Red Hat, VMware und Google unterstützen Container-Spezifikation appc

Docker-Konkurrenz CoreOS bekommt namhafte Unterstützer

| Autor / Redakteur: Thomas Drilling / Ulrike Ostler

Der Kampf um die Vorherrschaft bei Containertechnologien ist voll im Gang.
Der Kampf um die Vorherrschaft bei Containertechnologien ist voll im Gang. (Bild: Chunking/ Fotolia.com)

Auf der zum ersten mal in San Francisco stattgefundenen Hausmesse „Core OS Fest“ haben die Macher von Core OS bekannt gegeben, dass Red Hat, VMware und Google ab sofort die hauseigene Container-Spezifikation „App Container Spec“ (appc) und die darauf basierende Core-OS-eigene Container-Engine „Rocket“ unterstützen.

Trotz oder gerade wegen des phänomenalen Aufstiegs von Docker, einschließlich einer wohl nur im Open-Source-Umfeld möglichen beeindruckenden Kapitalausstattung innerhalb von nur zwei Jahren, scheint der Kampf um die Vorherrschaft im Zukunftsmarkt Containertechnik noch lange nicht entschieden.

Dabei ist die Technologie in sich ja nicht neu, erinnert man sich an „Solaris Zones“, „Virtuozzo“, „“„Open VZ“ und „LXC“. Docker gebührt aber das Lob, als erster das Potenzial der bis dato überwiegend bei Hostern zum Isolieren von Betriebssystem-Containern eingesetzten Technik erkannt und auf Apps übertragen und mit einem Ökosystem ausgestattet zu haben, das das Erstellen, Verteilen und/oder Verwenden von App-Container standardisiert und um ein Vielfaches vereinfacht.

Die Erkenntnis jedoch, dass App-Container in Form atomarer Updates künftig generell die Jahrzehnte gepflegte Technik der Aktualisierung von Betriebssystemen einschließlich Apps revolutionieren könnte, ist eine Vision, an der auch maßgeblich Red Hat mitgesponnen hat.

Not only Docker

Docker ist zwar nach wie vor Platzhirsch und kaum ein großer Betriebssystem- und Virtualisierungshersteller kann es sich noch leisten, auch Docker-Support zu verzichten. Die meisten Anbieter bewerten aber inzwischen offenbar tatsächlich das Potenzial von Containertechnik an sich höher, als die Marke „Docker“ und bauen durchaus auch auf die Unterstützung anderer Container-Formate, wieCore-OS Rocket. Der Kampf um die Zukunftstechnologie scheint also keineswegs entschieden.

Das Docker Container-Manifest und appc

Core-OS, ehemals einer der wichtigsten Partner von Docker hatte seine eigene Container-Runtime nach Meinungsverschiedenheiten mit Docker erst im Dezember letzten Jahres eingeführt. Vor wenigen Wochen folgte die eigene, von Google geförderten kommerziellen Container-Cluster-Management-Lösung Tectonic, mit der Core OS Containerverwaltung in Unternehmen salonfähig machen will.

CoreOS siichert sich breite Unterstützung für appc-Spezifikation und Container Runtume Rocket
CoreOS siichert sich breite Unterstützung für appc-Spezifikation und Container Runtume Rocket (Bild: CoreOS)

Zuvor hatte auch Core OS die Docker-Runtime verwendet, wandte sich aber laut Aussage von CoreOS CEO Alex Polvi aufgrund gravierender, prinzipbedingter Sicherheitsmängel ab und kehrte mit seiner appc-Spezifikation wieder zu Dockers ursprünglichem Container-Manifest zurück.

Gleichzeitig übergab Core OS die weitere Kontrolle über appc an die Community, um zu gewährleisten, dass es auch künftig zu keiner Aufweichung der Spezifikationen kommt und erstellte gleichzeitig einen Richtlinienkatalog. Vertreter von Red Hat, Google, Red Hat und Twitter sollen gemeinsam die Offenheit, Sicherheit und Modularität der Spezifikationen überwachen.

Red Hat und die Container-Zukunft

Jetzt haben Red Hat, VMware und Google auf der Core-OS-Hausmesse Ihre weitere Unterstützung für „appc“ und damit indirekt die Rocket-Runtime zugesichert. Laut Aussage des Red-Hat-Entwickler Vincent Batts, einer der Wächter über die appc- Spezifikation, gäbe es eine gemeinsame Verantwortung der führenden Unternehmen im Bereich Container-Technologien, um Fehler der Vergangenheit zu vermeiden und einen offenen Container-Standard anzustreben, ein deutlicher Seitenhieb auf Docker.

Nach Ansicht von Red-Hat-Vertretern stellt Containertechnik die Zukunft von Linux-Betriebssystemen generell dar. Red Hat hatte Docker zwar bereits seit „RHEL 7“ integriert, setzt aber mit „Red Hat Enterprise Linux 7 Atomic Host“ inzwischen auch auf ein eigenes Betriebssystem. Das soll maßgeblich auf atomaren Updates basiert und das Erstellen, Verwenden oder Verteilen von App-Containern im Unternehmen, zum Beispiel mit zertifizierten App-Repositories, sowie mit einer Verbindung von Virtualisierung und Container-Technik besonders sicher machen.

VMware und Container

Doch auch andere Hersteller unterstützen die CoreOS-Technik in vielfältiger Weise. So ist die Core-OS seit März diesen Jahres für „VMware vSphere und VMware vCloud Air“ verfügbar. Vor wenigen Tagen hat VMware mit „Projekt Photon“ sein eigenes Container-Betriebssystem vorgestellt, das ebenfalls Containertechnik und Virtualisierung verbindet.

Canonical und Microsoft

Ubuntu und Microsoft dagegen setzen hinsichtlich Ihrer Container-Strategie nach wie vor maßgeblich auf Docker, wobei Microsoft erst vor wenigen Tagen eine eigene, auf Hyper-V basierende Container-Engine für „Windows Server 2016“ angekündigt hat, das aber wie Red Hat ebenfalls auch Docker-Container unterstützen soll. Bereits jetzt bietet Microsoft ein Image von CoreOS selbst in seiner „Azure“-Cloud an.

Canonical dagegen hat erst vor Kurzem mit „Ubuntu Snappy Core„“ ein eigenes Betriebssystem als Alternative zu CoreOS, Red Hat Atomic und VMware Photon ins Spiel gebracht und will Container und atomare Updates langfristig in Form von Ubuntu Snappy Personal sogar zum Aktualisierungsstandard für Desktop-Ubuntu weiterentwickeln.

Die Schlacht im die Vorherrschaft bei Containertechnologie scheint also trotz der Dominanz von Docker noch lange nicht entschieden.

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