Cloud-Foundry-CTO Chip Childers zur lernenden Organisation

Digitalisierung fordert Kontinuität - im Lernen

| Autor / Redakteur: Chip Childers* / Ulrike Ostler

Chip Childers, CTO der Cloud Foundry Foundation, erläutert wie in Digitalisierungsprojekten vorzugehen ist.
Chip Childers, CTO der Cloud Foundry Foundation, erläutert wie in Digitalisierungsprojekten vorzugehen ist. (Bild: gemeinfrei - PublicDonainPictures/Pixabay / CC0)

Bei der digitalen Transformation dreht sich alles um den Wandel zu einer „lernenden Organisation“. Dennoch liegen zahlreiche Unternehmen oft falsch, wenn sie denken, es handle sich um einen anzustrebenden Endzustand.

Digitale Transformation ist die Neuausrichtung eines Unternehmens durch das Einbeziehen von Technologie, insbesondere Software, zur Erzielung eines Wettbewerbsvorteils. Die zwei Haupttreiber der digitalen Transformation sind im Wesentlichen die sich ständig verändernden Konsumentenerwartungen und die allgegenwärtige Konnektivität.

  • Was die Konsumentenerwartungen betrifft, steht nach wie vor ein hochgradig digitales Erlebnis an vorderster Stelle. Das trifft auch auf B2B-Interaktionen zu.
  • Die allgegenwärtige Konnektivität eröffnet eine Vielzahl von Möglichkeiten sowohl für vernetzte Menschen als auch für die zu vernetzenden physischen Geräte.

Zusammen genommen sind beide Trends in praktisch jeder Branche zu beobachten. Ich bezeichne diesen Makrotrend gerne als die „Digitalisierung der Wirtschaft“.

Zur erfolgreichen Bewältigung der digitalen Transformation müssen Unternehmen sich voll und ganz dem kontinuierlichen Lernen und der Weiterentwicklung ihrer Produkte, Mitarbeiter und Prozesse verschreiben. Dies bedeutet zweierlei: Wissen, wie man seine Teams dazu bringt, sich auf Prioritäten zu konzentrieren, das heißt: Outsourcing von Aktivitäten, auf denen der Fokus nicht liegen sollte, und auf schnelle Feedback-Loops setzen, unter anderem durch DevOps, Agile, Continuous Delivery beziehungsweise Continuous Integration.

Mit anderen Worten: Lernen zu lernen und lernen loszulassen.

Es geht um Unternehmenskultur

Zweifelsohne setzt die digitale Transformation den Einsatz von Technologie voraus, doch sollte Technologie kein Selbstzweck sein. Das Hauptaugenmerk sollte sich auf die Anforderungen der Anwender richten.

  • Welche Produkte haben Sie anzubieten?
  • Wie können Sie die Qualität der Produkte verbessern?
  • Ebnet Technologie den Weg zur erheblichen Wertsteigerung der Produkte?
  • Kann eine Änderung Ihrer Produktionsverfahren zu einer Verbesserung des Reaktionsverhaltens auf sich verändernde Anwenderanforderungen führen?

Die Vorgehensweise

Nachdem die Nutzeranforderungen ermittelt wurden, müssen Unternehmen ihre Mitarbeiter mit ins Boot holen.

  • Anzufangen ist zunächst mit einem kleinen, motivierten, interessierten, tatkräftigen und qualifizierten Team an. Das muss bei der Identifizierung und Herausarbeitung konkreter Verbesserungen unterstützt werden, so geringfügig sie auch sein mögen.
  • Die Teammitglieder sollten so flexibel und unabhängig wie möglich über die für sie effizienteste Vorgehensweise entscheiden und so die Voraussetzungen für Wandel und Innovation schaffen.
  • Sobald sich die ersten Erfolge einstellen, sollten Unternehmen das Team der ersten Stunde um weitere Teams ähnlicher Größe ausbauen.

Brachliegendes Knowhow muss genutzt werden

Tatsächlich sind viele Unternehmen bereits Softwareunternehmen. Allerdings haben sie sich bisher nicht als solche gesehen.

Bei der Vorbereitung auf die Digitalisierung gehen Unternehmen in der Regel davon aus, dass sie zahlreiche neue Spezialisten einstellen müssen. Wenn es sich jedoch ein größeres Unternehmen handelt, dann verfügt es bereits über kostbares, bislang aufgedecktes und ungenutztes Wissen, auf das es eigentlich bereist unmittelbaren Zugriff hat.

Deshalb sollten sie die Company auf ungenutztes Wissen durchleuchten und die auftauchenden vorhandenen Ressourcen nutzen. Zudem gilt stets: Digitalisierung ist ein kundenzentrierter zielorientierter Prozess, der nicht von Technologie getrieben sein sollte.

Führungskräfte als Vorbild

Es geht nicht einfach nur um Ingenieure und Produktmanager. Die Unternehmensführung muss ihren Management-Ansatz ändern, sowie ihre Denkweise über das Zusammenspiel aller Komponenten eines Unternehmens. Seit jeher liegt die Kostenkontrolle im Fokus eines CIO, doch ist es heutzutage viel wichtiger, sich über den strategischen Nutzen von Investitionen in Technologie Gedanken zu machen - und nicht zuletzt auch über die Menschen, die einen Beitrag zu ihrer Entwicklung leisten. Sobald ein Unternehmen erkennt, wie schnell gut zusammengestellte Teams auf sich verändernde Anforderungen reagieren können, will es mehr.

Der Nutzen für das Unternehmen zählt

Chip Childers: „Es geht nicht einfach nur um Ingenieure und Produktmanager. Die Unternehmensführung muss ihren Management-Ansatz ändern, sowie ihre Denkweise über das Zusammenspiel aller Komponenten eines Unternehmens.“
Chip Childers: „Es geht nicht einfach nur um Ingenieure und Produktmanager. Die Unternehmensführung muss ihren Management-Ansatz ändern, sowie ihre Denkweise über das Zusammenspiel aller Komponenten eines Unternehmens.“ (Bild: Cloud Foundry Foundation)

Bei der optimalen Ausrichtung der Teams an den Unternehmensergebnissen ist der Nutzen für das Unternehmen beziehungsweise für die Anwender am wichtigsten. Somit müssen Unternehmensziele und Software-Entwicklungsprozesse mittels anwenderzentrierter Kennzahlen verknüpft werden. Lassen sich zum Beispiel stärkere Kundenbindung, höhere Kundenzufriedenheit, bessere vorbeugende Wartung oder weniger Ausfallzeiten oder Ineffizienz feststellen?

In puncto Effizienz spielt es eine wichtigere Rolle, wie viel Zeit zwischen dem Feedback eines Anwenders und der Antwort auf dieses Feedback vergeht. Dies ist in der Fertigungsindustrie unter dem Begriff „Taktzeit“ bekannt und gut informierte und aufgeschlossene Unternehmen verwenden sie als wichtige Kennzahl zur Messung der Teameffizienz.

Der digitale Wandel ist ein Prozess ohne Ende. Tatsächlich geht es bei der digitalen Transformation im Wesentlichen darum, einen niemals endenden Lern-, Entwicklungs-, Anpassungs- und Innovationszyklus anzustoßen. Unternehmen, die diese Realität bereits verinnerlicht haben, verzeichnen in ihren Märkten mehr Erfolge, sie sind eher in der Lage, sich dem technologischen Wandel erfolgreich anzupassen, die Kundenerwartungen zu erfüllen und wettbewerbsfähig zu bleiben.

Hinweis: Am 10. und 11.Oktover 2018 veranstaltet die Cloud Foundry Foundation den „Cloud Foundry Summit Europe“ in Basel.

* Chip Childers ist CTO der Cloud Foundry Foundation.

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