HPE Discover 2017

Die HPE-Glocke läutet im Dreiklang: Hybrid Cloud, Edge-Computing und Services

| Autor / Redakteur: Ariane Rüdiger / Ulrike Ostler

Die Veranstaltung "HPE Discover" fand vom 28. bis 30 November in Madrid statt. Die kommende Hausmesse wird in Las Vegas stattfinden, vom 18. bis zum 21. Juni 2018.
Die Veranstaltung "HPE Discover" fand vom 28. bis 30 November in Madrid statt. Die kommende Hausmesse wird in Las Vegas stattfinden, vom 18. bis zum 21. Juni 2018. (Bild: HPE)

Vor rund 10.000 Gästen präsentierte HPE in Madrid Produkte und Services, in deren Zentrum die hybride Cloud einschließlich eines intelligenten IoT-Edge standen. Außerdem regelte CEO Meg Whitman ihre Nachfolge.

„Wenn ich es nochmal tun könnte, würde ich die Transformation des Unternehmens sogar schneller vorantreiben“, sagt Meg Whitman, in den vergangenen sechs Jahren CEO und Präsident von HP/HPE anlässlich der europaweiten Kunden- und Partnerkonferenz „HPE Discover 2017“ Ende November in Madrid. HPE sei nun richtig positioniert, um von den rasanten technologischen Veränderungen der aktuellen Periode zu profitieren.

„Eine Transformation dauert nun einmal fünf Jahre und man muss oft sehr schnell handeln“; erklärte sie die gelegentich erratisch anmutenden Schachzüge des IT-Giganten. „Wir setzen in Zukunft auf drei Themen: hybride IT so einfach wie möglich zu machen, ein intelligentes Edge und die dazugehörigen Services.“

Die Produktkategorien stimmten jetzt, aber vielleicht müsse HPE noch etwas bei den einzelnen Produkten bereinigen. Damit könne sie die CEO-Rolle an einen HPE-internen Nachfolger mit stärker technologischem Fokus übergeben. Whitman: „Dafür ist Antonio Neri genau der Richtige.“ Neri ist seit 22 Jahren für HP/HPE tätig, derzeit als Präsident von HPE.

Das Produkt für Multi-Clouds

Verwaltungsbasis der zukünftigen Multicloud-Umgebungen soll, geht es nach HPE, das in Madrid angekündigte „Onesphere“ werden. Das Werkzeug verwaltet unter einer einheitlichen Oberfläche die Applikationsverteilung auf alle IT-Erbringungsformen - von der On-Premise-Infrastruktur bis zur Public Cloud, auf virtuelle Maschinen, Container und Bare Metal sowie auch Hard- und Software anderer Hersteller als HPE. Die Benutzerschnittstelle hat eine ansprechende Web-Optik, bietet Abrechnngsmöglichkeiten bis hinunter zum Arbeitsplatz und wird als Service vertrieben.

Auch die HPE-Infrastrukturprodukte „Synergy“ und „Simplivity“ sollen unter den Multi-Cloud-Management-Schirm von Onesphere fallen. Onesphere-Umgebungen sind Multi-Tenant-fähig und bieten einen speziellen Projektbereich, in dem Entwickler per Selbstbedienung direkt ihre Projekte entwickeln und später in einer Private oder Public Cloud zur Nutzung bereitstellen können. In den USA ist Onesphere ab Januar verfügbar, in Deutschland etwas später.

„Onesphere ist aber kein Plug-and-Play-Produkt“, betont Ric Lewis, Senior Vice President und General Manager Software Defined Cloud bei HPE. Bei der Implementierung und der Entscheidung, welche Apps letztlich wohin verschoben werden, sollen die 25.000 Berater von Pointnext helfen – oder die diversen Integratoren, mit denen HPE kooperiert.

Ob diese allerdings über Onesphere begeistert sind, darf durchaus bezweifelt werden. Immerhin hat beispielsweise Accenture ein eigenes Tool für diese Aufgabe entwickelt und bietet es im Zusammenhang mit Outsourcing-Verträgen an. Vorbeugend betonte das gesamte HPE-Management immer wieder gebetsmühlenartig, die Reibungsflächen mit den Partnern seien sehr gering. Zu tun gebe es für alle genug.

HPE findet vielversprechenden IoT-Partner

Die zweite wichtige Nachricht bezieht sich auf das intelligente Edge und IoT: HPE gab in Madrid eine strategische Kooperation mit dem großen Schweizer Siemens-Konkurrenten ABB bekannt. ABB will sämtliche seiner elektrotechnischen und -mechanischen Komponenten mit Intelligenz und Vernetzungstechnik anreichern.

Das Unternehmen bringt unter anderem seine selbst entwickelte IoT-Plattform „Agility“ in die Kooperation mit HPE ein. HPE verabschiedet sich vorerst davon, eine eigene, bis zur Applkationsebene heraufreichende IoT-Plattform zu entwickeln. Man beschränkt sich auf das, was man am besten kann: Infrastruktur. Auf der Zugangs-Netzwerkebene der zu realisierenden IoT-Umgebungen steuert HPE die „Universal IoT Platform“ sowie „Edgeline“-Systeme bei.

Auf der Ebene der lokalen Datenaggregation und -verarbeitung wird das im vergangenen Jahr zusammen mit Rittal vorgstellte Mikro-Rechenzentrum nun von ABB als „Secure Edge Data Center“ angeboten. Eine wichtige Rolle werden wohl am Edge auch die Vernetzungslösungen von Aruba spielen. Sowohl ABB als auch Siemens kooperieren eng mit „MS Azure “. Gerade hat HPE einen kompletten Azure-Stack als Service im Rahmen seiner „Greenlake-Flexcapacity“-Dienste angekündigt.

Kunden wollen ABB und HPE gemeinsam adressieren und mit Services versorgen. Wer letztlich der Hauptkontakt des Kunden ist, werde einvernehmlich nach den Gegebenheiten des individuellen Falles entschieden, erklärten Volkhard Bregulla,Vice President Global Manufacturing Industries und IoT, sowie Ciaran Flannagan, Leiter der Datenzentrumsgruppe bei ABB, vor Vertretern der Presse. Die Gründung von Joint Ventures sei genauso wenig ausgeschlossen wie die punktuelle Zusammenarbeit mit Drittherstellern, wo es das individuelle Projekt erfordere. Weitere strategische Partnerschaften derselben Größenordnung werde es allerdings nicht geben.

Über die grünen Verbindungen und zwei von HPE selbst entwickelte, redundante ASICs werden "Superdome-Flex"-Module untereinander vernetzt und lassen sich dann als ein System nutzen.
Über die grünen Verbindungen und zwei von HPE selbst entwickelte, redundante ASICs werden "Superdome-Flex"-Module untereinander vernetzt und lassen sich dann als ein System nutzen. (Bild: Ariane Rüdiger)

Neuer Superdome übernimmt SGI-Modulvernetzung

Als einzige echte Hardware-News präsentierte HPE die neue Generation des „Superdome“, „Superdome Flex“. Das Gerät ist eine Synthese aus SGI- und HPE-Technik: Von SGI wurde die Vernetzung der einzelnen, mit jeweils vier Prozessoren und Speicher ausgerüsteten Module übernommen, von denen maximal acht in ein System mit 42 Höheneinheiten passen. Die interne Vernetzung funktioniert über zwei redundnate ASICs, die mit allen vier Prozessoren über eine proprietäre 100-GBit/s-Verbindung per Kabel untereinander redundant verbunden sind.

Ein System fasst acht solcher Einheiten und damit bis zu 32 Prozessoren. Jeder Prozessor hat 12 DIMM-Speichersteckplätze. Ein System skaliert zwischen 1 und 48 Terabyte. Adressiert werden vor allem Anwendungen, bei denen der im Hochleistungsrechnen übliche Ansatz, viele gleichartige Systeme nebeneinander aufzubauen (Scale-out) weniger gut funktioniert, weil sie sich schlecht parallelisieren lassen, beispielsweise SQL-Datenbanken. Aktuell laufen auf dem System „Suse Linux Enterprise Server“ (SLES) und Red Hat Enterprise Linux (RHEL), in den nächsten Monaten folgen „Oracle Linux“ und VMware, anschließend kommt „Windows“ an die Reihe.

Synergy und Simplivity laufen bald mit Gen10-Servern, die mit aktuellen Intel-Prozessoren ausgerüstet sind. Neben den bereits erhältlichen 2-Sockel-Typen folgen weitere Gen10-Server mit vier Sockeln spätestens im kommenden Jahr.

Verschmelzung und ganz Neues

Kurz vor der Konferenz in Madrid kündigte HPE mit dem „DL385“ einen speziell für Virtualisierungsumgebungen geeigneten, auf dem AMD-Prozessor „EPYC“ basierenden Server an, den ersten neuen AMD-Server seit Jahren. Eher im Nebensatz war von Antonio Neri zu erfahren, dass die Composable-Infrastructure-Plattform Synergy längerfristig mit Simplivity zusammenwachsen soll.

Demnächst Führungswechsel: Meg Whitman (Mitte) übergibt im Februar ihre Rolle als CEO an den derzeitigen HPE-Präsidenten Antonio Neri (rechts), bleibt aber im Vorstand. Links Randy Cairns, verantwortlich für Analyst Relations.
Demnächst Führungswechsel: Meg Whitman (Mitte) übergibt im Februar ihre Rolle als CEO an den derzeitigen HPE-Präsidenten Antonio Neri (rechts), bleibt aber im Vorstand. Links Randy Cairns, verantwortlich für Analyst Relations. (Bild: Ariane Rüdiger)

Die von Nimble stammende analytische Software „Infosight“, die beispielsweise den Speicherbedarf bestimmter Applikationen analytisch prognostiziert, wird demnächst auf die übrigen Speicherprodukte von HPE, insbesondere „3Par“, aber auch Simplivity, ausgedehnt. Langfristig soll sie alle HPE-Infrastrukturkomponenten analysieren.

So zufrieden Meg Whitman mit dem wirkte, was sie bei ihrem Umstieg in die Aufsichtsratsrolle hinterlässt - im Bereich Datacenter-Netzwerk sieht die scheidende CEO Meg Whitman bei aller sonstigen Zufriedenheit eine Lücke. „Wir sind hier auf Arista angewiesen, das sehr erfolgreich den Marktführern Anteile abnimmt. Aber dabei soll es nicht bleiben“, sagte sie. Ihrem Nachfolger stellt sich damit eine sehr konkrete technische Aufgabe.

* Ariane Rüdiger ist freie Journalsitin und lebt in München.

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