Gartner-Analyse der Erfahrungen von Anwendern

Die Lehren aus DCIM-Projekten

| Autor / Redakteur: Ludger Schmitz / Ulrike Ostler

Über die Raumplanung geht DCIM weit hinaus
Über die Raumplanung geht DCIM weit hinaus (Bild: Tibbo Systems)

Wer umfangreiche IT-Projekte vorhat, wird sich nicht ausschließlich auf eigenes Wissen und eigene Recherchen verlassen. Die Erfahrungen von anderen IT-Verantwortlichen sind höchst interessant. Das gilt gerade bei einem möglicherweise kostspieligen Projekt wie Datacenter Infrastructure Management.

Noch ist Data Center Infrastructure Management (DCIM) nicht weit verbreitet, aber etliche IT-Verantwortliche überlegen, ob es sich für ihre – meist größeren – IT-Umgebungen hilfreich sein könnte. Der DCIM-Anbieter Nlyte Software hat eine Gartner-Studie zugänglich gemacht, die sich weitgehend mit Erfahrungen von Anwendern mit Projekten und Tools für beschäftigt. Die Befunde dürften nicht jedem Anbieter solcher Tools gelegen kommen. Für Anwender geben sie wertvolle Tipps zum Start solcher Projekte.

Vieles möglich, nicht alles nötig

DCIM-Tools sind darauf angelegt, nicht einfach die vorhandene IT-Infrastruktur zu optimieren, sondern sie vorausschauend so zu optimieren, dass sich künftige Prozesse unterbrechungsfrei und effizient gestalten lassen. Dazu gehören nun eine Menge ganz unterschiedlicher Aspekte, und das widerspiegelt sich in der funktionalen Vielfalt der Tools. Es muss aber nicht immer alles sein, zumal wenn ein Anwender zu Einzelaspekten sehr leistungsfähige andere Tools im Einsatz hat, mit denen das Personal routiniert arbeitet.

Sechs Funktionen allerdings sind es mindestens, die ein DCIM-Tool nach Ansicht von Gartner mitbringen sollte: Energieüberwachung, Umwelt-Monitoring (Klimatisierung), Ressourcen- oder Asset-Management, Visualisierung von Räumlichkeiten und Verbindungen, Reporting sowie vorausschauende Analysen. Hinzukommen könnten beispielsweise noch die Modellierung und Simulation, die Überwachung von Luftströmungen und -druck, das Workflow-Management etc.

Besser Modul auf Modul aufbauen

Zwei Drittel der von Gartner Befragten empfehlen, nicht ein Tool anzuschaffen, was all das und noch viel mehr kann, sondern Schritt für Schritt, von Modul zu Modul eine DCIM-Umgebung aufzubauen.Es ist also zum einen wichtig, welche Funktionen man vorrangig benötigt. Zum anderen scheiden bei dieser Herangehensweise Komplettlösungen aus, wobei es andererseits wichtig ist, ob modulare Angebote logisch aufgebaut und granular genug sind.

Das häufigste Ziel bei DCIM-Projekten ist die Kapazitätsplanung von Rechenzentren. Und damit tut sich schon ein Widerspruch auf. So gesteht Gartner ein: „Die effektivste Implementierung von Kapazitätsplanung würde sich die meisten, wenn nicht alle der vielen Möglichkeiten von DCIM zu Nutze machen.“

Drei Säulen bilden das Fundament

Doch genau das, so stellen die Analysten im Report schon zwei Sätze später fest, ist unrealistisch und findet in der Praxis auch nicht statt. Es geht eben Modul nach Modul voran. Der Einstieg besteht auf drei fundamentalen Komponenten: Energieüberwachung, Umwelt-Monitoring und Ressourcen-Management. In der Anwenderpraxis steht das Workflow-Management hoch auf der Prioritätenliste. Damit sind hier keine Softwareprozesse gemeint, sondern Hardwarethemen: Beispielsweise wo genau in welchem Rack idealerweise ein bestimmter Server unterzubringen ist.

Den Anwendererfahrungen schließt sich Gartner an. Man solle schon wissen, was man am Ende mit DCIM alles machen möchte, aber ansonsten erst einmal kleine Brötchen backen. Braucht man wirklich 3D-Visualisierung oder Animationen? Wenn ja, ist das schon am Anfang eines Projekts ein K.o.-Kriterium, obwohl man das Modul erst lange Zeit später einrichten wird. Ansonsten ist ein gutes Reporting-Tool noch wichtiger.

Sich bei Kollegen umhören

Wer über ein DCIM-Projekt nachdenkt, ist gut beraten, sich bei anderen IT-Verantwortlichen umzuhören, warum sie noch nicht (!) solche Tools im Einsatz haben. Die dürften an erster Stelle die Kosten nennen, an zweiter fehlendes Fachpersonal und drittens andere höhere Prioritäten. Tatsächlich können die DCIM-Tools teuer sein, und der Preis ist nicht unbedingt ein Indikator für Qualität und Eignung im speziellen Fall.

Wer geht nacher mit DCIM um?

Unter dieser Bedingung ist es schon wichtig, sich vorab im Klaren zu sein, wer DCIM in der Praxis verwenden wird und folglich auf die Schulung dieser IT-Fachkräfte Wert zu legen. Eine nur zur Hälfte genutzte Software ist doppelt so teuer wie ihr Rechnungsbetrag. Nicht die CIOs werden die Hauptnutzer von DCIM sein, sondern Leute aus dem Datacenter Management. Wer das ist, muss vorher klar sein. Dabei können mehrere Ebenen und Spezialaufgaben eine Rolle spielen, weshalb rollenbasierte Zugriffsrechte und Dashboards von Interesse sein dürften.

Neben dem Preis ist also die Anwenderfreundlichkeit ein wichtiges Kriterium. Nur darf die nicht zu Lasten der Funktionalität gehen. Autodiscory ist dabei eine wichtige Eigenschaft; denn es kann zu einer zeitraubenden und wenig attraktiven Arbeit werden, bei der Einrichtung einer DCIM-Software erst einmal sämtliche vorhandenen Ressourcen mit ihren Eigenschaften, Verbindungen und Positionen erheben zu müssen. Zumindest soll ein DCIM-Produkt in der Lage sein, solche Daten aus anderen Anwendungen zu importieren.

Passt das Tool zu bestehender Software?

Damit ist das Kriterium der Interoperabilität angesprochen. Die betrifft die Hardware, die schon Messstellen mitbringt, ebenso wie auf die Software. Ein DCIM-Tool muss zur vorgefundenen Softwareumgebung passen, vor allem zur Configuration Management Database (CMDB), zu bestehendem Asset Management, zum Workflow Management und zum IT Service Management. Je einfacher die Integration solcher Systeme ist, desto geringer wird der ohnehin beträchtliche Aufwand, DCIM einzurichten.

Eine Veränderung hat die Gartner-Studie am Rande noch festgestellt, die unterschiedlich bewertet werden dürfte: Früher wurden DCIM-Projekte aus Sonderbudgets finanziert, heute belasten sie eher die IT-Etats. Das bedeutet, früher musste man eine Reihe Entscheider im Unternehmen von DCIM überzeugen. Heutzutage haben die meisten IT-Verantwortlichen mehr Entscheidungsfreiheit. Aber das DCIM-Projekt wird ihre Budget belasten. Dabei soll DCIM doch dazu führen, die IT-Kosten zu senken. Es muss sich also sicher lohnen. Aber so ist es ja auch bei anderen IT-Projekten.

* Ludger Schmitz ist freiberuflicher Journalist in Kelheim.

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