Darknet- und Bitcoin-Missbrauch

EU-weites Blockchain-Konsortium zum Kampf gegen Cyber-Kriminalität gegründet

| Redakteur: Sebastian Gerstl

Bitcoins, eine der bekanntesten Anwendungsformen der Blockchain-Technologie, werden häufig zur Verschleierung krimineller Transaktionen oder in Ransomware-Erpressungsfällen wie Locky oder WannaCry missbraucht. Ein internationales Konsortium aus eruopäischenBehörden und Forschunseinrichtungen will diesem Technologie-Missbrauch einen Riegel vorschieben.
Bitcoins, eine der bekanntesten Anwendungsformen der Blockchain-Technologie, werden häufig zur Verschleierung krimineller Transaktionen oder in Ransomware-Erpressungsfällen wie Locky oder WannaCry missbraucht. Ein internationales Konsortium aus eruopäischenBehörden und Forschunseinrichtungen will diesem Technologie-Missbrauch einen Riegel vorschieben. (Bild: Bitcoin Chain IMG_9179BTC Keychain / Flickr / BY 2.0)

Fünfzehn Behörden und Forschungseinrichtungen aus sieben Ländern haben ein europäisches Gemeinschaftsprojekt zum Thema Cyber-Sicherheit gestartet. „Titanium“ soll Kriminelle und Angreifer daran hindern, die Blockchain-Technologie für kriminelle Zwecke einzusetzen, gleichzeitig aber auch die Datenschutzrechte der rechtmäßigen NutzerInnen wahren.

Blockchain ermöglicht es, Datensätze in einem verteilten Netzwerk ohne zentrale Kontrolle zu organisieren. Das stellt somit auch Ermittlungsbehörden vor neue Herausforderungen. Die bekannteste Anwendung der Blockchain ist die Kryptowährung Bitcoin, die zwar eine Reihe legaler Einsatzbereiche bietet, aber auch für kriminelle Zwecke, oft im Zusammenhang mit dem so genannten Darkweb genutzt wird – jenem Teil des Internet, der von Google und anderen Suchmaschinen nicht erfasst wird. So forderten auch die Verantwortlichen hinter dem „WannaCry“-Angriff, der am 12. Mai Computer in 150 Ländern lahmlegte, die Zahlung des Lösegelds in Bitcoin.

Ziel des Titanium (Tools for the Investigation of Transactions in Underground Markets) genannten Projekts ist die Entwicklung technischer Lösungen zur Untersuchung und Bekämpfung krimineller und terroristischer Handlungen im Netz, die mit Hilfe virtueller Währungen und Untergrund-Marktplätze begangen werden. Das dreijährige Projekt mit einem Volumen von insgesamt 5 Millionen Euro wird von der Europäischen Union gefördert.

Entwicklung effizienter und wirksamer Online-Forensik-Tools

Die Tools, die vom Konsortium (darunter vier Strafverfolgungsbehörden und Interpol) entwickelt und implementiert werden, sollen die forensische Analyse krimineller Transaktionen unterstützen, Anomalien in deren Anwendung erkennen und Geldwäschetechniken identifizieren. Darüber hinaus werden die ForscherInnen Schulungen durchführen, um das entsprechende Know-how und Wissen bei den Strafverfolgungsbehörden der EU zu verankern. Weiteres sollen die im Projekt entwickelten Tools und Services bei den Strafverfolgungsbehörden vor Ort getestet und validiert werden, um die Projektergebnisse auf ihren Erfolg und ihre Wirksamkeit hin zu überprüfen.

Projektkoordinator Ross King, Senior Scientist am AIT Austrian Institute of Technology, erläutert: „Kriminelle und terroristische Aktivitäten die im Zusammenhang mit virtuellen Währungen und Darknet-Märkten stehen entwickeln sich rasant und variieren sehr stark, was die technische Ausgereiftheit, Resilienz und anvisierten Ziele betrifft.“

Um diesen Aktivitäten entgegenzuwirken, ist laut King die Entwicklung effizienter und wirksamer Forensik-Tools erforderlich, die unterschiedliche Datentypen aus unterschiedlichen Quellen nutzen können, so unter anderem Register für virtuelle Währungen, Onlineforen, Peer-to-Peer Netze auf Untergrund-Märkten sowie beschlagnahmte Geräte.

Dr. King betont, dass bei der Entwicklung der Tools im Rahmen von TITANIUM ein wichtiges Augenmerk auf den Schutz der Persönlichkeits- und Grundrechte der NutzerInnen gelegt wird. „Das Konsortium wird die rechtlichen und ethischen Anforderungen analysieren und Richtlinien zur Speicherung und Verarbeitung von Daten, Informationen und Erkenntnissen aus strafrechtlichen Ermittlungen entwickeln, ohne die Privatsphäre der Bürgerinnen und Bürger zu beeinträchtigen.“

Folgende Partner sind Teil des Titanium-Konsortiums:

  • AIT Austrian Institute of Technology (Österreich)
  • Bundeskriminalamt (Deutschland)
  • Coblue Cybersecurity (Niederlande)
  • Countercraft S.L. (Spanien)
  • dence GmbH (Deutschland)
  • Universität Innsbruck (Österreich)
  • Interpol (Internationale kriminalpolizeiliche Organisation)
  • Karlsruher Institut für Technologie (Deutschland)
  • Bundesministerium für Inneres (Österreich)
  • Ministerio del Interior (Spanien)
  • National Bureau of Investigation (Finnland)
  • TNO (Niederlande)
  • Trilateral Research Ltd. (UK)
  • University College London (UK)
  • Vicomtech-IK4 (Spanien)

Hinweis: Ursprünglich haben die Kollegen von derElektronik Praxisden Artikel veröffentlicht.

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