Die Cloud hinter der eigenen Firewall

Die Private Cloud hält nicht was sie verspricht – bisher

| Autor / Redakteur: Mark Borgmann* / Ulrike Ostler

„Erst die Hybrid Cloud löst das Versprechen der Private Cloud ein“, sagt Mark Borgmann, Senior Sales Director Cloud, Northern Europe bei Oracle.
„Erst die Hybrid Cloud löst das Versprechen der Private Cloud ein“, sagt Mark Borgmann, Senior Sales Director Cloud, Northern Europe bei Oracle. (Bild: © sdecoret - stock.adobe.com)

„Die Cloud hinter der eigenen Firewall“, das war eines der Schlagworte auf der „Oracle World“ in diesem Oktober die wichtigste Veranstaltung für Oracle und den rund 60.000 Besuchern, die heuer in San Franzisko dabei waren. Gemeint war die Oracle-Cloud, klar. Doch welchen Nutzen sollte ein Anwender daraus ziehen? „Mit hybriden Lösungen bringen CIOs die Cloud-Vorteile ins eigene Rechenzentrum“, so die These.

In unserer heutigen geradezu Technik-besessenen Welt stellen wir hochtrabende Anforderungen an neue Technologien. Wir erwarten, dass für beinahe alle Probleme Lösungen und Reparaturmöglichkeiten bereitstehen. Die Cloud ist für diese Entwicklung ein gutes Beispiel: Sie bietet Lösungsoptionen, mit denen die bestehenden IT-Infrastrukturen der meisten Unternehmen schlichtweg überfordert wären.

Der gegenwärtige Siegeszug der Public Cloud ist nicht aufzuhalten – allein für das Jahr 2017 prognostizierten die Experten von Gartner einen Marktzuwachs von 18 Prozent. Doch noch gibt es viele Anwendungen, die nicht an Dienste der Public Cloud gekoppelt sind. Dafür gibt es verschiedene Gründe: Speicherort der Daten, Datenschutzvorschriften, restriktive Branchenbestimmungen, Bedenken hinsichtlich geistigen Eigentums sowie Latenzzeiten des Datenverkehrs – und in manchen Fällen auch einfach eine allgemeine Abneigung dagegen, dass Daten die On-Premises-Umgebung des Unternehmens verlassen.

Nutzen durch Private Cloud – ein Widerspruch in sich?

Viele Unternehmen vertrauen deshalb auf die Private Cloud. Sie verspricht, IT als Service innerhalb der eigenen Firewall bereitzustellen – ohne dabei Daten aus dem Unternehmensnetzwerk ins Internet zu verlagern. Dieses Versprechen hat sie jedoch bisher nicht eingelöst, denn es gibt eine Reihe von Hindernissen:

  • 1. Die eingesetzten Lösungen sind meist nicht aus einer Hand:
    Die Hardware eingekauft bei Provider A, die Software bereitgestellt von Provider B – verwaltet wird beides dann nicht selten von Provider C. Die so entstehende Verwaltungskomplexität ist hochgradig ineffizient und führt zu undurchsichtigen Verantwortlichkeiten – beides ist inakzeptabel für den Betrieb wichtiger Unternehmensanwendungen.
  • 2. Der IT-Stack in Public und Private Cloud ist ähnlich – aber nicht gleich:
    Sind On-Premises- und Cloud-Umgebung nicht gleich aufgebaut, müssen Workloads aufwendig von Hand orchestriert werden, um sie flexibel hin und her zu bewegen. Das wiederum beeinflusst Test- und Entwicklungszeiten erheblich. Insgesamt geht so ein Großteil der wirtschaftlichen Vorteile von Cloud-Lösungen verloren. Zudem wird die On-Premises-Umgebung nicht automatisch mit Updates versorgt. Das wirft die Frage auf: Warum sollte man sich eine Cloud-Lösung zulegen, wenn man dann nicht von den neuesten Innovationen profitieren kann?
  • 3. Das Unternehmen muss die Cloud-Infrastruktur selbst verwalten: Wenn sich die interne IT-Abteilung um die Infrastruktur der Private Cloud kümmert oder damit sogar ein dritter Anbieter betraut ist, verliert das Vorhaben an Schlagkraft. Schließlich möchte man Services nutzen und nicht kostenintensiv Hard- und Software verwalten.
  • 4. Bei Preis und Geschäftsbedingungen schneidet die Private Cloud schlechter ab: Bei einer Private-Cloud-Lösung müssen meist Hardware, Software und Services – oder eine Kombination aus den Dreien – eingekauft werden. Im Vergleich zu Subscription- oder nutzungsbasierten Modellen der Public Cloud sind die Kosten der Private Cloud deutlich höher (operationale Ausgaben versus Kapitalausgaben).

Bedeutet das nun, dass die Private Cloud eigentlich keine sinnvolle Option für Unternehmen ist? Glücklicherweise nicht. Denn Cloud-Technologie hat sich weiterentwickelt und macht das zuvor Unerreichbare plötzlich möglich.

Die Hybrid Cloud löst das Versprechen der Private Cloud ein

Mit dem relativ neuen Ansatz der Hybrid Cloud können Unternehmen eine geschlossene IT-Infrastruktur im eigenen Rechenzentrum aufrecht erhalten, die jedoch zu 100 Prozent kompatibel mit der Public Cloud ist. Durch das Managed-Cloud-Angebot profitieren Unternehmen von den gleichen Subscription-Preisen sowie den neuesten Innovationen und Vorteilen, die sie auch bei einer Public-Cloud-Lösung hätten.

Indem die Services On-premises vorgehalten werden, ist das hybride Modell auch für Unternehmen geeignet, die sich an strenge rechtliche und regulatorische Vorschriften halten müssen und daher Cloud-Technologie bisher nicht nutzen konnten. Dieser Ansatz eröffnet für CIOs also ganz neue Möglichkeiten, wo sie Unternehmenssoftware einsetzen.

Mark Borgmann, Senior Sales Director Cloud, Northern Europe bei Oracle: „100 Prozent Kompatibilität mit der Public Cloud, halt eine ganze Reihe von Vorteilen parat. “
Mark Borgmann, Senior Sales Director Cloud, Northern Europe bei Oracle: „100 Prozent Kompatibilität mit der Public Cloud, halt eine ganze Reihe von Vorteilen parat. “ (Bild: Oracle)

Bei der Auswahl des Providers sollten Entscheider jedoch auf Folgendes achten:

Einfacher „Lift-and-Shift“: Workloads sollten sich einfach und unkompliziert von der On-Premises-Umgebung in die Cloud heben lassen.

Gleiche Funktionalität sowohl On-premises als auch in der Cloud: Applikationen in beiden Umgebungen sollten die gleichen Service-Level-Agreements aufweisen und identischen Update-Zyklen unterliegen, sodass sie stets auf dem gleichen Innovationsstand sind.

Klare Verantwortlichkeiten: Der Provider sollte die Verantwortlichkeit für den IT-Support tragen. So können sich CIOs auf rein anwendungsbezogene sowie strategische Aufgaben konzentrieren.

Umfassende Subscription Services: Der Provider sollte ein komplettes Set an Subscription Services bieten sowie Hardware, Software und alle Support-Dienste aus einer Hand liefern können – so wie man es bei Cloud Services erwartet.

Wenn CIOs diese vier Grundsätze berücksichtigen, können sie mit hybriden Cloud-Lösungen endlich sicherstellen, dass die Private Cloud hält was sie verspricht.

* Mark Borgmann ist Senior Sales Director Cloud, Northern Europe bei Oracle.

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