Die quelloffene Edge im Zentrum Eclipse Foundation und Open Source auf der Embedded World 2021

Autor / Redakteur: M.A. Jürgen Höfling / Ulrike Ostler

Edge-Computing und IoT werden auch die Datacenter-Struktur ändern und Open-Source-Software wird ein wesentlicher Player bei diesem Paradigmenwechsel. Mike Milinkovich, Executive Director bei der Eclipse Foundation skizzierte auf der „Embedded World 2021“, wohin die Reise gehen könnte.

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Wie der Mond bei der Eklipse die Sonne überlagert, möchte die Eclipse Foundation mit ihrem Open-Source-Angebot die „embedded“-Szenerie überlagern.
Wie der Mond bei der Eklipse die Sonne überlagert, möchte die Eclipse Foundation mit ihrem Open-Source-Angebot die „embedded“-Szenerie überlagern.
(Bild: Bild von bdabney auf Pixabay)

Prozessdatenverarbeitung (OT) und allgemeine Informationsverarbeitung (IT) wachsen zunehmend zusammen und verändern fast schon disruptiv die Rechenzentrumslandschaft. Und der Open-Source-Gedanke ist so zusagen darin „eingebettet“.

Auf der Prozessdatenverarbeitungs-Messe „Embedded World 2021“ (aus gegebenem Anlass in hygienisch gebotener (Netz-)Distanz) wies denn auch Mike Milinkovich, Frontmann der „Eclipse Foundation“ in seiner Keynote darauf hin, welche zentrale Rolle quelloffene Software mittlerweile auch in den Bereichen „Eingebettete Systeme und Edge-Knoten“ spielt.

Bei den Betriebssystemen beispielsweise weisen nach den Angaben von Milinkovich die Open-Source-Player Linux und FreeRTOS im Jahr 2020 ein prozentual höheres Wachstum als Windows auf und die Open-Source-Komponenten speziell aus der Eclipse-Community sind im Embedded-Bereich mittlerweile Legion. Dabei spielt sicher eine wichtige Rolle, dass vor allem die deutschen Autobauer VW und BMW sowie vor allem Bosch als weltweit gewichtiger Allround-Komponenten-Lieferant bei Eclipse stark engagiert sind.

Ein neues „Kubernetes“ an der Edge

Milinkovich wies in seinem Vortrag auf die zahlreichen Open-Source-Entwicklungen im Industrie-4.0-Sektor hin. Beispielhaft nannte er „Eclipse Milo“ als quelloffene Umsetzung des OPC UA-Standards für eine plattformunabhängige service-orientierte Architektur, „Eclipse 4diac“ zur Steuerung von verteilten speicherprogrammierbaren Steuerungen auf der Basis des IEC61499-Standards, Eclipse Kura als Edge-Computing-Framework für den Bau von IoT-Gateways, „Eclipse Dillo“ zur Verwaltung Digitaler Zwillinge oder „Eclipse Kuksa“ als Open-Source-Plattform für die Datenverbindung von Fahrzeug und Cloud-Rechenkapazitäten.

Industrie 4.0 ist laut Milinkovich einer der thematischen Treiber bei quelloffener Prozesdatenverarbeitung. Andere technologische Trigger seien IoT- und Edge-Computing in ihrer Gesamtheit, also beispielsweise auch autonomes Fahren und 5G-Technik, Maschinelles Lernen und Künstliche Intelligenz insgesamt sowie „Distributed-Ledger“-Applikationen, also Blockchain-Anwendungen.

In vier Jahren sollen nach Analysten-Meinung rund 100 Milliarden vernetzte Geräte, also Sensoren, die Daten senden und empfangen, verwaltet werden müssen, referierte Milinkovich. „In der Zukunft werden wir im IoT/Edge-Bereich eine quelloffene Plattform im Stil der Container-Orchestrierungs-Plattform Kubernetes (ebenfalls Open-Source) sehen“, prophezeite der Eclipse-Frontmann.

Open-Source und die Maschinen-Ökonomie

Milinkovich hob in seiner Keynote auch den Paradigmenwechsel hervor, der bei der Motivation zur Nutzung quelloffener Software zu verzeichnen ist. Früher habe die Haupt-Motivation in der Kostenminderung gelegen, heute sei viel eher der Produkt-Mehrwert der ausschlaggebende Grund. Viele Marktteilnehmer hätten erkannt, dass man gemeinsam schneller wertvolle Ergebnisse erzielen können, die jedem einzelnen Unternehmen dann mehr Spielraum und Zeit für Entwicklungen ließen, mit denen man sich danach voneinander abheben könne.

In der künftigen Maschinenwirtschaft, wie sie Milinkovich voraussagt, ist quelloffener Code seiner Meinung nach überlebenswichtig für die Unternehmen. Und man darf hinzufügen: da die „Machine Economy“ vermutlich recht „menschenleer“ daherkommt, ist das gemeinsame Entwickeln und kontinuierliche Verbessern von Programmcode vermutlich der Teil der digitalen Ökonomie, wo es am meisten „menschelt“. Die Transformation der Rechenzentrums-Landschaft zu einer Art Industrie-Park ist jedenfalls in vollem Gang.

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