Die Zukunft von Red Hat im Rückblick auf eine beispiellose Erfolgs-Story

Die Open-Source-Milliardäre

| Autor / Redakteur: Thomas Drilling / Ulrike Ostler

Mobility? No.

Das gilt vor allem in den Bereichen Hochverfügbarkeit, Sicherheit und Performance, wofür es laut Whitehurst auch zahlreiche Belege gebe. So werde beispielsweise heute schon mehr als die Hälfte des globalen Aktienhandels über Linux-Systeme abgewickelt.

Bemerkenswert ist auch Whitehursts Aussage, Red Hat brauche keine Desktop- oder Mobile-Strategie. Auf dem Desktop fände ohnehin gerade ein Paradigmenwechsel hin zu HTML5 und Web-Apps statt, sodass die eigentliche Anwender-Software als Web-Anwendung auf dem Server laufe. Dann spielt das am Client verwendete Betriebssystem faktisch keine Rolle mehr und der Desktop verliere jegliche strategische Bedeutung.

Zudem werkele, so Whitehurst, unter der Haube von Macs und Chromebooks, sowie bei den meisten Smartphones (Android) und nahezu allen Embedded-Systemen (ARM) bereits Linux. Red Hat könne das aber trotzdem egal sein, denn das Geschäftsmodell habe, so Whitehurst in seiner Antwort auf die Frage, warum Red Hat nicht eine ähnliche Strategie verfolge, wie Canonical mit Ubuntu, „nichts mit Client Devices zu tun.“ Weit wichtiger für das Unternehmen sei es, die Themen Cloud Computing und Trends wie Big Data zu bedienen, weil Open-Source-Produkte hier konkurrenzlos seien.

Nachbauten sind keine Gefahr. Sie steigern den Bekanntheitsgrad

Der Grund hierfür sei vor Allem in der Tatsache zu suchen, dass die die großen Web-Companies ihre eigenen Problemlösungen in der Regel ohnehin vollständig in Open-Source implementierten. Hier sei Open Source daher heute eher der Standard, als die Ausnahme. Einzig das latent schwelende Problem der Software-Patente seit noch lösen, denn trotz kleinerer Erfolge sehe er derzeit keine kurz- oder mittelfristige Lösung.

So oder so ist es spannend zu beobachten, wie sich das Unternehmen in den kommenden Jahren weiter entwickeln wird. Schon 2012 war der Nettogewinn gegenüber dem Vorjahr um 36,7 Prozent auf 146,6 Millionen Dollar gestiegen. Der Umsatz mit Software-Subskriptionen stieg von 255 Millionen auf 303 Millionen Dollar. Ganz nebenbei kletterte der Umsatz mit Schulungen und anderen Dienstleistungen von auf 42 Millionen Dollar im Vorjahr auf 45 Millionen Dollar.

Ergänzendes zum Thema
 
Lese-Tipp

Whitehurst sprach von einem bemerkenswert starken Jahr, wobei zwar die wichtigsten Impulse von der fortschreitenden Internationalisierung des Geschäfts und der im Zusammenhang Cloud-Computing zunehmenden Bedeutung von Rechenzentren ausgingen. Das Gros der Einnahmen stamme aber nach wie vor aus den RHEL-Subskriptionen.

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Hier grenzt sich Red Hat ab und ein.
Hier grenzt sich Red Hat ab und ein. (Bild: utemov/Foitolia.com)

Hier muss Red Hat sein Terrain verteidigen, denn die eigene Geschäftsphilosophie im Zusammenhang mit der konsequenten Freigabe der Sourcen ruft zwangsläufig auch Kopierer auf den Plan. Dass mit „CentOS“ oder „Scientific Linux“ alltagstaugliche 1:1-Nachbauten von RHEL zum kostenlosen Herunterladen zur Verfügung stehen, erfreut zunächst einmal Admins und Entscheider, die sich im Vorfeld ein Bild von RHEL machen möchten, wenngleich dies die ebenfalls kostenlos verfügbaren Trial-Versionen von RHEL ebenfalls ermöglichen.

Bisher scheinen die kostenlos verfügbaren RHEL-Klone die Red-Hat-Manager aber kaum zu beunruhigen. Vielmehr ist sich Red Hat durchaus bewusst, das auch die Nachbauten zum Erfolg von RHEL beigetragen haben.

Anders sieht es dagegen mit kommerziellen RHEL-Nachbauten aus. So versucht Oracle derzeit mit Macht, Red Hat mit seinem RHEL-Klon „Oracle Linux“ Kunden abzujagen, zumal Oracle Updates für Oracle Linux seit kurzem sogar für nicht registrierte Nutzer kostenlos anbietet.

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