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Sensorik

Die Gold Digger in der Big Data Falle

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Eine Hürde für neue Ansätze sei deshalb die Sprache, meint Dr. Myriam Jahn. „Traceability beispielsweise bedeutet für uns RFID, bei SAP die Prozessverfolgung. Oder: Bei uns steht Echtzeit für Millisekunden, bei SAP sind das Minuten.“ Für Gerstner von Baumer liegt eine weitere Herausforderung darin, genügend Mitarbeiter zu finden, die in der Lage sind, „mit visionären Ideen und hoher Kompetenz die Brücke zwischen der mechatronischen Welt des Sensors und dem IoT-Umfeld zu bauen.“ In Industrie 4.0 stoßen mehr als nur zwei Welten aufeinander. Ziesemer sieht die Stolpersteine besonders in der unterschiedlichen Kultur der Spezialisten: „IT-Leute denken anders als Automatisierer. Diese kulturelle Barriere muss man einfach sehen. Manche Informationen sitzen teilweise nur in der IT, andere im Plant Asset Management System.“ Endress + Hauser hat deshalb vor einigen Jahren ein Projekt gestartet und die Leute zusammengebracht. „Räumlich, in einem Büro. Es hat etliche Wochen gedauert, bis die eine gemeinsame Sprache gefunden haben. Aber seitdem arbeiten sie sehr produktiv und erfolgreich an Themen Richtung Big Data und Industrie 4.0.“

Wo genau das Geschäftspotenzial für Endress + Hauser liegt, das sei eine Frage der Kontextinformation. „Es ist ein Unterschied, ob ich den Reaktor in der chemischen Produktion anders regeln will oder über die Instandhaltung rede. Wir verstehen etwas von Datenanalytik, welche Daten relevant sind für den Sensor. Um die Anlage zu fahren, müsste ich etwas von dem Prozess verstehen, der Reaktion die darin läuft. Das ist nicht unser Metier.“

Wie Ziesemer sehen auch andere deutlich ihren Grenzen. „Jedem fehlt mindestens die Hälfte des Know-hows. Wir sind nicht in der IT-Welt zu Hause. Software, Datenbanken – das Wissen dazu fehlt uns. Und das geht allen so“, benennt Dr. Jahn den wunden Punkt. Kein Wunder also, dass derzeit in immer mehr Betrieben partnerschaftliche Ambitionen reifen. Da geht es um vertikale Kooperationen, um das spezifische Anwender-Know-how des Kunden einzubinden, und um horizontale, um Kompetenzlücken zu schließen. Pepperl + Fuchs etwa will nicht nur wie bisher mit anderen Hersteller von Automatisierungsprodukten und -systemen kooperieren. Dr. Kegel: „Auch mit Unternehmen, die aus einem anderen Blickwinkel in die IOT-Welt vorstoßen, können interessante Kooperationen entstehen.“

„Know-how ergänzen“, lautet die Parole. Auch Firmenkäufe sind für viele denkbar. Ohne Kooperationen und das Bündeln von Kompetenzen geht es nicht, da sind sich alle einig. Denn unterm Strich kämpfen Sensorikhersteller mit alten Maschinen und Anlagen, müssen Warenwirtschafts- und Produktionssysteme verstehen und über vielfältiges Branchen- und Fach-Know-how verfügen oder sich zumindest reindenken können. Dr. Jahn: „Das ist das Setting von Industrie 4.0. Dass sich da die meisten Hardware-Hersteller nicht rantrauen, kann ich verstehen.“

Der Beitrag erschien zuerst auf dem Portal unserer Schwestermarke elektrotechnik.

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Über den Autor

 Karin Pfeiffer

Karin Pfeiffer

Journalistin