Clean Hydrogen Partnership Equinix wächst und investiert in CO2-arme Brennstoffzellen für Datacenter

Von Ulrike Ostler

Beim Rechenzentrumsbetreiber Equinix stehen große Investitionen an. Zum einen wird der Konzern das Projekt Clean Hydrogen Partnership für die Entwicklung CO2-armer Brennstoffzellen, die der Stromversorgung von Rechenzentren dienen, unterstützen. Zum anderen kauft er für 320 Millionen Dollar Mainone: Der Datacenter-Betreiber baut damit eine Rechenzentrums- und Konnektivitätspräsenz in Nigeria, Ghana und der Elfenbeinküste auf, Märkte, in denen Mainone tätig ist.

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Equninix ist Teil eines Konsortiums, das sich im Dezember 2021 gegründet hat und erforschen will, wie Brennstoffzellentechnologie sauberer und für Rechnezentren nutzbar werden kann.
Equninix ist Teil eines Konsortiums, das sich im Dezember 2021 gegründet hat und erforschen will, wie Brennstoffzellentechnologie sauberer und für Rechnezentren nutzbar werden kann.
(Bild: akitada31 auf Pixabay)

Clean Hydrogen Partnership soll als Nachfolgeorganisation des Fuel Cells and Hydrogen Joint Undertaking (FCH JU) die Entwicklung und Verbesserung fortschrittlicher sauberer Wasserstofftechnologien beschleunigen. Sie baut auf der 13-jährigen Zusammenarbeit zwischen dem öffentlichen und dem privaten Sektor im Rahmen des FCH JU auf und soll dazu beitragen, dass innovative Technologien die Versuchsphase verlassen und von Industrie, Unternehmen und Verbrauchern zum Nutzen Europas eingesetzt werden können. Die drei Mitglieder der Partnerschaft sind die Europäische Kommission, die Brennstoffzellen- und Wasserstoffindustrie, vertreten durch Hydrogen Europe, und die Wissenschaft, vertreten durch Hydrogen Europe Research.

Nun hat Clean Hydrogen Partnership ein Konsortium aus sieben Organisationen ausgewählt, eine Brennstoffzellenplattform zu entwickeln, die weltweit eine klimafreundlichere Zukunft für Rechenzentren können soll. Durch entsprechende Technik sollen die CO2-Emissionen aus dem Betrieb um bis zu 100 Prozent reduziert werden. Das Projekt trägt die Bezeichnung „Eco Edge Prime Power“ (E2P2) und ist eine neue Proof-of-Concept-Initiative zur Entwicklung und Erprobung von Brennstoffzellen mit geringer Umweltbelastung, die wirtschaftliche und belastbare Lösungen für die Primärenergieversorgung von Rechenzentren bieten. Es wird zum Teil durch Zuwendungen der Clean Hydrogen Partnership in Höhe von 2,5 Millionen Euro im Rahmen des Programms „Horizon 2020“ der Europäischen Kommission finanziert.

Das neu gegründete Tech-Konsortium besteht neben Equinix aus Infraprime, RISE, Snam, Solidpower, Tec4fuels und Vertiv. Tec4fuels-Managing Director Klaus Lucka erläutert die Rolle seiner Organisation: „Tec4fuels ist ein Kompetenzzentrum für nachhaltige flüssige und gasförmige Energieträger (Kraftstoffe) und Betriebsstoffe in technischen Systemen. Für den Betrieb der Brennstoffzellen bringt das Unternehmen sein Know-how bei der Bereitstellung und Aufbereitung des Prozessgasmediums und des Wassers in das Forschungsprojekt ein. Darüber hinaus entwickelt Tec4fuels ein sensorbasiertes Fluid Condition Monitoring System zur Überwachung der Gas- und Wasserqualität. Ziel ist es, einen Beitrag zur Reduzierung der anlagenbedingten Treibhausgasemissionen zu leisten, indem die Betriebssicherheit und Lebensdauer der technischen Komponenten optimiert und die Effizienz dieses Teilsystems erhöht wird.“

Für eine 'grünere' Zukunft

Das Konsortium wird mit Organisationen kooperieren, die an der Entwicklung von europäischen Best Practices und Standards arbeiten, um die Entwicklung übergeordneter Konzepte und die Definition von Schnittstellen zu erleichtern. Dabei stehen die Ziele des E2P2-Projekts im Einklang mit denen der Europäischen Kommission, die Anwendung von Brennstoffzellen zur Deckung des Bedarfs energieintensiver Sektoren zu beschleunigen und gleichzeitig ein grüneres Netz zu schaffen.

Mit E2P2 sollen mehrere Umweltziele erreicht werden, unter anderem die Demonstration eines praktischen Konzepts für eine CO2-arme Stromversorgung rund um die Uhr, die nicht auf Dieselgeneratoren angewiesen ist und die wachsende Wirtschaft mit Wasserstoff und erneuerbaren Energien in Europa unterstützt. Ziel ist es, die herkömmliche Stromversorgung und Generatoren durch die neuen Einheiten zu ersetzen, wobei zusätzliche Redundanzen eingebaut werden, um die Betriebszeitstandards einzuhalten.

Konkret geht es um die Integration von Festoxid-Brennstoffzellen (SOFC) mit unterbrechungsfreier Stromversorgung (USV) und Lithium-Ionen-Batterien, beziehungsweise deren Erforschung. Die Einführung von Erdgas-SOFC als Hauptstromanwendung wird den Weg für den Einsatz von grünem Wasserstoff für Brennstoffzellen sowohl für Backup- als auch für Hauptstromsysteme ebnen.

Gas- und Festoxid-Brennstoffzellentechnologie

Solidpower-CTO Massimo Bertoldi: „Solidpower ist stolz darauf, mit seiner eigenen Festoxid-Brennstoffzellentechnologie und seinen Systemen zum E2P2-Projekt beizutragen. Wir glauben fest an den Einsatz von Brennstoffzellengeneratoren für die Hauptstromversorgung in Rechenzentren, da sie eine einzigartige Kombination aus Energieeinsparungen und hoher Zuverlässigkeit der Stromversorgung bieten.“

Als Begründung für das E2P2-Engagement nennt Equinix, dass es als globales Unternehmen für digitale Infrastruktur mit einer zukunftsorientierten Nachhaltigkeitsstrategie sich das langfristige Ziel gesetzt hat, bis 2030 weltweit klimaneutral zu werden und 100 Prozent erneuerbare Energien an seinen gesamten globalen Standorten zu nutzen. Das Projekt ist also Teil der Bestrebungen des Unternehmens, die Entwicklung sauberer, nachhaltiger und erneuerbarer Energielösungen für die Anwendung in der gesamten Rechenzentrumsbranche zu priorisieren und zu unterstützen und gleichzeitig die eigenen ehrgeizigen Klimaziele zu verfolgen.

Justin Dustzadeh, Chief Technology Officer bei Equinix, sagt: „Der Chief Technology Officer (CTO) bei Equinix hat die Aufgabe, die nächste Generation von Technologien und Designs voranzutreiben, um Platform Equinix weiterzuentwickeln. Eine Schlüsselkomponente unserer Vision ist es, unsere Lösungen bereitzustellen und gleichzeitig unsere wichtigen Nachhaltigkeitsverpflichtungen zu erfüllen. Das E2P2-Projekt erlaubt es uns, eine neuartige Architektur für die Stromerzeugung, -verteilung und -speicherung zu demonstrieren, einen breiteren Übergang von Erdgas zu nachhaltigem Wasserstoff zu unterstützen und unser Ziel eines klimaneutralen Geschäftsbetriebs bis 2030 zu verwirklichen.“

Erfahrungen und Erfolge

Tatsächlich verfügt Equinix bereits über umfangreiche Erfahrungen mit Brennstoffzellenplattformen in Nordamerika - unter anderem hat das Unternehmen 15 Rechenzentren im Silicon Valley, in Los Angeles und New York mit Brennstoffzellen betrieben. Equinix wird seine Erfahrung und sein Team nutzen, um die experimentelle E2P2-Brennstoffzellenplattform in einem seiner Rechenzentren in Mailand (Italien) einzusetzen und zu testen. Das Team wird an der Entwicklung eines kommerziell nutzbaren Produkts arbeiten, das eine umweltfreundlichere Zukunft für Rechenzentren in ganz Europa und der Welt ermöglichen wird.

Clean Hydrogen Partnership selbst kann bereits auf Erfolge verweisen. So erläutert Bart Biebuyck, Executive Director des Projekts: „Mit ihrer kontinuierlichen Unterstützung der Forschung und Entwicklung von Brennstoffzellen für stationäre Anwendungen ist es der Clean Hydrogen Partnership (vormals FCH JU) gelungen, eine solide Grundlage für die europäische Industrie zu schaffen, die bei der Einführung neuer Technologien führend ist. Wir sind stolz darauf, dass das E2P2-Projekt saubere, brennstoffzellenbasierte Anwendungen für die Dekarbonisierung von Rechenzentren in einem starken Konsortium aus Brennstoffzellenanbietern, Systemintegratoren sowie Betreibern von Rechenzentren und Energieversorgern bereitstellen wird. Projekte wie E2P2 sind absolut unverzichtbar, wenn es darum geht, Lösungen für die Erschließung von Märkten mit großem Potenzial anzubieten und einen Beitrag zu unseren ehrgeizigen EU-Klimazielen zu leisten.“

Brennstoffzellen gelten als sauberere und leisere Lösungen für die Stromversorgung, die den Bedarf an städtischen Stromnetzen verringern kann. Sie können auf dem Campus eines Rechenzentrums eingesetzt werden und mit Erdgas, Biogas, Flüssiggas oder grünem Wasserstoff betrieben werden, der über bestehende Gasnetze transportiert und verteilt werden kann.

Das E2P2-Projekt ist ein wichtiger Schritt hin zu einer erheblichen Reduzierung des CO2-Ausstoßes, wobei die Anforderungen an eine hoch belastbare kritische Stromversorgung für Rechenzentren weiterhin erfüllt werden. Im Mittelpunkt dieser Vision steht ein marktorientierter Ansatz, der Interessengruppen einbindet, um die Akzeptanz und Akzeptanzmöglichkeiten von stationären Brennstoffzellen als zuverlässige, effiziente und dezentrale Energiequellen für andere industrielle Anwendungen zu maximieren.

Das Konsortium hofft, den maßgeblichen offenen Standard für Brennstoffzellenanwendungen zu entwickeln, um den Weg für die Kommerzialisierung von Brennstoffzellenenergie für Rechenzentren in Europa zu ebnen und so die potenzielle Rolle der Branche bei der Erreichung der EU-Ziele zur CO2-Reduktion zu demonstrieren. So führen Susanna Kass und Alberto Ravagni, Mitbegründer, Infraprime, aus: „Der E2P2-Standard für saubere Energie ist ein Wendepunkt für saubere Cloud-Anbieter, um eine kohlenstoffneutrale (positive) Cloud-Infrastruktur auf globaler Ebene zu erreichen. Infraprime ist stolz darauf, bei diesem Projekt zur Schaffung eines offenen Industriestandards federführend zu sein, um die weltweite Einführung von Eco-Edge-Prime-Energielösungen mit Brennstoffzellen in sauberen Cloud-Infrastrukturen zu unterstützen, um Industrien und Anwendungen im Hyperscale-Bereich zu fördern.“

Jon Summers, wissenschaftlicher Leiter für Rechenzentren beim Research Institute Sweden, ergänzt: „Dieses Jahrzehnt ist unbestreitbar darauf ausgerichtet, eine ökologisch nachhaltige Zukunft zu schaffen. Wir alle wissen, dass Digitalisierung und Rechenzentren Schlüsselelemente dieser Zukunft sind, in der Innovation das Herzstück auf dem Weg zu unseren globalen 2030-Zielen ist. Als Forscher bei RISE sind wir sehr daran interessiert, ein fester Bestandteil des E2P2-Teams zu sein, die technologische Entwicklung voranzutreiben und neue nachhaltige Ansätze für die Energieversorgung der zukünftigen digitalen Infrastruktur transparent zu machen.“

Cosma Panzacchi, Executive Vice President Hydrogen, Snam: “Das Konzept, Brennstoffzellen an Gasnetze anzuschließen, um zuverlässige Rechenzentren in Städten und Randgebieten mit Strom zu versorgen, macht eine Notstromversorgung in solchen Gebieten überflüssig und reduziert so die Emissionen und die Lärmbelastung. Dieses Projekt ist Teil der Bemühungen von Snam, den Einsatz von Wasserstoff zur Dekarbonisierung von Wirtschaftssektoren zu fördern, indem bestehende Gasnetze und nachhaltige Technologien wie wasserstofftaugliche Brennstoffzellen genutzt werden.“

320 Millionen für Mainone

Equinix hat Pläne zur Übernahme von MainOne für einen Unternehmenswert von 320 Millionen Dollar bekannt gegeben. Charles Meyers, Präsident und CEO von Equinix, sagt: „Die Übernahme von Mainone ist für Platform Equinix ein entscheidender Einstieg in den weitläufigen und schnell wachsenden afrikanischen Markt. Die führende Position von Mainone im Bereich Interconnection und das erfahrene Management-Team sind entscheidende Faktoren in unserem Bestreben, der führende neutrale Anbieter von digitaler Infrastruktur in Afrika zu werden.“ Das Wachstum des Datenverbrauchs in Afrika gehöre zu den schnellsten der Welt.

Nach Abschluss der Transaktion wird der Unternehmenswert von Mainone in Höhe von 320 Millionen Dollar voraussichtlich zu Equinix' bereinigtem Betriebsergebnis (AFFO) beitragen, ohne Berücksichtigung der Integrationskosten. Bis jetzt erwirtschaften die Einrichtungen von Mainone einen Jahresumsatz von rund 60 Millionen Dollar, so dass der Kaufpreis ungefähr dem 14-fachen des Gewinns vor Zinsen, Steuern und Abschreibungen (EBITDA) entspricht.

Doch Eugene Bergen, President EMEA bei Equinix, betont, Equinix habe den afrikanischen Markt schon lange im Blick: „Die Expansion in Afrika ist seit langem eine strategische Priorität für uns. Mit Mainone haben wir ein Unternehmen gefunden, das nicht nur über hochkomplementäre Rechenzentrums- und Konnektivitäts-Assets verfügt, sondern auch die Expansion unseres Geschäftsmodells und unserer Wachstumsziele weiter bes

Funke Opeke, jetzige CEO von Mainone, hat das Unternehmen 2010 gegründet.
Funke Opeke, jetzige CEO von Mainone, hat das Unternehmen 2010 gegründet.
(Bild: Mainone)

Das Portfolio von Mainone, das 2010 von CEO Funke Opeke gegründet wurde, umfasst drei Rechenzentren, von denen ein weiteres im Bau ist und im ersten Quartal 2022 eröffnet werden soll. Diese Einrichtungen werden Equinix um mehr als 64.000 Quadratmeter Fläche erweitern, zusätzlich zu 570.000 Quadratmetern Land für zukünftige Erweiterungen.

Darüber hinaus besitzt und betreibt Mainone ein 7.000 Kilometer langes Unterwassernetz von Nigeria nach Portugal sowie ein 1.200 Kilometer langes zuverlässiges terrestrisches Glasfasernetz in den Bundesstaaten Lagos, Edo und Ogun. Darüber hinaus erstreckt sich die Konnektivität zu terrestrischen Standorten über 65 Präsenzpunkte in Städten in Portugal, Nigeria, Ghana und der Elfenbeinküste.

Das bestehende Maonone-Management-Team, einschließlich Opeke, wird weiterhin in seinen jeweiligen Funktionen tätig sein. Mainone beschäftigt außerdem rund 500 Mitarbeiter.

Die Transaktion soll bis zum ersten Quartal 2022 abgeschlossen werden, vorbehaltlich der üblichen Abschlussbedingungen und der Zustimmung der Aufsichtsbehörden.

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