„Föderierter“ Vendor-Lock-In

Ein strategischer Blick auf die EMC-Akquisition durch Dell

| Autor / Redakteur: Filipe Pereira Martins und Anna Kobylinska / Ulrike Ostler

Im Kleingedruckten

Dell verdankt den besonderen Trumpf im Ärmel seiner gewieften Juristenabteilung. Das texanische Unternehmen zahlt den EMC-Aktionären „nur“ 24,05 Dollar pro Aktie und verrechnet den Rest - also 9,10 Dollar - in so genannten Tracking-Stocks, also Anteilen, die in diesem Fall vom Wert der (fallenden) VMware-Aktie abhängen und ihren Besitzern keine Stimmrechte gewähren.

Da die VMware-Aktie von 82,09 Dollar auf (zurzeit) 58 Dollar gefallen ist, kommt Dell anscheinend mit einem Schnäppchen davon. Je mehr die VMware-Aktie im Wert fällt, desto günstiger kommt Dell ins Ziel. Doch das ist nicht alles. Laut Vipal Monga vom Wall Street Journal soll der clevere Schachzug mit dem Tracking-Stock Dells heftige Steuernachzahlung in Höhe von satten 9 Milliarden Dollar auf die EMC-Aktionäre auslagern.

Laut Alan Pelz-Sharpe, einem Analysten bei Digital Clarity Group [www.digitalclaritygroup.com], habe sich VMware revanchiert und den kostspieligen Virtuestream-Deal im Joint-Venture mit EMC eben platzen lassen.

Massive Synergie-Effekte, überwiegend überschneidungsfrei

Die Übernahme beschert Dell neben relevanter Technologien auch massive Synergie-Effekte mit minimalen Überscheidungen im Produktportfolio. Dell dürfte künftig Server- und Netzwerkhardware mit Speicherlösungen von EMC kombinieren und in den Markt für konvergente Systeme für Datencenter aufsteigen.

Beim Design der neuen Dell-EMC-Systeme dürften Dells bisherige NOS-Partner (Lieferanten von Netzwerkbetriebssystemen) Cumulus Networks und Big Switch Networks Inc. zum Zuge kommen. Dell setzt Netzwerkbetriebssysteme dieser Anbieter auf Bare-Metal-Switches ein; diese integrieren sich mit VMwares SDN-Plattform NSX, die sich mit der leistungsstarken EMC Service Assurance Suite verwalten lässt. Dell könnte hier in Zukunft mit einer engeren Integration weiter punkten.

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Das Resümee des Autorenduos

Joe Tucci, der Geschäftsführer von EMC, beabsichtigt, nach dem Vollzug der Eingliederung der EMC-Föderation in den Dell-Konzern in den wohlverdienten Ruhestand zu gehen
Joe Tucci, der Geschäftsführer von EMC, beabsichtigt, nach dem Vollzug der Eingliederung der EMC-Föderation in den Dell-Konzern in den wohlverdienten Ruhestand zu gehen (Bild: emc.com)

Es wäre für Dell naheliegend, diese Lösungen via die VCE-Koalition (Virtual Computing Environment) anzubieten. Bisher bestand diese aus VMware, Cisco und EMC. Doch seit Cisco den eigenen Anteil an der Allianz von 35Prozent auf 10 Prozent gesenkt hat, wäre ein völliger Ausstieg von Cisco nicht auszuschließen, meint Shamus McGillicuddy, ein Analyst von Enterprise Management Associates.

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