Verantwortung und Regeln in der IT

Digitale Transformation heißt Produkthaftung

| Autor / Redakteur: Daniele Fiebig* / Ulrike Ostler

Es ist erforderlich, Akzeptanz und Vertrauen in digitale Produkte zu schaffen. Dazu sollten die Hersteller digitaler, vernetzter Produkte verpflichtet werden, sicherheitsrelevante Merkmale von Komponenten auf Produktebene, selbst regelmäßig zu testen und extern prüfen zu lassen (analog zu einer TÜV-Prüfung).

Neben Chancen und Risiken, die die einzelnen digitalen Technologien mit sich bringen, (siehe: , 26. April 2017, ), müssen weitere Aspekte betrachtet werden, um Vor- und Nachteile beurteilen zu können. Im Vordergrund steht zumeist jedoch der wirtschaftliche Aspekt.

Der wirtschaftliche Aspekt

Für Unternehmen stellen sich die Digitalisierung und besonders Indutrie 4.0 als Lösung für den steigenden Konkurrenz-, Zeit- und Kostendruck dar. Die steigende Komplexität der Systeme, Prozesse und Beteiligten scheint durch digitale Technologien beherrschbar zu werden.

Um die Vorteile der Digitalisierung nutzen zu können, müssen Unternehmen sich anpassen und investieren, etwa die internen Geschäftsprozesse vernetzen und anpassen. Dazu kommen agile Lieferketten (Supply Chain), Logistik-Konzepte (zum Beispiel digital gesteuerte Just in time-Workflows) und multiple Vertriebswege (Customer Relationship), die in einem kompletten Wertschöpfungssystem verbunden sind und in Echtzeit Daten und Informationen austauschen.

Intelligente, vernetzte Sensoren unterstützen bei der Erfassung von Eigenschaften und Zuständen im Produktionsprozess. Big Data und Big Data Analytics ermöglichen die Zusammenfassung und Auswertung der Geschäftsprozessdaten beziehungsweise Zusatzinformationen wie Stau, Wetter, Kursentwicklung, die ebenfalls Einfluss auf Produktion oder Logistik haben können.

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Der psychologische Aspekt

Der gesellschaftliche Wandel den die Digitalisierung in Gang gesetzt hat, hat schon längst alle Lebensbereiche erfasst und rasant an Tempo zugelegt. Immer wieder wird die These „Digitalisierung beginnt im Kopf!“ zitiert.

Na ja, jede Veränderung beginnt im Kopf und setzt Verstehen voraus. So gilt bei der Einführung digitaler Prozesse das Gleiche, was allgemein für alle Projekte als eine Erfolgsregel gilt: „Nimm alle Betroffenen mit!“. Verspielte Akzeptanz kann das Wertschöpfungspotenzial von neuen Technologien zunichtemachen.

Für eine Untersuchung zur Psychologie der Digitalisierung wurde beispielsweise 2017 eine Studie durchgeführt, welche Mitarbeiter dazu befragt, wie sich Digitalisierung im Unternehmensalltag anfühlt. Eine Erkenntnis war: „Drei Viertel der Befragten betrachten sie als Pflichtveranstaltung, die Hälfte sieht sie als Wagnis und fast ein Drittel hat Angst vor ihr.“

Lernen und Verstehen

Außerdem entsteht mit den unterschiedlichen Zugängen zur Digitalisierung eine Spaltung der Gesellschaft in die MIT und die OHNE Internet-Connection. Dies betrifft zum einen die technische Verfügbarkeit eines Breitbandanschlusses als auch das erforderliche KnowHow.

„Drei Viertel der Befragten betrachten sie als Pflichtveranstaltung, die Hälfte sieht sie als Wagnis und fast ein Drittel hat Angst vor ihr.“
„Drei Viertel der Befragten betrachten sie als Pflichtveranstaltung, die Hälfte sieht sie als Wagnis und fast ein Drittel hat Angst vor ihr.“ (Bild: Auszug aus der Studie „Die Psychologie der Digitalisierung“, ia Innovation Alliance, 26.04.2017)

Digitalisierung basiert auf der Lösung von technischen Herausforderungen und auf der bewussten Integration von neuen Technologien in steuerbare Wertschöpfungsketten oder in einzelne Geschäftsprozesse. Neben technischem Knowhow ist mindestens Basiswissen zum Geschäftsprozess-Management von Vorteil.

Denn Dinge, die verstanden werden, generieren allgemein weniger Angst und Unsicherheit. Einer Pressemeldung der Bitkom vom 14.02.2019 zufolge „verzichten [aber] viele Nutzer aus Sicherheit auf bestimmte Online-Dienste.

  • sechs von zehn Internet-Nutzern halten sich aus Sicherheitsgründen zurück
  • jeder Vierte versendet grundsätzlich keine sensiblen Daten per Mail

Interessant für Firmen ist die Etablierung einer digitalen Kompetenz unter allen Mitarbeitern und einer digitalen Kultur im Unternehmen. Und: Die Geschwindigkeit des technologischen Fortschritts bedingt permanentes Lernen, um die Vorteile und Risiken von digitalen Systemen und Anwendungen einschätzen zu können.

Der soziale Aspekt der Veränderung in Kommunikation und Medien

Soziale Netzwerke, Messanger, News per Smartphone und andere neue Medien beeinflussen zunehmend die Kommunikation, das Sozialisationsverhalten und die Sprachkultur. Die „ständige“ Verfügbarkeit beginnt schon im Schulalltag und bestimmt häufig das Arbeitsleben.

Die Grenzen zwischen Berufs- und Privatleben verschwimmen und machen sich als chronischer Stress bemerkbar. Homeoffice und Virtuelle Bildungsplattformen bergen neben dem unbestritten positiven Einflüssen auf die Verringerung der Verkehrsströme und auf die Umwelt die Gefahr von Vereinsamung.

Außerdem sind Informationen nahezu in Echtzeit weltweit verfügbar. Dies legt nahe, dass der Prüfung von Fakten, Hintergrundinformationen und Aussagen immer weniger Zeit und Sorgfalt eingeräumt wird. Neben der schnellen, ortsunabhängigen Informationsgewinnung birgt dies Risiken zur Falschinformation (Fakenews), Möglichkeiten zur Beeinflussung und zur Preisgabe persönlicher Daten und Information, die nicht rückgängig gemacht werden können

Das Märchen vom Vergessen

Denn: Keiner sollte an das „Märchen vom Vergessen“ glauben. Fakt ist: „Daten sind global!“. Nach diesem Grundsatz muss jeder mit seinen und mit den ihm anvertrauten Informationen umgehen. Das „Wallstreet:online“ sagt dazu: „Das Kräftemessen zwischen den drei Philosophien der Datenregulierung wird 2019 ein neues Maß an Risiko für die internationale Geschäftswelt darstellen.

Für China sind Daten etwas, das kontrolliert werden muss; für die EU sind Daten etwas, das beschützt werden muss; die USA wiederum sehen Daten als etwas, das kommerzialisiert werden sollte. Unternehmen müssen darauf vorbereitet sein, Daten innerhalb und zwischen diesen drei Domänen zu sammeln, zu speichern und zu übermitteln, und dies vor dem Hintergrund uneinheitlicher Regulierungsvorgaben und einer eskalierenden Bedrohung der Cyber-Sicherheit.

Ethische Aspekte und der gesetzliche Rahmen

Mit den Möglichkeiten der Digitalisierung verändern sich Maßstäbe, die bisher für angemessene Umgangsformen und eine konstruktive Kommunikation zugrunde gelegt wurden. Das beginnt beim „Email-Knigge“ und endet beim Umgang mit personenbezogenen Daten. Vertrauen ist weder im privaten noch im Business-Umfeld ein guter Ratgeber.

Es fällt einigen Zeitgenossen sehr leicht, Beschimpfungen, falsche Behauptungen und Beleidigungen im Internet auszusprechen. Hier ist der Grad zu strafbaren Handlung schmal. Längst sind alle Kreise der Gesellschaft betroffen. Dies beginnt beim Umgangston in Unternehmen, Mobbing in der Schule, Cybermobbing allgemein, Streuen von Falschmeldungen und geht bis zur kriminellen Nutzung fremder Informationen.

Die Verfolgung derartiger Verbrechen aber endet häufig an nationalen Grenzen. Aber auch innerhalb Deutschlands ist die Strafverfolgung weder einheitlich noch werden vorhandene Gesetze überhaupt angewandt. Vor dem Hintergrund der Globalisierung muss das langfristige Ziel ein weltweit einheitlicher Umgang mit Kriminalität im Internet sein.

*Über die Autorin

Professor Dr. Daniele Fiebig gehört dem Institut für Digitale Technologien Research und Development (IFDT) der Vitruvius Hochschule in Leipzig an, die künftig Hochschule Macromedia, Campus Leipzig heißen wird.

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