Auch in der Anbindung von Datacenter ist neutral nicht immer neutral Ein Sixpack an Tipps für ein Carrier-neutrales RZ

Autor / Redakteur: Detlef Spang / Ulrike Ostler

Um die Vorzüge der Carrier-Neutralität wirklich nutzen zu können, muss gewährleistet sein, dass Kunden und Provider dasselbe darunter verstehen. Die folgenden sechs Tipps bieten alles, was ein Rechenzentrumsbetreiber und dessen Kunden zum Thema Carrier-neutrales Rechenzentrum wissen müssen.

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Viele Kabel, viele Provider bedeutet noch keine Ausfallsicherheit der Datenanbindung von Rechenzentren.
Viele Kabel, viele Provider bedeutet noch keine Ausfallsicherheit der Datenanbindung von Rechenzentren.
(Bild: Stephan Tournee/ Fotolia.com)

Für Rechenzentrumsleiter, die über eine Colocation-Strategie nachdenken, muss die Frage der Carrier-Neutralität des Betreibers von großer Bedeutung sein. Das bedeutet: Der Betreiber ermöglicht den Kunden die Wahl beliebiger Carrier oder Netzbetreiber innerhalb des Rechenzentrums.

Dadurch erhalten Unternehmen nicht nur verschiedene Anbindungsoptionen, auch die Geschwindigkeit und Zuverlässigkeit der Datenkommunikation lässt sich so deutlich steigern. Das wiederum schlägt sich in kürzeren Reaktionszeiten und besserer Leistung für Endbenutzer nieder.

1. Qualität geht über Quantität!

Viele Betreiber von Rechenzentren behaupten, dass ihren Kunden eine große Anzahl von Carriern beziehungsweise Netzbetreibern zur Verfügung stehen. Aber sind das auch wirklich immer echte Carrier?

Manchmal wird behauptet, Kunden könnten aus mehr als 100 Carriern auswählen. Tatsächlich aber handelt es sich dabei oft um Serviceprovider, die ein und dieselbe Glasfaserleitung als Zugang nutzen.

Die meisten Unternehmen wünschen sich mindestens zwei eigenständige Carrier, um den Zugang auf eine breitere Basis zu stellen. Bevor Sie also übereilte Entscheidungen treffen, sollten Sie sich fragen: Wie viele Carrier benötige ich tatsächlich, um meine geschäftlichen Anforderungen zu erfüllen?

Man muss wissen, dass Serviceprovider fremde Infrastrukturen nutzen, um vielfältige Dienste an unterschiedlichen Standorten anbieten zu können. Es ist also wichtig zu fragen, wie vielfältig das Angebot an echten Carriern ist.

Carrier stellen das Telekommunikationsnetz beziehungsweise die Verbindungen zum Rechenzentrum bereit. Serviceprovider dagegen nutzen diese Netze, um Telekommunikationsdienste anzubieten.

2. Achten Sie auf Vielfalt!

Auch die Vielfalt der Infrastruktur sollte bei der Entscheidung berücksichtigt werden. Der Betreiber eines Rechenzentrums mag Zugang zu mehreren Carriern haben, aber dieser erfolgt möglicherweise über einen einzigen Zugangspunkt oder ein und dieselbe Verbindung.

Ein Zugangspunkt reicht nicht, wenn ein Rechenzentrum die Datenleitungen sichern will.
Ein Zugangspunkt reicht nicht, wenn ein Rechenzentrum die Datenleitungen sichern will.
(Bild: Suprijono Suharjoto / Fotolia.com)

Dabei muss man wissen, dass ein Zugang über nur eine Verbindung bedeutet, dass die Anbindung auch komplett von dieser einen Verbindung abhängt und somit nicht sonderlich belastbar ist. Sollte diese eine Verbindung einmal ausfallen, wäre der Zugang zu allen Carriern auf einmal gestört.

Es ist daher sinnvoll, ein Rechenzentrum auszuwählen, dass viele verschiedene Zugangspunkte bietet und Carriern die Möglichkeit gibt, ihre eigene Infrastruktur am Standort zu installieren. Das ist auch dann der Fall, wenn nur ein oder zwei Carrier genutzt werden, um andere zu unterstützen.

3. Setzen Sie auf zukunftssichere Flexibilität!

Denken Sie sowohl an Ihre kurzfristigen als auch an Ihre langfristigen geschäftlichen Ziele. Zurzeit benötigen Sie vielleicht nur zwei Carrier, aber werden Ihre Anforderungen in drei Jahren noch die gleichen sein? Vielleicht wollen Sie dann zu einem anderen Carrier wechseln oder neue Services nutzen?

Sie brauchen also einen Rechenzentrumsanbieter, der nicht nur Ihre aktuellen Anforderungen erfüllt, sondern so flexibel ist, dass er auch Ihren zukünftigen Bedürfnissen gerecht werden kann. Anstatt also eine schnelle Entscheidung zu treffen, mit der Sie dann fünf oder zehn Jahre lang leben müssen, achten Sie lieber darauf, dass Ihr Anbieter ein Angebot bereit hält, dass auch zu Ihrer zukünftige Kommunikationsstrategie passt und bei dem Sie die Wahl der Carrier auch im Nachhinein noch ändern können.

4. Schauen Sie hinter die Kulissen!

Scheuen Sie sich nicht, alles zu hinterfragen, was man Ihnen erzählt. Prüfen Sie den Standort gründlich vor Ort, zum Beispiel die Stromversorgung und die Sicherheitsfunktionen, oder lassen Sie sich sogar zeigen, wo die Glasfaserleitungen entlanglaufen.

Der Autor Detlef Spang rät, auch einmal genauer und vor Ort hinzuschauen.
Der Autor Detlef Spang rät, auch einmal genauer und vor Ort hinzuschauen.
(Bild: Dreef / Fotolia)

Achten Sie auch darauf, dass die wirtschaftlichen Aspekte im Einklang mit den Infrastrukturanforderungen stehen. Vielleicht können Sie zwischen verschiedenen Carriern wählen, aber ermöglicht Ihnen der Vertrag auch, davon wirtschaftlich zu profitieren?

Sie wollen ja schließlich die Möglichkeit haben, zwischen Services zu wechseln, um die Kosten zu senken. Kleine Faktoren wie diese werden bei der Wahl des Rechenzentrums gerne übersehen.

5. Berücksichtigen Sie die Cloud!

Achten Sie darauf, dass der Rechenzentrumsanbieter, für den Sie sich entscheiden, auch in der Cloud Vielfalt und Neutralität anbietet. Neben einem sicheren Ort zur Unterbringung der Infrastruktur und Technologieplattformen von Unternehmen können Rechenzentren auch eine Verbindung zu Cloud-Systemen bereitstellen.

Vielleicht nutzen Sie ja bereits Cloud-Angebote oder sind gerade dabei, einen Wechsel zu Shared Storage in Erwägung zu ziehen. Ein Rechenzentrum, in dem Sie verschiedene Cloud-Services nutzen können, bietet Ihnen da mehr Optionen, beispielsweise eine mögliche Ausweichstrategie für Daten, die nicht über internationale Grenzen transportiert werden dürfen, eine Reduzierung des Risikos oder auch die Flexibilität, sich an ständig ändernde geschäftliche Anforderungen anzupassen.

6. Carrier und Colocation-Anbieter können identisch sein

Einige Colocation-Anbieter verfügen über ein eigenes Netzwerk und über Know-how im Bereich Rechenzentrumsstrategie und Netzbetrieb. Es ist also wichtig, den Wert dieser Erfahrungen nicht zu unterschätzen oder gar völlig außer Acht zu lassen. Rechenzentrumsanbieter mit eigenem Netzwerk stellen nicht nur einen direkten, schnellen und sicheren Zugang zu privaten Netzen bereit, sondern auch Möglichkeiten zur Migration oder Sicherung von Daten in anderen Rechenzentren des Netzwerks. Sie bieten damit auch Lösungen an, mit denen Ihre IT robuster werden kann.

Viele denken, dass diese Provider nur Lösungen eines Carriers anbieten. Das ist aber nicht der Fall. Diese Rechenzentren bieten auch Zugang zu anderen Carriern und garantieren so Neutralität und die damit verbundenen Vorteile für Kunden.

Der Autor:

Detlef Spang ist Executive Vice President Data Center Services bei Colt.

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