Wie Unternehmen mit neuen Geschäftsmodellen den Wandel meistern

Digitale Transformation: IT im Umbruch

| Autor / Redakteur: Nikolai Zotow / Florian Karlstetter

„Nur Unternehmen, die sich schnell genug an die veränderten technologischen und gesellschaftlichen Rahmenbedingungen anpassen, werden den digitalen Darwinismus überleben“, so Roland Tichy, Wirtschaftsjournalist und Ex-Chefredakteur der Wirtschaftswoche.
„Nur Unternehmen, die sich schnell genug an die veränderten technologischen und gesellschaftlichen Rahmenbedingungen anpassen, werden den digitalen Darwinismus überleben“, so Roland Tichy, Wirtschaftsjournalist und Ex-Chefredakteur der Wirtschaftswoche. (© DOC RABE Media - Fotolia.com)

Wieder einmal schickt sich die IT an, die Wirtschaft zu revolutionieren. Bislang setzten Unternehmen ihre IT-Systeme in klassischer Produktion und Verwaltung ein – die Verfügbarkeit von schnellen und agilen Lösungen ermöglicht nun die Schaffung völlig neuer Geschäftsmodelle wie bei Whatsapp oder Uber.

Die zunehmende Digitalisierung stellt Unternehmen allerdings auch vor organisatorische Herausforderungen, wie auf der Podiumsdiskussion „Digitale Transformation: Wie Unternehmen mit neuen Geschäftsmodellen den Wandel meistern“ in München deutlich wurde.

Sensoren messen das Mikroklima in Weinbergen

Dr. Carlo Velten, CEO von Crisp Research.
Dr. Carlo Velten, CEO von Crisp Research. (© IT-meets-Press.de)

Dabei führte Dr. Carlo Velten vom Analystenhaus Crisp Research das Beispiel eines Weinguts ins Feld. Einige Winzer statten ihre Weinberge mit Sensoren aus, die das Mikroklima messen. Auf Basis der erhobenen Daten können sie Wasser und Düngemittel punktgenau steuern und so die Erträge maximieren.

Jedoch sieht Velten eher den privaten Sektor als treibende Kraft des digitalen Umbruchs. Fitnessbänder, Smart Watches oder intelligente Kleidungsstücke erleben gegenwärtig einen Boom. Daher sieht der Analyst im Lifestyle-Bereich trotz Datenschutz-Bedenken die größte Bereitschaft zum Teilen von Informationen.

Überraschende Entwicklungen, etwa im Automobilsektor, sieht Dr. Johannes Liebig auf die Industrie zukommen. Der Vorstandsvorsitzende des SOA Innovation Lab meinte, noch vor einigen Jahren sah niemand Google im Automobilsektor. Nun investiert das Unternehmen in das autonome Fahren.

Seiner Meinung nach sollten Unternehmen zwischen drei Faktoren der Digitalisierung unterscheiden. Neben jener des eigenen Leistungsangebots, also die Eröffnung neuer auf digitalen Services und Produktmerkmalen basierender Geschäftsmodelle, ergibt sich der Faktor der Leistungserbringung. Darunter fallen beispielsweise neue Produktionsmethoden. Ferner erfolgt die Digitalisierung der Zusammenarbeit und der sonstigen Geschäftsfunktionen. Die Nutzung von sozialen Netzwerken wäre dafür ein Beispiel. Unternehmen werden dadurch flexibler und können schneller auf veränderte Bedingungen in ungewissen neuen Märkten reagieren.

Künftige IT-Abteilungen: Zweiteilung in Tanker und Schnellboote

Damit schlägt Liebig in dieselbe Kerbe wie IT-Dienstleister. IT-Abteilungen müssen flexibler werden, wenn sie sich auf die digitale Transformation einstellen wollen, meinte auch Tolga Erdogan, Director Solutions & Consulting bei Dimension Data. Wie die Zweiteilung in Tanker und Schnellboote könnte man sich die künftige Arbeit der IT-Abteilung vorstellen. Parallel zum sicheren laufenden Betrieb könnte man so neue Ideen ohne Risiko ausprobieren.

Bei Microsoft sieht man Cloud und SOA als Basis für flexible Strukturen. Werner Reuss, Internet of Things Commercial Lead ist überzeugt, dass sich der Prozess der Digitalisierung sehr verstärken wird. Er wird selbstverständlich und damit kein besonders Thema mehr sein. Besonders Cloud Computing ermöglicht aufgrund des minimalen Kapitaleinsatzes einen nicht disruptiven Prozess.

Intelligente Vernetzung in Bad und Küche

Neue Ideen können schneller umgesetzt werden wie etwa beim Armaturenhersteller Dornbracht. Mit der intelligenten Vernetzung seiner Installationen in Bad und Küche entsteht eine neue Qualität der Serviceleistung, die außerdem den Wasserverbrauch optimiert, Energie spart und so die Umwelt schont. Damit wird kleinteilige, individuellere Fertigung möglich. Vielleicht wird so auch ein im 3D-Drucker produziertes Auto, das aus wenigen Teilen besteht, einmal denkbar.

SOA wieder hoch im Kurs

Für Thomas Stöcker muss sich die IT angesichts dieses Wandels auf Strukturmodelle wie service-orientierte Architekturen besinnen. Der Vice President Business Development bei der Unternehmens- und IT-Beratung NTT Data sieht hier einen Weg, modulare Services anbieten zu können. Seiner Meinung nach werden sich die Innovationszyklen verkürzen. Bisher war die IT auf Langlebigkeit mit Zyklen von fünf und mehr Jahren ausgerichtet – heute liegen sie oft zwischen einem halben und einem Jahr. IT-Anbietern und Dienstleistung fällt hier die Rolle zu, die Unternehmens-IT für die Anforderungen einer digitalisierten Welt zu rüsten. Außerdem sei die Digitalisierung ein notwendiger Anlass für die Renovierung vieler Unternehmen.

Probleme bei den Herstellern sieht Patrick Quellmalz vom IT-Anwenderverband VOICE. Oft könnten diese keine passenden Produkte für die digitale Transformation bieten. So müsste beispielsweise in der Fertigungsindustrie einer der größten Ausrüster passen und die Anlagen nicht so zur Verfügung stellen, wie es in einem Industrie-4.0-Umfeld nötig wäre. Außerdem verkaufen Anbieter ihre Lösungen oft direkt in die Fachabteilung. Der IT käme dann die Rolle zu, diesen „Zoo“ hinterher wieder einzufangen.

Fazit: Von der Digitalisierungs-Party bleibt niemand verschont

Die Diskussion endete mit dem Appell an die Anwender-Unternehmen, die digitale Transformation endlich ernst zu nehmen. Sie kommt unvermeidlich und bringt große Veränderungen mit sich. Nun sollte man bisherige Geschäftsmodelle überdenken und für eine flexible Basis der IT-Architektur zu sorgen. Einig waren sich sowohl die Vertreter der IT-Anbieter als auch der Anwender, dass sie die aus der Transformation erfolgten Herausforderungen wie die semantische Integration oder dem viel höheren Sicherheitsanspruch nur gemeinsam meistern können. Oder, um es kurz zu sagen: Es ist eine Digitalisierungs-Party, die niemanden verschont.

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