Co-Innovation: Modell Software Factory of the Future bei Telefónica Deutschland

Digitalisierung hebt Partnerschaft von Tech Mahindra und Telefónica auf eine höhere Ebene

| Autor: Ulrike Ostler

In der vergangenen Woche eröffnete Tech Mahindra in München ein "Makers Lab". Es ist das siebte. Der Grund ist die Nähe zum Kunden Telefónica Deutschland.
In der vergangenen Woche eröffnete Tech Mahindra in München ein "Makers Lab". Es ist das siebte. Der Grund ist die Nähe zum Kunden Telefónica Deutschland. (Bild: Tech Mahindra)

„Co-Innovation“ist ein Schlagwort, das der Zwang zur Digitalisierung hervorbringt. Auch bei Telefónica Deutschland ist der Transformationsdruck zu spüren und deshalb soll die Produktivität in der IT und insbesondere in der Entwicklung neuer Services gesteigert werden, verdeutlicht Guido Eidmann, CIO und Vorstandsmitglied beim Telco-Unternehmen. Partner ist etwa Tech Mahindra, nun mit einem „Makers Lab“ in München.

Es ist weltweit das siebte Makers Lab von Tech Mahindra, das sich in Sichtweite von Telefónica im München befindet. Es gehöre zu den Alleinstellungsmerkmalen des Unternehmens, erläutert Vikram Nair, President EMEA bei Tech Mahindra, „dass wir zu 100 Prozent mit unseren Kunden vor Ort zusammenarbeiten, um sie bei der digitalen Transformation zu unterstützen.“

Seit April 2018 arbeitet das IT-Unternehmen mit dem langjährigen Kunden und Partner British Telecom (BT) zusammen, um im Adastral Park Research Campus, Heimat der BT Labs, das erste Makers Lab in Großbritannien zu eröffnen. Zudem sind Labs an vier weiteren Standorten in Indien – in Puna, Chennai, Hyderabad und Bengaluru – sowie eins in Dallas, angekündigt.

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Über Tech Mahindra

Im Makers Lab liegt der Fokus der Forschungs- und Entwicklungsarbeit auf Künstliche Intelligenz (KI), Machine Learning, Robotics, Internet of Things (IoT), Augmented Reality / Virtual Reality, 5G, Software-definierte Netzwerke (SDN) und Quanten-Computing. Tatsächlich können andere Labore einige wegweisende Entwicklungen vorweisen, darunter „Hiro“ (Home Intelligence Robotics), ein mobiler Roboter mit Healthcare-Einheit, für den Tech Mahindra 2017 den Economic Times Award erhalten hat.

Gemeinsam mit Guido Eidmann (r.), CIO und Vorstandsmitglied Telefónica Deutschland, Sugandh Rajaram (m.), Indischer Generalkonsul in München, haben Vikram Nair (l.), MdL Georg Eisenreich 82.v.r.) und Kurt Kapp, stellvertretender Leiter des Referats für Arbeit und Wirtschaft (RAW) der Stadt München, die Niederlassung von Tech Mahindra mit integriertem Makers Lab im Beisein vieler Gäste und der über hundert Mitarbeiter offiziell eröffnet.
Gemeinsam mit Guido Eidmann (r.), CIO und Vorstandsmitglied Telefónica Deutschland, Sugandh Rajaram (m.), Indischer Generalkonsul in München, haben Vikram Nair (l.), MdL Georg Eisenreich 82.v.r.) und Kurt Kapp, stellvertretender Leiter des Referats für Arbeit und Wirtschaft (RAW) der Stadt München, die Niederlassung von Tech Mahindra mit integriertem Makers Lab im Beisein vieler Gäste und der über hundert Mitarbeiter offiziell eröffnet. (Bild: Tech Mahindra)

Im Münchner Labor sind derzeit rund 120 Mitarbeiter als Prozessberater, Solution Architects, Programmierer und Digital Coaches tätig. Innerhalb der nächsten drei Jahre soll sich ihre Zahl mehr als verdoppeln. Dabei will das Unternehmen nicht nur auf Workforce-Import aus Indien setzen, sondern auf Anwerbung durch Personaldienstleister, Austausch mit anderen Niederlassungen, etwa in Düsseldorf sowie Köln, und Rekrutierung unter dem Studenten der technischen Universität München.

Nair dazu: „Wir haben unsere Investition hierlangfristig angelegt und werden in der Region viele qualifizierte Arbeitsplätze schaffen. Mit dem Makers Lab bieten wir zudem ein Technologiezentrum, in dem Start-Ups, Kunden, Partnerunternehmen, Wissenschaftler und Studenten ihre Ideen und Konzepte testen können.“

Amit Kumar Jain, Vice President Tech Mahindra, erläutert den Hintergrund: „Die Digitalisierung zwingt praktisch jedes Unternehmen, sein Geschäftsmodell zu überdenken und gegebenenfalls neu zu gestalten. Damit wir unsere Kunden bei dieser Transformation unterstützen können, haben wir bei uns selbst begonnen und mit der Software Factory of the Future ein Geschäftsmodell für die digitale Zukunft von Tech Mahindra entwickelt. So stellen wir das Software-Business auf eine neue Basis.“

Blueprint und Plattform

Das Makers Lab und die „New Age Delivery Plattform“ bilden die Kernkomponenten des Geschäftsmodells „Software Factory of the Future“, das auch Telefónica Deutschland attraktiv findet. Jain sagt: „Für die erwähnten Technologiebereiche bilden wir ‚Communities of Expertise‘ in der Region“, erklärt. „Unser Ziel ist es, unseren Umsatz in Deutschland so mittelfristig um den Faktor drei steigern.“

Die Plattform New Age Delivery (siehe: Kasten) ist ein Collaboration-Tool, eine „kognitive Plattform“ und ein Marktplatz. Sie zeichnet sich laut Tech Mahindra durch eine Art Gaming-Oberfläche aus, kommt ohne Testen und Downtime aus, erlaubt einen Wiederverwertungsgrad von 40 Prozent und basiert zur Hälfte aus Crowdsourcing. Außerdem ist sie Device-unabhängig.

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Die Basis von New Age Delivery

Die Software Factory ist hingegen gleichermaßen ein Modell, das sich auf neueste Methoden, Tools und Technologien einschließlich Design Thinking, DevOps, Micro-Services, Echtzeit-Analysen, Künstliche Intelligenz (KI), Security und Cloud stützt. Sie soll quasi eine Blaupause für die Digitalisierung darstellen.

Der Kunde Telefónica Deutschland

Tech Mahindra setzt das Modell der Software Factory of the Future jetzt in München bei Telefónica Deutschland um. Das Projekt zielt darauf ab, alle Geschäfts- und Entwicklungsprozesse auf Basis einer schlanken, zukunftsfähigen und skalierbaren Plattform vollständig zu digitalisieren. Telefónica Deutschland-CIO Eidmann, erläutert: „Die Gestaltung und Steuerung des digitalen Self-Service in Kombination mit vollständiger Prozessautomatisierung sind das Herzstück der Digitalisierung und Kernaufgabe der IT.“

Seinen Ausführungen zufolge beruht zwar der Fortschritt und das Wachstum in allen Branchen nach wie vor auf Produktivitätssteigerungen, doch in der Software-Industrie hapere es damit. Betrachte man den Verlauf von 1998 bis 2003, setzte den Prozentsatz zu Beginn bei 100 an, lag der fünf Jahre später bei 95 Prozent. Bis heute ergäbe sich ein jährlicher Produktivitätsverlust von 0,9 Prozent.

Schuld daran sei, dass sich die Entwicklung neue Anwendungen und Services nicht im Mindesten geändert habe. „Da sitzt einer vor seinem Monitor und programmiert – heute wie schon immer “so Eidmann.

Offshoring und Outsorcing ist keine Lösung

Auch die verlängerte Werkbank zu Partnern wie Tech Mahindra habe das Problem nicht lösen können. Wir haben den Anforderungskatalog erstellt, der Partner hat geliefert. Tests seien in dem Prozess viel zu spät erfolgt, Irrtümer, Fehlentwicklungen und -entscheidungen zu spät erkannt. „Was wir bekamen, waren Testfälle. Das aber hält zu lange auf. Außerdem sind über die Zeit die Maintaining-Kosten überproportional gestiegen.“

Das könne sich aber ein Unternehmen, dass bis 2020 ein „mobiler Kunde“ und „digitaler Champion“ sein will, nicht erlauben. „Wir wollen nicht herausfinden, welche Technik für welchen Use Case taugt. Das ist nicht unser Geschäft. Wir brauchen fertige Produkte, keine Baustelle“, so Eidmann.

Umdenken ist gefordert

Es müsse ein Wechsel erfolgen – vom Codieren zu quasi sich selbst entwickelnden Lösungen, unter Umständen mithilfe von Künstlicher Intelligenz, immanentem Bug Fixing, Software, die sich an neue Herausforderungen anpasst, automatischer Verteilung, Verifikation und „alles wieder auf Anfang“. Die Vehikel, über die diese Ziele angesteuert werden könnten, seien DevOps und cloud native, PaaS, KI sowie Automatisierung. „Vieles davon gibt es schon, nicht aber skalierbar für Unternehmen unserer Größe“, sagt Eidmann.

Im Verhältnis zum Partner habe sich vor allem ändern, dass dieser früher in den Prozess der Wertschöpfung einbezogen sein müsse. Telefónica Deutschland wolle der Anbieter mit dem besten Kundenerlebnis im deutschen Mobilfunkmarkt werden. Ein starkes Netz und ein exzellenter Kundenservice mit Self-Service-Funktionen über alle Kundenkontaktpunkte hinweg bildeten dafür die Grundlage.

Wörtlich sagt er: „Die Gestaltung und Steuerung des digitalen Self-Service in Kombination mit vollständiger Prozessautomatisierung sind das Herzstück der Digitalisierung und Kernaufgabe der IT. […] Das Konzept der Software Factory of the Future ist ein vielversprechender Baustein und ein überzeugendes Konzept.“

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