Kritik an unberechenbarer und stockender Produktentwicklung

Ein Fork von OTRS entsteht

| Autor / Redakteur: Ludger Schmitz / Ulrike Ostler

Möglicherweise spielt bei diesem Thema der Entwicklung von OTRS der – auf der Cape-Konferenz unausgesprochene – Vorwurf eine Rolle, die Bad Homburger bedienten sich etwas zu freizügig an den Entwicklungsarbeiten von Firmen aus dem OTRS-Umfeld. Diese Entwicklungen sind wie OTRS Open Source, und deshalb darf - und soll sogar - Software wiederverwendet und erweitert werden.

Community-Interessen mißachtet?

Doch es ist ein delikates Vorgehen, wenn damit anderen Unternehmen in einem Software-Umfeld das Geschäft abgegraben wird. Darauf, dass dies bei OTRS geschehen ist, gibt es einen Hinweis von Cape. In einer Pressemitteilung vom Februar 2015 hatten die Chemnitzer diverse Funktionen ihrer Open-Source-Software KIX4OTRS aufgezählt, die sich in der vierten Version von OTRS wiederfanden.

Cape schrieb damals, „in den letzten Jahren“ seien „kontinuierlich“ (also schon seit einiger Zeit und des Öfteren) Funktionalitäten von KIX4OTRS „in die Basis-OTRS-Software“ eingeflossen. Dass dies einvernehmlich oder mit Rücksprache geschah, ist nirgends erwähnt. Cape wertete das im Februar als „Anerkennung unserer Innovationskraft und Pionierarbeit“. Das darf man heute wohl als sarkastisch und Wink mit dem Zaunpfahl verstehen.

Ultima Ratio der Open-Source-Welt

Nun also will Cape sich die Merkwürdigkeiten um OTRS nicht länger bieten lassen und dreht den Spieß um, indem das Unternehmen einen alternativen Entwicklungszweig von OTRS ableitet. Das ist ein Außenstehenden vielleicht merkwürdig erscheinender, in der Open-Source-Welt aber nicht unüblicher Vorgang. Zunächst führt er zu einer Verschärfung bestehender Konflikte, wirkt aber regelmäßig belebend auf die Entwicklung beider Seiten.

Sehr bekannte Forks sind „MariaDB“ und „Icinga“. Die Open-Source-Datenbank MariaDB haben "Monty" Widenius und andere 2009 von MySQL abgeleitet, als erst Sun, dann vor allem Oracle deren Weiterentwicklung verschleppten. Der Fork ist inzwischen von MySQL-Code-Altlasten entrümpelt, erweitert und ebenfalls erfolgreich. Ähnlich lief es, als es bei der Open-Source-Monitoring-Software Nagios nicht mehr recht voranging. Unter maßgeblicher Beteiligung der Nürnberger Netways GmbH entstand ab Mai 2009 der Fork Icinga.

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