Der Maßstab in Sachen Datenschutz wackelt

Die DSGVO-Verantwortung sollen am liebsten andere tragen

| Redakteur: Ulrike Ostler

Auswirkungen der DSGVO auf Datenschutz/Datenvertraulichkeit: Das, was die Befragten über die DSVGO glauben zu wissen, und die tatsächlichen Kenntnisse ist nicht kongruent.
Auswirkungen der DSGVO auf Datenschutz/Datenvertraulichkeit: Das, was die Befragten über die DSVGO glauben zu wissen, und die tatsächlichen Kenntnisse ist nicht kongruent. (Bild: Digital Reality)

In Deutschland legen die Unternehmenslenker und die Verbraucher großen Wert auf Datenschutz und Sicherheit. Doch die Ansichten bezüglich der nächsten Stufe des Datenschutzes und der Privatsphäre – und dazu lässt sich die Europäische Datenschutzgrundverordnung, kurz DSVGO, rechnen, sind sehr gespalten. Hilft sie der Digitalisierung?

Im Herbst des vergangenen Jahres untersuchte IDG Connect im Auftrag von Digital Reality den deutschen Markt mit einer Online-Umfrage von 100 befragten IT-Managern aus unterschiedlichsten Branchen und Unternehmen mit 500 und mehr Mitarbeitern. Das Ziel war es, ein Gefühl für Einstellungen und Vorgehensweisen zum Thema Datenschutz in Deutschland zu bekommen.

„In der Zukunft ist es sehr wahrscheinlich, dass die Kontrolle von Rechenzentren durch Drittanbieter zum standardmäßigen Bereitstellungsmodell wird. CIOs werden sich nur dann für die Verwaltung ihrer eigenen Rechenzentren entscheiden, wenn es um strenge geistige Eigentumsrechte geht oder andere Gründe dagegensprechen“, heißt es in der Studie.
„In der Zukunft ist es sehr wahrscheinlich, dass die Kontrolle von Rechenzentren durch Drittanbieter zum standardmäßigen Bereitstellungsmodell wird. CIOs werden sich nur dann für die Verwaltung ihrer eigenen Rechenzentren entscheiden, wenn es um strenge geistige Eigentumsrechte geht oder andere Gründe dagegensprechen“, heißt es in der Studie. (Bild: Digital Reality)

Nach Angaben der Marktforscher waren die Ergebnisse aufschlussreich: Es wurde nicht nur festgestellt, dass die Deutschen glauben, beim Datenschutz führend zu sein (auch wenn eine signifikante Minderheit der Meinung ist, dass dies die Zukunft des Landes als Wirtschaftsstandort gefährden könnte). Viele sehen auch die Notwendigkeit härterer Strafen gegen Unternehmen, die gegen den Datenschutz verstoßen.

In Zahlen: Mehr als vier von fünf Befragten meinen, dass der Datenschutz in Deutschland von Einzelpersonen und Unternehmen ernster genommen wird als in anderen europäischen Ländern. Ungefähr der gleiche Anteil (82 Prozent) erwartet, dass andere Länder Deutschland folgen und ihre Maßnahmen verschärfen werden.

Das denken die Befragten nach Darstellung der Studie über die deutsche Gesetzgebung.
Das denken die Befragten nach Darstellung der Studie über die deutsche Gesetzgebung. (Bild: Digital Reality)

Die Studienmacher pflichten der Einschätzung bei: Sie sagen: „Das Selbstvertrauen ist wahrscheinlich gerechtfertigt.“ Maßnahmen wie die C5-Regularien, die für Unternehmen gelten, die staatlichen Aufgaben nachgehen, gingen über die Anforderungen der EU hinaus. Außerdem habe Deutschland eine strenge Haltung gegen vermeintliche Verstöße eingenommen, wie zum Beispiel bei den Street-View-Fotokarten von Google. In Deutschland sei außerdem bewirkt worden, dass Cloud-Service-Provider lokale Rechenzentren errichten, damit die Daten im Land angesiedelt werden können und damit die Einhaltung der lokalen Gesetze gewährleistet sei.

Mit neuen Regularien wie die aktuelle Payment Services Directive PSD2 im Zahlungsverkehr und der DSGVO für alle Organisationen, die Daten zu EU-Bürgern besitzen, werden Deutschland und das übrige Europa stärkere Datenverwaltungsgesetze als je zuvor haben. Ein Viertel der Befragten äußerte sich dahingehend, dass die derzeitigen Vorschriften bereits jetzt belastend seien und, dass Regularien und Bürokratie der deutschen Wirtschaft schaden könnten.

Bei der Untersuchung neuer Vorschriften wie der EU Datenschutz-Grundverordnung (DSGVO) offenbarte sich noch ein Problem: Während die Befragten überzeugt waren, ausreichende Kenntnisse dieser neuen Regularien zu haben, zeigte sich bei einer näheren Betrachtung ein gemischtes Niveau an Wissensständen.

Erwarteter Datenschutzansatz für die nächsten fünf Jahre
Erwarteter Datenschutzansatz für die nächsten fünf Jahre (Bild: Digital Reality)

Viele erwarteten, dass die DSGVO dazu führen werde, dass Unternehmen bei der Datenfreigabe, dem Einholen von Genehmigungen und der Datenerfassung mehr Vorsicht walten lasse und Datenschutzbeauftragte ernennen müsse. „Diese Erwartungen sind zwar korrekt, heißt es in der Studie“, aber viele der Befragten identifizierten diese Notwendigkeiten nicht.

So haben lediglich 38 Prozent der Umfrageteilnehmer erkannt, dass sie Datenschutzbeauftragte einstellen müssen (siehe: Abbildung oben). „Das widerspricht ihrer Aussage, dass sie mit neuen und kommenden Regularien mehr oder weniger vertraut sind“, lautet di e Schlussfolgerung. Doch immerhin werde die DSGVO dafür sorgen, dass Firmen, die rücksichtslos mit Daten umgegangen seien, bei Verstößen mit Geldstrafen von bis zu vier Prozent des Jahresumsatzes rechnen müssen. Dieser Umstand führe verständlicherweise zu großer Besorgnis und Angst, so die Studie, und einem Wettlauf, die Vorschriften bis Mai 2018 zu erfüllen.

Diese Unsicherheit rufe die Dienstleister auf den Plan. Ihnen komme eine wachsende Rolle beim Verstehen und Einhalten der sich ändernden Regularien zu. Und während in der Vergangenheit ein starker Datenschutz ein Synonym dafür gewesen sei, Daten hinter der Firewall des Unternehmens zu halten und Verteidigungssysteme Schicht um Schicht aufzubauen, habe sich die Wahrnehmung geändert – insbesondere zugunsten von Co-Location.

Die positive Einschätzung gelte insbesondere im Hinblick auf die Sicherheit, die ein Co-Location-Provider mitbringt, ob das nun Teil einer Cloud-Migration ist oder nicht. Fast drei Viertel der Befragten glauben, dass der Umstieg von Inhouse auf Co-Location zu einer verbesserten Sicherheitsstellung beitragen wird.

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