European Cloud Foundry Summit 2018 in Basel

Die Zukunft der Software hat ´nen Bart

| Autor / Redakteur: Dr. Dietmar Müller / Dietmar Müller

In Basel waren geschätzt rund 1000 Enterprise-App-Entwickler aus aller Herren Länder zugange. Neben Stretch-Jeans und Dutt waren viele Bärte zu sehen.
In Basel waren geschätzt rund 1000 Enterprise-App-Entwickler aus aller Herren Länder zugange. Neben Stretch-Jeans und Dutt waren viele Bärte zu sehen. (Bild: gemeinfrei, Ben_Kerckx/Pixabay / CC0)

In der vergangenen Woche traf sich in Basel, Schweiz, die globale Open-Source-Szene zum „Cloud Foundry European Summit 2018“. Der Ort scheint mit Bedacht gewählt worden zu sein: Als einer der teuersten Flecken dieser Erde bot er sich an, am Rande des Messegeländes die früher dem Antikapitalismus huldigende „Community“ zu beherbergen. Besagte Community ist heutzutage ja in der Regel in Großkonzernen engagiert, die Projekte werden auch genau dort zuallererst eingesetzt.

Das alternative Flair von früher – man denke an den lustigen Pinguin, der auf dem PC gegen Windows antrat - wird heute durch Keynote-Ansprachen am Leben gehalten, in denen „weißen Mittelklassemännern“ vorgeworfen wird, dass sie Frauen vom Fliegenfischen abhalten. Hört sich kurios an? Ist aber so.

Neben solchem Unsinn ging es aber natürlich auch ins Eingemachte: Microservices, Container, Serverless, Unikernels sowie die in Enterprise-Rechenzentren schwer angesagten Softwareprojekte dahinter und darum herum wurden bis zum Exzess durchdekliniert. Auch der Veranstalter, die Cloud Foundry Foundation (CF), wartete mit diversen Neuerungen auf:

Eirini und CF Containerization

Da wäre zum einen und zuallererst „Eirini“ und „CF Containerization“ zu nennen. CF Containerization ist ein Incubator-Projekt im „MC Bosh“, Eirini ein Incubator-Projekt im „PMC Application Runtime“.

Das dem PMC Extensions zugeordnete Cloud Foundry Container Runtime (CFCR) wurde auf dem European Summit im vergangenen Jahr angekündigt und profitiert ebenfalls von Kubernetes. Beiden Projekten haben die Project Management Committees (PMCs), die das Plattform-Engineering der Open-Source-Projekte überwachen, als Incubator-Projekte zugestimmt.

„Entwickler haben ihren Wunsch nach einem einfachen, agilen und flexiblen App-Bereitstellungsverfahren für den raschen Übergang vom Code in die Produktion – wie es Cloud Foundry Application Runtime ermöglicht – klar und deutlich zum Ausdruck gebracht“, erläuterte Chip Childers, CTO, Cloud Foundry Foundation. „Außerdem gibt es eine Vielzahl von Use Cases, in denen die Bereitstellung und das Management von in Containern gepackter Software von geschäftskritischer Bedeutung ist. Diese neuen Projekte stehen für weitere Ansätze zur Kopplung von Kubernetes und Cloud Foundry-Technologien.“

Weitere Ankündigungen

Zum anderen hat die Foundation das Certified Systems Integrator-Program angekündigt. Es soll die Cloud-Foundry-Technologie-Expertise von Systemintegratoren (SIs), Unternehmensberatungen und Professional-Service-Organisationen hervorheben.

Außerdem gab die Foundation bekannt, dass „Indics“ die erste Internet-Plattform Chinas ist, die auf Cloud Foundry-Technologien basiert. Indics, ins Leben gerufen von Casic Cloud, einer Niederlassung der China Aerospace Science and Industry Corporation, ist zurzeit die einzige industrielle Plattform Chinas, die smarte, kollaborative und Cloud-basierte Fertigung ermöglicht.

Schließlich hat die Foundation mitgeteilt, dass HCL Technologies jetzt ein Gold-Mitglied der Foundation ist. HCL ist ein Systemintegrator im Cloud-Foundry-Ökosystem, das ein globales Netzwerk von Fortune 500- und Global 2000-Unternehmen umfasst.

Projekte von CF-Partnern

Auf dem Summit in Basel war die Creme-de-la-Creme der Enterprise-Entwickler vertreten, entsprechend viele Verlautbarungen gab es. Das CF-Mitglied Pivotal etwa kündigte an, dass es den Kurs „Cloud Foundry for Developers” und das Programm „Cloud Foundry Certified Developer Certification Program” der Cloud Foundry Foundation in sein eigenes Schulungs- und Zertifizierungsprogramm aufnimmt. Darüber hinaus will man einen kürzlich entwickelten Cloud Foundry Bosh-Kurs der Cloud Foundry Foundation spenden.

Huawei erklärte, dass es ab sofort eine nahtlose Ein-Klick-Bereitstellung von Cloud Foundry in der Huawei Cloud anbietet. Huawei ist seit 2015 Mitglied der Cloud Foundry Foundation und engagiert sich seitdem aktiv in den Cloud Foundry Communitys Bosh, CPI und Open Service Broker API (OSBAPI).

IBM gab die allgemeine Verfügbarkeit von IBM Cloud Foundry Enterprise Environment bekannt. Die Plattform ermöglicht Nutzern die Erstellung und Verwaltung isolierter Cloud Foundry-Umgebungen, um Applikationen ausschließlich für ihre Organisationen zu hosten. Die Plattform bietet On-Demand-Self-Service-Bereitstellung, elastischen Konsum und uneingeschränkten Zugriff auf administrative Funktionen.

Suse kündigte eine neue Kubernetes-native Implementierung des gängigen Cloud Foundry-Entwicklungsmodells auf der „Suse Cloud Application Platform“ an. Das soll die Bereitstellung von Applikationen nochmals beschleunigen. Dafür werden Technologie des Open-Source-Projekts Eirini integriert, die die Nutzung von Kubernetes als Engine zur Container-Orchestrierung ermöglicht.

Platzhirsch Swisscom schließlich versprach neue Container Services mit Kubernetes auf Basis von Pivotal Container Service (PKS).

Die Entwicklerelite trägt Dutt und hat ´nen Bart

Auf dem Summit waren geschätzt 1.000 Enterprise-App-Entwickler, Architekten, Ingenieure und Führungskräfte aus aller Herren Länder zugange. Neben Stretch-Jeans und Dutt waren in Basel viele Bärte zu sehen.

„Das beherzte Engagement, das die Mitglieder der Foundation in puncto stetige Innovation, Stärkung des Open-Source-Ökosystems und Förderung der Interoperabilität und Flexibilität der Technologien an den Tag legen, inspiriert immer wieder unsere Organisation“, so Abby Kearns, Executive Director der Cloud Foundry Foundation. „Wir freuen uns sehr darüber, den Dialog und Austausch fortzusetzen, um herauszufinden, wie wir das Cloud-native Ökosystem im kommenden Jahr auf unserem North American Summit 2018 in Philadelphia weiter voranbringen können.”

Eines wollen wir Ihnen zum eingangs angesprochenen Gender-Deckmäntelchen nicht vorenthalten: Auf dem Summit in Basel gab es auch eine „geschlechtsneutrale Toilette“. Hat aber keiner genutzt. War wahrscheinlich zu quelloffen. Oder man durfte nur rein, wenn man sich dem dritten Geschlecht zurechnet. Das wollte aber offenkundig niemand überprüfen.

Selbstverständnis als Non-Profit-Organisation

Die CF versteht sich als eine unabhängige Non-Profit-Organisation. Mehr als die Hälfte der Fortune-500-Unternehmen mit einem Gesamtumsatz von nahezu 15 Billionen Dollar hat Cloud Foundry im Einsatz.

Cloud Foundry selbst ist eine Open Source-Technologie, die von den weltweit größten Technologieunternehmen gefördert und von führenden Fertigungsunternehmen, Telekommunikationsunternehmen und Finanzdienstleistern genutzt wird. Die containerbasierte Architektur von Cloud Foundry führt Anwendungen in jeder Sprache in der Cloud Ihrer Wahl aus, sei es „Amazon Web Services“ (AWS), „Google Cloud Platform“ (GCP), „IBM Cloud“, „Microsoft Azure“, OpenStack, „VMware vSphere“ oder andere.

Das European Summit 2019 wird vom 11. bis 12. September 2019 in Den Haag stattfinden.

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