Leistungsstärke der Cloud oder Vorteile eigener Server nutzen

Die neue Leichtigkeit moderner Last- und Stresstests

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Last- und Stresstests auf mehrere Cloud-Provider und Multi-Cloud-Ansätze zu stützen, ist aus drei Gründen empfehlenswert:

  • Mehr Regionen können einbezogen werden, sodass ein realistisches Bild entsteht, wie verteilte Nutzer unter jeweils unterschiedlichen Rahmenbedingungen (Bandbreiten, Router, Third-Party-Server etc.) die Verfügbarkeit von Webanwendungen erleben.
  • Höhere Skalierbarkeit, indem Beschränkungen in der Bandbreite oder der Anzahl der verfügbaren Server eines Providers erweitert werden durch das „Zuschalten“ der Kapazitäten anderer Anbieter.
  • Performanz-Probleme des Cloud-Providers, die Testergebnisse verfälschen, werden durch den Vergleich mit den Resultaten der anderen Cloud-Tests leichter entdeckt.

Die (Meta-)Cloud ist fast grenzenlos skalierbar und kann selbst robuste Anwendungen „stressen“. Allerdings hat die hohe Cloud-Performanz manchmal den Nachteil, die tatsächliche Nutzersicht nicht adäquat abzubilden. So haben die realen Besucher einer Website häufig weniger Bandbreite zur Verfügung als die künstlich in der Cloud erzeugten Anwender. Die Antwortzeit einer Webapplikation kann daher in Wirklichkeit spürbar länger sein, als im Lasttest ermittelt.

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Eine im Test zu kurz gemessene Latenz führt dazu, dass Testingenieure die Performanz für akzeptabel halten, da sie sich augenscheinlich im vordefinierten Toleranzbereich bewegt. Tatsächlich ist sie aber für den realen Anwender unzureichend, sodass er das Online-Angebot als schlechten Service erlebt und noch vor der Konversionshandlung verlässt. Dauern die realen Antwortzeiten länger, erhöht sich zudem die Zahl gleichzeitig aufgebauter Verbindungen gegenüber den Messergebnissen.

Cloud in Testszenarien einbinden

Der Server ist so in Wirklichkeit einer höheren Belastung als im Test ausgesetzt, selbst wenn die Quantität der Browseranfragen gleich gewählt ist. Eine Lasttestlösung sollte daher eine Bandbreitensimulation umfassen, um den Datendurchsatz bewusst limitieren zu können. Das gilt besonders für den Test von Apps, da Mobile User sich selbst beim HSDPA-(3,5G)-Standard mit einer Datentransferrate von manchmal deutlich unter 100 kb/s zufrieden geben müssen. Ebenso wichtig ist die Erzeugung paralleler HTTP-Anfragen, da gleichzeitige Downloads die Antwortzeiten verlängern und Fehlerraten tendenziell erhöhen.

Ein Vorteil der Cloud ist das „Fast Ramp-up“, also die (fast) unmittelbare Verfügbarkeit weltweit verteilter Lastgeneratoren. Um diesen Vorsprung auch fachlich nutzen zu können, ist eine direkte Einbindung der Cloud-Infrastruktur in die Planung, Steuerung und das Monitoring von Tests entscheidend.

Lasttest-Cloud in bedarfsgerechter Gesamtlösung

Multi-Cloud-Konzepte ermöglichen hoch skalierbare Lasttests, die „von Außen“ zeigen, wie der Nutzer den Zugriff auf Webanwendung real – statt unter abgeschlossenen Laborbedingungen – erlebt. Zusätzlich kann der Zeit- und Kostenaufwand für das Aufsetzen der Testläufe reduziert werden. Dennoch wird die Cloud traditionelle Tests hinter der eigenen Firewall nicht überflüssig machen, sondern zu einem zweistufigen Verfahren erweitern.

Eine moderne Lasttestlösung sollte daher das Potenzial der Cloud ausschöpfen und sie zusammen mit internen Lastgeneratoren in eine nutzerfreundliche Gesamtlösung integrieren. Dazu gehört auch die Abbildung des kompletten Testregelkreises (Planung, Steuerung, Analyse, Reporting) sowie die Unterstützung für moderne „Web 2.0“-Technologien (z.B. Adobe Flex, MS Silverlight, RTMP, AJAX) und die gängigen Authentifizierungsverfahren (u.a. Kerberos, NTLM, Digest, Basic).

* Der Autor Alexander Kunz ist Business Development Manager bei Neotys.

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