet sind, Kosten zu sparen.

„Ich bin keine Sozialromatikerin“, betont Schneevoigt.
„Ich bin keine Sozialromatikerin“, betont Schneevoigt. (Bild: Ulrike Ostler)

Apropos Kosten: Sie beschäftigen Leiharbeiter. Das klingt eher nach Ausbeutung, denn nach Wertschöpfung und ethischen Grundlagen.

Vera Schneevoigt: Wir beschäftigen Leiharbeiter wegen der Expertise, zum Beispiel im Offshore, und wegen der Kosten, etwa in Bereichen mit geringwertiger Ausbildung, mit regionalem Bezugsraum. Denn dadurch ist es schlichtweg einfacher, vor allem in der Produktion agil zu handeln.

Zwar ist selbstverständlich eines der Ziele, so viele Mitarbeiter wie möglich fest anzustellen. Allerdings kann sich in Deutschland kein Unternehmen Mitarbeiter leisten, die Leerlauf haben.

Zudem gibt es keine Möglichkeit , die eigenen Mitarbeiter hoch und `runter zu stufen. Das sieht die Tariflandschaft in Deutschland nicht vor. Letztlich bin ich mit Leiharbeitern flexibler. Doch anders als in anderen Unternehmen gilt bei uns der Grundsatz einer fairen Gleichbehandlung. So erhalten auch Leiharbeiter Boni, wie die Festangestellten – wir setzen die Vorgaben des equal pay um.

Auch für das Ausphasen der Mitarbeiter ins Rentnerleben werden wir Neues ausprobieren wollen und müssen. Es soll eine Art „Rentner-GmbH“ geben, in der Mitarbeiter, die im Rentenalter sind, weiterarbeiten – freiwillig, versteht sich – so viel wie sie können und wollen. Damit wollen wir unter anderem eine Gelegenheit schaffen, dass sie in befristeten Projekten ihr Wissen an Junge weitergeben beziehungsweise diese anleiten. Bei Bosch, der Otto Gruppe und Daimler gibt es bereits Ähnliches.

Sie haben die Innovationskraft angesprochen. Die ITK-Branche verzeiht Fehlentscheidungen kaum und Langsamkeit gar nicht.

Vera Schneevoigt: Ja, ja! Man sieht es an den Firmen Blackberry, Microsoft, Nokia und Apple. Letztere war weg und ist nun stärker als zuvor wieder da … Das Auf und Ab ist in allen Branchen die Regel nur: In der IT:Branche ist das brutal … Intern müssen wir daher kontinuierlich weiter daran arbeiten, den Wirkungsgrad unserer Prozesse zu erhöhen, das Feedback unserer Kunden und Partner weiterhin in neue Entwicklungen einfließen zu lassen, sowie unsere Kooperationen insbesondere mit Hochschulen zu intensivieren.

Sie haben schon zweimal einen Standort schließen müssen. Also: Butter bei die Fische! Für wie lange sehen Sie die Computerfertigung von Fujitsu in Deutschland gesichert?

„Zurzeit bin ich die Ameise unter dem Supermikroskop“, so Schneevoigt.
„Zurzeit bin ich die Ameise unter dem Supermikroskop“, so Schneevoigt. (Bild: Ulrike Ostler)

Vera Schneevoigt: Das hängt nicht von mir ab. Die Entscheidung wird in Japan gefällt.

Doch ich beteilige mich nicht an Endzeitzsenarien …. Gefühlt ist die Produktion der am meisten gefährdete Bereich. Doch hier gibt es derzeit keine Probleme – und auch die nächsten Jahre nicht, sollten die Kosten nicht explodieren und vertriebs- sowie tarifpolitisch alles im Griff bleibt.

Mein Vorgänger Heribert Göggerle hat hier vorbildliche Arbeit geleistet. Das schafft mir Freiraum.

Außerdem hat die hiesige Produktion dem Konzern stark geholfen, als nach der Naturkatastrophe – einem Beben, gefolgt von einem gewaltigen Tsunami und dem Tod von fast 19.000 Menschen sowie der Zerstörung des Atomkraftwerks Fukushima – die japanische Fertigung erheblich eingeschränkt war. Damals, 2011, war der deutsche Zukauf erst drei Jahre im Konzern. Diese Hilfe hat sicherlich unser Ansehen und die Position gestärkt.

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Der Link in dem Kommentar vom 27.07.2014 13:49 zum Mitarbeiterblog muss...  lesen
posted am 29.07.2014 um 08:07 von Unregistriert

Da fragt sich die Belegschaft von Fujitsu in Deutschland, wo gerade dieser „Verantwortliche für...  lesen
posted am 27.07.2014 um 13:49 von Unregistriert


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